Diversity Diary: Babylonische Verhältnisse

05. Dezember: Nationalfeiertag in Thailand

 

Zwischen Militär und Königtum

 

Mit seinem Nationalfeiertag ehrt Thailand seinen ehemaligen König Bhumibol Adulyadej, der 2016 verstorben ist. 60 Jahre lang war der Monarch, der am 05. Dezember 94 Jahre alt geworden wäre, das Oberhaupt des südostasiatischen Königreiches gewesen.

Bis 1939 trug das Land den Namen „Siam“. 1939 ordnete der damalige Diktator Plaek Phibunsongkhram die Umbenennung an, um die Vorherrschaft der Thai zu manifestieren. 75 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Thai, daneben leben chinesische und malaiische Minderheiten im Land. 

Der König ist formell Staatsoberhaupt, übt jedoch vor allem ein repräsentatives Amt aus. Abgesehen vom Königshaus sind die politischen Verhältnisse in Thailand instabil: Nur jeweils für kurze Zeit konnten sich in Thailand demokratische Strukturen etablieren, die meiste Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg herrschten Militärregierungen. Die politische Landschaft ist in zwei Lager gespalten, in die aus dem liberalen Bürgertum entstandenen und zunehmend konservativ-monarchistisch geprägten „Gelben“ und die vornehmlich aus der unteren Mittelschicht stammenden und regierungskritisch eingestellten „Roten“. Politische Parteien werden in Thailand nicht von einer gemeinsamen Ideologie, sondern von einer Führungsperson zusammengehalten. Das Ende der politischen Karriere dieser Person bedeutet daher auch zumeist das Ende der Partei. 

Zuletzt setzte sich das Militär 2014 in einem Putsch durch und setzte die Verfassung außer Kraft. Seither übt eine Legislativversammlung aus 220 vom Militär gewählten Mitgliedern die gesetzgebende Macht im Land aus. Oberste Instanz über alle politischen Aktivitäten ist der „Nationale Rat zur Erhaltung des Friedens“, dessen Vorsitzender General Prayut Chan-o-cha zugleich Premierminister ist. Frauen haben in Thailand erst seit 1982 das volle aktive und passive Wahlrecht, vorher durften sie auf kommunaler Ebene nicht kandidieren. 

Im September 2020 demonstrierten Zehntausende friedlich für Neuwahlen und die seit Jahren angekündigte Verfassungsänderung. Aktivist*innen müssen in Thailand mit Verhaftung, Folter und Misshandlungen durch Polizei und Regierungsbeamte rechnen. Thailand praktiziert die Todesstrafe, die vor allem für Drogenhandel verhängt wird. Auf Majestätsbeleidigung stehen drakonische Gefängnisstrafen. Soziale Medien werden von der Regierung kontrolliert und entsprechende oppositionelle Aktivitäten geahndet.

Fast 70 Millionen Menschen leben auf einem Gebiet, das mit 513.115 Quadratkilometern etwas größer als Spanien ist. Damit gehört Thailand zu den zwanzig bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Die Hauptstadt Bangkok ist mit 5,6 Millionen Einwohner*innen bei weitem die größte Stadt des Landes. Die politischen Verhältnisse spiegeln sich in der wirtschaftlichen Lage des Landes wieder. Zwar gehört Thailand nicht zu den ärmsten Ländern der Region und hat seine Ökonomie in den letzten Jahrzehnten von rein landwirtschaftlicher Orientierung hin zu Dienstleistungen, Industrie und Technik entwickelt. Korruption ist jedoch weit verbreitet und der Unterschied zwischen Arm und Reich hoch. Viele Frauen begeben sich in die Prostitution, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern. Schätzungsweise arbeiten bis zu 300.000 Prostituierte im Land; jede zehnte ist noch minderjährig. 

 

Bedrohtes Touristenparadies

 

Während der Norden des Landes von Gebirge und einer kargen Hochebene geprägt ist, finden sich vor allem im Osten fruchtbare Landschaften und herrliche Strände, die für die Haupteinnahmequelle des Landes sorgen: den Tourismus. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie verbrachten jährlich 35 Millionen Menschen ihren Urlaub in dem südostasiatischen Land. 2016 war Bangkok die meistbesuchte Stadt der Welt. 

Im Norden sind die Jahreszeiten deutlich unterscheidbar: Zwischen November und Februar ist es eher kühl, von März bis Mai sehr heiß mit Temperaturen deutlich über 35 Grad und von Mai bis November weiterhin heiß. Im Süden des Landes herrscht dagegen ganzjährig heißes tropisches Klima. Der Monsun sorgt vor allem im Süden für Feuchtigkeit. 

Noch bis 1960 war Thailand zu 80 Prozent von Wäldern bedeckt. Heute besteht nur noch knapp ein Fünftel der Landesfläche aus Wald. Schuld daran sind das starke Bevölkerungswachstum vor allem in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und der damit einhergehende Ausbau der Infrastruktur. Über 60.000 Quadratkilometer der Landes- und 6000 Quadratkilometer Meeresfläche sind heute als Nationalpark geschützt. 

Am 26. Dezember 2004 wurde auch Thailand schwer von dem Tsunami getroffen. 407 Dörfer wurden überflutet, geschätzt starben über 8000 Menschen, darunter viele ausländische Tourist*innen, die ihren Weihnachtsurlaub in Khao Lak, Phuket oder Ko Phi Phi verbracht hatten. 2011 kam es an den Ufern des Chao-Pharya-Flusses zu schweren Überflutungen, denen 400 Menschen zum Opfer fielen. Überschwemmungen gehören zu den Auswirkungen des Klimawandels, von denen Thailand besonders stark betroffen ist. Seit 2005 setzt das Land daher konsequent auf Klimaschutzmaßnahmen. Dennoch befindet sich vor allem der Energiesektor im Bereich regenerative Quellen erst im Ausbau, noch stammt die Energie hauptsächlich aus fossilen Quellen und gehört Thailand zu den größten Braunkohleförderländern weltweit. Dennoch belegt Thailand im aktuellen Klimaschutzindex, der die Klimaschutzbemühungen von 61 Staaten misst, Rang 26. 

 

 

Zwischen Tradition und Moderne: Willkommen im Jahr 2564!

 

Neben der offiziellen Amtssprache Thai werden in Thailand 73 weitere Sprachen gesprochen. Thai verwendet ein eigenes Alphabet mit 44 Konsonanten und 32 Vokalen. 

Die überwiegende Zahl der Thai bekennt sich zum Buddhismus, der ohne offiziell Staatsreligion zu sein, von der Regierung besonders gefördert wird. So muss der König zwingend dem buddhistischen Glauben angehören, da er zugleich Schutzherr der Mönchsgemeinde ist. Neben den buddhistischen Traditionen ist auch der Glaube an Geister verbreitet. Fast vor jedem thailändischen Gebäude finden sich die San Phra Phum, kleine Häuschen aus Holz oder Gips, die den Geistern auf dem Grundstück eine Heimat geben sollen. 

Religiöse Riten und Traditionen prägen das Denken und Handeln im Alltag. Beispielsweise gilt es als Beleidigung, über jemanden hinwegzusteigen oder etwas mit dem Fuß zu berühren, da die Füße als unrein und der Kopf als heiligstes Körperteil gelten. 

Einen hohen Stellenwert hat der Respekt vor älteren Personen: Ältere kümmern sich um die Jüngeren, die Jüngeren schulden den Älteren Gehorsam. 

Traditionelle Wohnhäuser bestehen aus Holz und sind auf Pfählen gebaut, um die Bewohner*innen vor Überschwemmungen und wilden Tieren zu schützen. Vor allem die Klöster sind mit aufwendigen Schnitzereien geschmückt. Einen Eindruck thailändischer Architektur könnt ihr euch hierzulande im 11 Kilometer entfernten Bad Homburg verschaffen: Ein Spaziergang durch den Kurpark führt euch am „Siamesischen Tempel“ vorbei, welcher der Kurstadt 1914 vom damaligen siamesischen König Chulalongkorn geschenkt worden war. 

Im Sommer findet dort – außerhalb der Pandemiezeit - das größte deutsche Thai-Festival mit Tänzen, traditionellen Theateraufführungen und natürlich kulinarischen Genüssen statt. Anders als das westliche Theater sind beim traditionellen Thai-Theater Text und szenische Handlung meist getrennt – die Handlung, die häufig auf Märchen oder dem bedeutendsten literarischen Epos Ramakian basiert, wird pantomimisch und tänzerisch dargestellt und durch Musik untermalt, während ein Erzähler den Text rezitiert. Die Darsteller*innen tragen prächtige Kostüme und Masken. Beim traditionellen Schattentheater Nang yai bewegen sich die Akteur*innen hinter einer angestrahlten Leinwand. Traditionelle thailändische Musik hat eine andere Tonalität, die Oktave wird nicht in acht, sondern in sieben Töne aufgeteilt, die Melodien wiederholen sich. Kompositionen werden nicht niedergeschrieben, sondern durch Hören und Nachahmen weitergegeben. 

Thailand ist bekannt für seine Seidenweberei und Töpferkunst, für Silberschmiede und Holzschnitzereien. 

Einen hohen Stellenwert hat in Thailand das Pfadfindertum. Alle Schulkinder gehören einer Pfadfinderorganisation an – an einem festgelegten Tag der Woche erscheinen sie statt in der Schuluniform in der Uniform der Pfadfinder*innen zum Unterricht. Unter männlichen Jugendlichen ist nicht nur die (freiwillige) Wehrerziehung in der Schule verbreitet (welche die Absolventen vom Grundwehrdienst befreit), sondern auch das Noviziat in einem der über 30.000 Wat, der buddhistischen Klöster. 

In Thailand gilt eine eigene Zeitrechnung – der thailändische Kalender geht dem gregorianischen um 543 Jahre voraus; wir schreiben in Thailand also bereits das Jahr 2564. Traditionelle Feiertage richten sich nach dem Mondkalender, variieren also im Datum. Fällt ein Feiertag auf ein Wochenende, so ist der darauffolgende Montag arbeitsfrei. Der bedeutendste Feiertag ist Songkran, das thailändische Neujahrsfest. Es wird nicht am ersten Januar, sondern zum Erntebeginn Mitte April gefeiert. Brauch ist, sich dabei gegenseitig mit Wasser zu bespritzen. Im November feiern die Thai das Lichterfest Loi Krathong, bei dem sie sich bei den Göttern bedanken, indem sie kleine mit Blumen und Kerzen geschmückte Flöße in den Fluss setzen oder Heißluftballons aus Papier aufsteigen lassen. Neben den traditionellen thailändischen Feiertagen werden auch buddhistische und westliche religiöse Feiertage begangen.

Nationalsport Thailands ist das Thaiboxen, ein Kampfsport, bei dem sich zwei Kontrahenten in einem Ring gegenüberstehen und sich  - anders als beim „normalen“ Boxen nicht nur mit den Fäusten, sondern auch mit Ellbogen, Füßen und Knien bekämpfen. 

Die Landesküche ist von indischen, chinesischen und europäischen Einflüssen geprägt. Reis ist Grundnahrungsmittel und kommt zu jeder Mahlzeit auf den Tisch. Er ist so präsent, dass der thailändische Ausdruck für „eine Mahlzeit zu sich nehmen“ wörtlich übersetzt „Reis essen“ bedeutet. Ein viel verwendetes Gewürz ist Basilikum, das es in drei Sorten gibt. Ein Nationalgericht, das auch hierzulande bekannt ist, ist Phat Thai, gebratene Nudeln mit Ei, Tofu, Garnelen und Gemüse. Beliebt ist auch Khao Phat, gebratener Reis mit Fleisch, Ei, Zwiebeln und Knoblauch. Beide Gerichte werden jeweils fertig auf dem Teller serviert, während die „Gemeinschaftsgerichte“ auf Platten und in Schüsseln auf dem Tisch zur Selbstbedienung angerichtet werden. Dazu gehören „Kaeng“ („Thai Curry“), die auf der Basis spezieller Gewürzpasten zubereitet werden, die Fischsuppe Tom Yam oder der säuerlich-scharfe Salat Som Tam, der aus Papayas, Zwiebeln, Tomaten, Limetten, Bohnen und Erdnüssen zubereitet wird. Ein typisches Menü besteht normalerweise aus einer Suppe, einem Hauptgericht oder einem Salat und einer Fisch- oder Gemüsesauce zum Dippen. Alle Gerichte werden gleichzeitig serviert. Anders als in anderen asiatischen Ländern werden zum Essen üblicherweise Messer und Gabel (vor allem in ländlichen Gebieten auch noch die Finger) zum Essen benutzt. Überall im Land verbreitet sind Garküchen, offene Stände, an denen Speisen angeboten werden. Beliebte Getränke sind Bier, Sato, das aus vergorenem Reis gewonnen wird und Krachae, ein Saft aus Kokos- oder Palmyrapalmenblüten.

Klassische thailändische Gerichte könnt ihr im Nordend beispielsweise im Bangkok Restaurant, im Restaurant Suvarnabhum oder im Thai Art probieren. Im Sabai Thai Spa im Bornwiesenweg könnt ihr euch bei einer Massage entspannen. 1266 Frankfurter*innen haben einen thailändischen Pass.

 

Weiterlesen:

Georges Hausemer, Der lächelnde Elefant in der Rushhour. Picus Verlag, Wien 2002. ISBN 978-3854527619. Ein Streifzug durch Thailand.

 

Zum Weiterschauen:

Wie der Tourismus Thailand bedroht. WDR-Doku. Abrufbar auf Youtube.

 

In Frankfurt:

Bangkok, Sandweg 17, Frankfurt-Nordend

Suvarnabhum, Friedberger Landstr. 83, Frankfurt-Nordend

Thai Art, Oeder Weg 61, Frankfurt-Nordend

 

12. Dezember: Jamhuri Day in Kenia

 

Von der Kolonie zur modernen Demokratie

 

275 Frankfurter*innen stammen aus Kenia. Seit dem 12. Dezember 1963 ist der ostafrikanische Staat von Großbritannien unabhängig. Zuvor war Kenia fast 80 Jahre lang Protektorat und schließlich Kolonie gewesen. Mitte der 50er Jahre erhob sich die Unabhängigkeitsbewegung Mau Mau gegen die weißen Siedler*innen. 1957 fanden die ersten allgemeinen Wahlen statt. Mit der Unabhängigkeit 1963 wurde Jomo Kenyatta zum ersten Präsidenten Kenias. Er ist der Vater des aktuellen Präsidenten Uhuru Kenyatta. 

Heute ist Kenia eine Präsidialrepublik, deren Staatsoberhaupt weitreichende Befugnisse hat und sowohl der Regierung als auch der Armee vorsteht. Legislativ wirkt ein Zweikammerparlament, das aus der Nationalversammlung mit 349 Abgeordneten und dem Senat mit 67 Sitzen. Stärkste Partei in der Nationalversammlung ist derzeit die national-konservativ und wirtschaftsliberal ausgerichtete Jubilee-Partei. Mit der Mazingira Green Party gibt eine GRÜNE Partei, die jedoch aktuell nicht im Parlament vertreten ist. „Mazingira“ ist das Swahili-Wort für „Umwelt“. 

 

Umweltschutz ist Grundrecht

 

Kenia teilt sich in zwei Klimazonen – das Hochland mit ausgeprägten Regenzeiten und großen Temperaturschwankungen im Jahresmittel und die Küstenregion am indischen Ozean. Während in der Hauptstadt Nairobi die Temperaturen auch im Sommermonat Februar bei angenehmen 26 Grad bleiben, sind sowohl Hitze als auch Luftfeuchtigkeit in der Küstenstadt Mombasa deutlich höher. 

Abholzung hat den Waldbestand in den letzten Jahrzehnten auf 1,7 Prozent der ursprünglichen Fläche schrumpfen lassen. Ein Großteil der Landesfläche ist mittlerweile in Nationalparks geschützt. Dies dient nicht allein Umwelt- und Klimainteressen: Die Nationalparks sind ein Hauptanziehungspunkt für Tourist*innen, die Giraffen, Zebras, Gnus und Antilopen in freier Wildbahn beobachten wollen. 

Das Recht auf saubere und gesunde Umwelt ist in der kenianischen Verfassung als Grundrecht verankert. Seit 2013 setzt der „Climate Change Action Plan“ Maßstäbe für CO2-Reduzierung und Klimaschutz. Erneuerbare Energien werden konsequent ausgebaut; schon 1981 errichtete Kenia als erstes afrikanisches Land ein Geothermiekraftwerk. Korruption und Lobbyismus verhindern jedoch in der Praxis auch häufig, dass Umwelt- und Klimaschutzgesetze im Land tatsächlich durchgesetzt werden können. Noch ist der Autoverkehr und sind die Müllberge hoch und werden die Schnittblumen, neben Tee und Kaffee einer der Hauptexportartikel Kenias, unter Verwendung von Pestiziden angebaut. 2006 litt vor allem der Nordosten Kenias unter Nahrungsmittelmangel infolge von Dürre. Im selben Jahr kam es im ganzen Land zu sintflutartigen Regenfällen. Auf internationaler Ebene ist Kenia jedoch in Verhandlungen über Umweltbelange an der Seite der EU führend. Nairobi ist Sitz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. 

 

Vielvölkerstaat mit sozialen Herausforderungen

 

Kenia ist ein Vielvölkerstaat: Die rund 47,5 Millionen Einwohner*innen teilen sich in über 40 Ethnien. Neben den offiziellen Amtssprachen Swahili und Englisch werden mehr als 50 Sprachen und Dialekte gesprochen. Die größten Bevölkerungsgruppen sind die Kikuyu (22 Prozent), die Luhya (14 Prozent) und die Kalendjin (12,9 Prozent). 

Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum Christentum. Die traditionellen afrikanischen Religionen werden nur noch von sehr wenigen Menschen praktiziert. Religiöse Feiertage sind nur für die Anhänger*innen der jeweiligen Glaubensrichtung offizielle Feiertage. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, ist der darauffolgende Werktag arbeitsfrei. 

Seit 2002 ist die Genitalbeschneidung von Mädchen gesetzlich verboten, dennoch wird sie nach wie vor praktiziert. Homosexualität ist in weiten Teilen der Gesellschaft tabuisiert; Lebensformen wie die Ehe für alle oder eingetragene Partnerschaften gibt es nicht. Nach wie vor sind homosexuelle Handlungen unter Männern strafbar, auch wenn es seit einigen Jahren nicht mehr zu Verurteilungen gekommen ist. 

Die Anzahl der Todesfälle durch die Immunschwächekrankheit AIDS konnte in den letzten Jahren gesenkt werden, dennoch gehört Kenia zu den afrikanischen Ländern, die stark betroffen sind: Etwa 6 Prozent aller Erwachsenen sind HIV-positiv. 

Kenianische Kinder besuchen acht Jahre lang eine Grundschule; erst seit 2003 müssen sie dafür kein Schulgeld mehr zahlen. Die Qualität des Unterrichts lässt allerdings zu wünschen übrig, auf eine Lehrkraft kommen bis zu 100 Schüler*innen. Nach der Grundschule können die Jugendlichen eine weiterführende Schule besuchen, die allerdings kostenpflichtig ist. Eine Berufsausbildung existiert in Kenia nicht, die Ausbildung erfolgt entweder durch „Learning by Doing“ im Betrieb oder in einer (kostenpflichtigen) Fachschule. Kinder aus ärmeren Familien haben daher kaum Chancen auf gesellschaftlichen Aufstieg, nur die besten können auf Stipendien für weiterführende Schulen oder einen Studienplatz an einer staatlichen Universität hoffen. 

Einen besonderen Stellenwert an kenianischen Schulen hat das Theaterspiel: Theatergruppen messen sich in zahlreichen Wettbewerben und Festivals, die auch im Fernsehen übertragen werden. Die weiten Wege, die die Schüler*innen bisweilen zu den Unterrichtsstätten zurücklegen müssen, bilden auch die Grundlage dafür, dass Kenia die besten Langstreckenläufer*innen der Welt hervorgebracht hat. 

Die Landesküche ist von orientalischen und anderen Einflüssen geprägt. Nationalgericht ist Ugali, ein Brei aus gekochtem Maismehl, weitere typische Speisen sind Nyama Choma, auf offenem Feuer oder Holzkohle langsam gegrilltes Fleisch, das indische Fladenbrot Chapati und Sukuma Wiki, ein Blattgemüse, das ähnlich wie Spinat ist. 

Spezialitäten der ostafrikanischen Küche könnt ihr in Frankfurt im African Queen in Bockenheim probieren. Wer lieber selbst kocht, kann bei Konfetti in Eschborn einen kenianischen Kochkurs buchen. In der Ausstellung „Invisible Inventories“ beschäftigt sich das Weltkuren Museum zur Zeit mit kenianischen Sammlungen in westlichen Museen und bietet hierzu verschiedene Veranstaltungen an. 

 

 

Zum Weiterlesen:

Binyavanga Wainaina, Eines Tages werde ich über diesen Ort schreiben. Verlag das Wunderhorn, Heidelberg 2013, ISBN 978-3884234273. Autobiographie des Schriftstellers von den 70ern bis in die heutige Gegenwart. 

 

Zum Weiterschauen:

Rafiki (2018), erzählt eine lesbische Liebesgeschichte in Nairobi. Abrufbar bei Amazon

 

In Frankfurt:

African Queen, Schlossstr. 100, Frankfurt-Bockenheim

Konfetti - Kenianisch kochen in Frankfurt, Hauptstr. 74, Eschborn

Weltkulturen Museum: Führung durch die Ausstellung „Invisible Inventories“ am Mittwoch, 08. Dezember, 18.00 Uhr. Intervention des SHIFT-Kollektivs, ab Dienstag, 07. Dezember. Schaumainkai 37, Frankfurt-Sachsenhausen. Informationen und Tickets unter www.weltkulturenmuseum.de



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