Herzlichen Glückwunsch, Rupert!

„Es kommt nicht darauf an, dass die Institutionen geändert werden, es kommt darauf an, dass Menschen die Institutionen ändern.“ Als Siegfried Kracauer den Schlusssatz seines Essays „Die Angestellten“ schrieb, wohnte er im Bäckerweg im Frankfurter Nordend. Dass knapp ein Jahrhundert später in ebendieser Wohnung ein Mann lebt, der sein Leben ebendiesem Ziel verschrieben hat, nämlich Institutionen zu ändern und das Leben um ihn herum mitzugestalten, würde Kracauer gewiss freuen. 

 

Schon als junger Jurist wurde Franz-Joseph Rupert Ottomar von Plottnitz-Stockhammer politisch aktiv: Er trat dem SDS, dem Sozialistisch-Deutschen Studentenbund bei. Auch wenn er in Hemd und Sakko zwischen den anderen jungen Leuten optisch hervorstach, lehnte er „herrschaftliche Zeichen“ wie das Tragen einer Anwaltsrobe vor Gericht ab. Im Baader-Meinhof-Prozess verteidigte er das RAF-Mitglied Jan-Carl Raspe, bis ihm das Mandat nach wenigen Monaten wegen ungebührlichen Verhaltens vor Gericht entzogen wurde. Auch privat eckte Rupert von Plottnitz damals an: Der Polizeisportverein Grün-Weiß erteilte dem passionierten Tennisspieler aufgrund seiner politischen Umtriebe Platzverbot – eine neue „Tennisheimat“ fand er 1978 beim TV Heimgarten 1912. 

 

Sein Freund Joschka Fischer, den er in der Studentenbewegung kennengelernt hatte, brachte „Plotte“ Anfang der 80er zu den Frankfurter GRÜNEN. 1983 nominierten diese ihn als ehrenamtlichen Stadtrat, auch wenn er damals noch kein Mitglied war – den GRÜNEN trat er erst drei Jahre später bei. Obwohl er bei der Landtagswahl 1987 auf einem hinteren Listenplatz kandidierte, schaffte Rupert von Plottnitz den Einzug in den Landtag. Von 1991 bis 1994 stand er dort der Fraktion vor. Als Joschka Fischer 1994 in den Bundestag wechselte, übernahm er das Ministerium für Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten. Sein zentrales Anliegen in dieser Zeit war der Ausstieg aus der Kernenergie, dem Untersuchungsausschuss zum Hanauer Brennelementewerk gehörte er als Obmann an. Mit Siegfried Kracauer verbindet Rupert von Plottnitz nicht nur die heutige Adresse im Nordend, sondern auch einige Wesenszüge: Ähnlich wie der Soziologe und Autor ist auch der Politiker ein analytisch geprägter Vernunftmensch. Kontroversen mit dem politischen Gegner pflegte er, ruhig und sachlich und gerne auch einmal auf dem Tennisplatz auszutragen. „Als Kontrapunkt zu Fischer braucht sich von Plottnitz um Verbindlichkeit im Auftreten nicht zu bemühen, sie ist ihm eigen. Kooperativer Führungsstil und präzise Analyse sind eher seine Sache als publikumswirksames Happening“, schrieb das Magazin Focus 1994 über ihn. 1995 wurde Rupert von Plottnitz zum Minister für Justiz- und Europaangelegenheitenernannt. Da war sie – die Änderung in den Institutionen, denn bislang hatten die Koalitionspartner den GRÜNEN ein solches Ministerium nicht zugetraut. „Der Feuilleton-Liebhaber hat in den Jahren 1995 bis 1999 unter Beweis gestellt, dass GRÜNE nicht nur Umwelt- und Sozialpolitik können, sondern auch in anderen Politikfeldern erfolgreiche Minister stellen“, erinnert Matthias Wagner, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN Landtagsfraktion. 

 

Auch nach seiner Zeit im Landtag blieb Rupert von Plottnitz politisch aktiv: Als Mitglied des Hessischen Staatsgerichtshofs engagierte er sich für die Bewahrung der hessischen Verfassung. Lange Zeit gehörte er dem wissenschaftlichen Beirat von Attac an; ist immer noch aktiv im Kuratorium der Stiftung medico international, im Kuratorium der Römerberggespräche und im Vorstand der Sebastian-Cobler-Stiftung. Bis heute  ist er Partner einer Anwaltskanzlei; seine Tätigkeitsschwerpunkte dort sind Staats- und Verfassungsrecht, Kommunalverfassungsrecht, Presserecht, Strafrecht, EU-Strafrecht und Schulrecht.

 

Am 04. Juli 2020 feierte Rupert von Plottnitz seinen 80. Geburtstag. Wir GRÜNE im Nordend gratulieren unserem „Elder Statesman“ ganz herzlich und wünschen ihm noch viele aktive und engagierte Jahre!



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