26.07.2021

Diversity Diary: Volk, König, Präsident, Partei

26. Juli: Nationalfeiertag in Kuba

 

Vom Taino-Staat zur sozialistischen Republik

 

Nur rund 154 Kilometer vom US-amerikanischen Festland entfernt liegt Kuba – heute einer der letzten sozialistischen Staaten der Welt. Im 16. Jahrhundert eroberten die Spanier die Insel und rotteten die Taino, die Ureinwohner*innen vollständig aus. Noch heute wird auf Kuba ausschließlich spanisch gesprochen. 1898 wurde Kuba von Spanien unabhängig und entwickelte sich – nach einem kurzen Intermezzo US-amerikanischer Besetzung – in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der reichsten Länder Lateinamerikas. 

Am 26. Juli 1953 griffen Rebellen unter Führung von Fidel Castro die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba an, um das autoritäre Regime Fulgenico Battistas zu stürzen. Zwar scheiterte die Aktion – dennoch gilt der Tag als Beginn der sozialistischen Revolution auf Kuba und wird heute als Nationalfeiertag begangen. 

1961 schließlich gelang der Sturz des Regimes und Kuba wurde zu einem sozialistischen Staat. Als einziges Land der Erde ist es das bis heute geblieben. 

 

Die kommunistische Partei ist alles

 

Die kubanische Verfassung lässt nur eine einzige Partei zu – die Kommunistische Partei. Wie in der DDR und der Sowjetunion bedeutet die Mitgliedschaft in der Partei auch die Sicherung der beruflichen und gesellschaftlichen Stellung – die Kommunistische Partei Kubas hat daher über 600.000 Mitglieder. Neben der Partei gibt es – auch dies ähnlich wie in den ehemaligen Ostblockstaaten – sogenannte „Massenorganisationen“ wie Gewerkschaften, Frauen- und Jugendverbände, deren Aufgabe es ist, die Gesellschaft im Alltag zu kontrollieren. Das höchste Entscheidungsorgan der Partei ist das Politbüro; dieses gibt die politischen Leitlinien vor. 

Formal kommt dem Parlament die Gesetzgebungsbefugnis zu – in der Praxis ist das Gremium, das nur zweimal im Jahr zusammentritt, ohne jeglichen politischen Einfluss. Die eigentliche Entscheidungsmacht liegt beim Staats- und Ministerrat, deren Mitglieder vom Parlament gewählt werden. Die Wahlfreiheit und das Wahlgeheimnis sind in Kuba eingeschränkt: Die Wahlen zu den Stadtparlamenten finden öffentlich per Handzeichen in Einwohnerversammlungen statt; die Wahlen zu den Provinzparlamenten und der Nationalversammlung sehen pro Sitz genau einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin vor, die von einem Ausschuss der Partei ausgewählt werden. Immerhin achtet dieser auf Parität: Der Frauenanteil ist mit 48 Prozent der höchste in ganz Lateinamerika. Das Mandat kann den Abgeordneten jederzeit wieder entzogen werden. Wahlberechtigt sind alle Kubaner*innen ab 16 Jahren.  

 

Gleichberechtigt, gebildet, gesund – aber die Armut wächst

 

Gleichberechtigung genießt in Kuba formal einen hohen Stellenwert – 65 Prozent aller Hochschulabsolventen sind weiblich, in den Führungsetagen liegt der Frauenanteil bei fast 40 Prozent. In der Praxis sind es jedoch – in Kuba wie überall sonst auf der Welt – überwiegend die Frauen, die unter der Doppelbelastung von Beruf und Haushalt leiden. 

Das Bildungssystem Kubas gehört zu den besten Lateinamerikas. Junge Menschen erhalten verpflichtend eine neunjährige Schulausbildung und können im Anschluss kostenfrei studieren – allerdings müssen sie nach ihrem Abschluss einen dreijährigen Sozialdienst ableisten. Vor allem in den letzten zwanzig Jahren herrscht zunehmend Lehrermangel, denn viele ziehen die Arbeit im aufblühenden Tourismussektor vor – allein die Trinkgelder übersteigen die kubanischen Gehälter bei Weitem. 

Kostenfrei ist auch das Gesundheitssystem: Jede Siedlung verfügt über einen sogenannten „Familienarzt“, der im Praxisgebäude auch wohnt und so 24 Stunden am Tag verfügbar ist. Infolgedessen ist die Säuglingssterblichkeit niedrig und die Lebenserwartung die höchste in ganz Lateinamerika. Negative Auswirkungen der sozialistischen Planwirtschaft sind aber, dass Kliniken oft baufällig, Geräte veraltet und Medikamente schwer erhältlich sind. 

Die politische Umgestaltung ging mit Enteignungen von Privatleuten und Firmen einher. Lange Zeit war es beispielsweise allen Kubaner*innen verboten, neue Autos zu kaufen. Dies erklärt die große Zahl gut erhaltener Oldtimer auf der Insel. Gravierend auf die kubanische Wirtschaft wirkten sich die Handelsembargo aus, mit denen die USA und andere westliche Staaten auf die Enteignung auch ausländischer Firmen reagierte. In der Folge schloss sich Kuba eng an die Sowjetunion und die Ostblock-Staaten an. 1962 wurde Kuba zum Schauplatz der direkten Auseinandersetzung zwischen der USA und der UdSSR („Kuba-Krise“)

Mit der Sowjetunion verschwand Anfang der 90er Jahre der wichtigste Handelspartner Kubas. Dies stürzte das Land in eine gravierende Wirtschaftskrise – auch die globale Finanzkrise 2008 und zeitgleich auftretende Verwüstungen durch Hurricanes trafen Kuba hart. 2008 übernahm Raul Castro die Regierungsgeschäfte von seinem schwer kranken Bruder. In den folgenden Jahren kam es unter Präsident Obama zur diplomatischen Annäherung mit den USA und zur Lockerung des Handelsembargos  – ein Erfolg, der durch Trump wieder zunichte gemacht wurde. 

Kubanische Arbeitnehmer*innen verdienen durchschnittlich 15 Euro am Tag – auch in Kuba reicht dies kaum aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Die von der Regierung ausgegebenen Bezugsscheine für Lebensmittel können die Versorgungslücke nicht füllen. Wie in anderen sozialistischen Staaten profitieren Parteifunktionär*innen und Offiziere der Streitkräfte von besonderen Privilegien – sie dürfen in speziellen Läden einkaufen und besondere Urlaubsangebote in Anspruch nehmen. 

Der aktuelle Präsident Miguel Diaz-Canel änderte 2019 die Verfassung und erlaubte begrenzt Investitionen und Privateigentum. Allerdings verfügte er auch, dass seit Oktober 2020 viele Grundnahrungsmittel nur noch in Läden erhältlich, in denen ausschließlich bargeldlos mit frei konvertierbaren Devisen gezahlt werden kann. Was die Wirtschaft stabilisieren soll, führt allerdings zu ungewollten Nebeneffekten: Da die kubanischen Pesos offiziell nicht in Devisen getauscht werden durften, blüht der Schwarzmarkthandel – viele Menschen protestieren aktuell gegen die Regierung. 

Über eine Million Kubaner*innen wanderten aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in die USA und auch in andere Länder aus. In Frankfurt sind aktuell 132 Kubaner*innen zu Hause. Bis 2013 mussten Auswanderungswillige allerdings hohe Hürden überwinden, denn ihnen war es verboten, ihren Besitz mitzunehmen oder zu verkaufen.

 

Klimaschutz: Aus der Not eine Tugend

 

Auf Kuba herrscht ein tropisches Klima – die Regenzeit von Mai bis Oktober begünstigt den Anbau der Hauptexportartikel Zuckerrohr und Tabak. Immer wieder machen tropische Wirbelstürme dem Inselstaat zu schaffen. Kuba gehörte zu den ersten Ländern der Erde, die Nachhaltigkeit als Staatsziel in ihre Verfassung aufnahmen. Bereits 2006 wurden Glühbirnen auf der Insel durch Energiesparlampen ersetzt, auch gab es eine staatliche Förderung zum Austausch alter energieintensiver Kühlschränke. Auf der anderen Seite werden in Kuba bis heute fast ausschließlich fossile Brennstoffe verwendet. In ökologischer Hinsicht wirkte sich die Wirtschaftskrise daher positiv aus – da sich viele das Benzin nicht leisten konnten, blieben in die Autos in der Garage und spannten die Bauern wieder Ochsen vor den Pflug; die Rohstoffknappheit führte zu einer Verringerung des Verpackungsmaterials. Auch achtet die Regierung auf den Schutz der natürlichen Ressourcen: 211 Gebiete stehen unter Naturschutz, es gibt ein staatliches Programm zur Wiederaufforstung der Wälder. Der Nickelabbau greift allerdings massiv in die Umwelt ein. 

 

Mambo und rote Bohnen – Das kubanische Flair

 

Spanische, karibische und – durch die im 17. Jahrhundert nach Kuba verschleppten Sklaven – auch afrikanische Einflüsse prägen die kubanische Kultur bis heute, sei es in der Musik, deren Mambo-, Salsa- und Cha-Cha-Rhythmen vor allem durch den Film „Buena Vista Social Club“ bekannt wurden oder in der Küche – ein typisches Gericht ist zum Beispiel Reis mit roten Bohnen, das „moros y cristianos“ – Mauren und Christen – heißt. Auch wenn Kuba lange Zeit offiziell ein atheistischer Staat war, ist neben dem Katholizismus auch Santeria, eine Mischreligion aus traditionellen Riten der afrikanischen Yoruba mit christlichen Elementen verbreitet. Ein wenig kubanisches Flair findet ihr übrigens auch im Frankfurter Nordend: Im „Casa de Cuba“ in der Bornheimer Landstraße könnt ihr kubanischen Rum, Kaffee, Kunsthandwerk und natürlich Zigarren erwerben. Und voraussichtlich im Oktober zeigt das Festival „Cuba im Film“ in Filmforum Höchst wieder kubanische Filme. 

 

Zum Weiterlesen:

Reinaldo Arenas: Bevor es Nacht wird. Dtv München, 2002, ISBN 978-3423129862, erzählt von einem jungen homosexuellen Kubaner, der versucht, von der Insel zu fliehen.

 

Zum Weiterschauen:

Erdbeer und Schokolade (1993), thematisiert Homosexualität in der kubanischen Gesellschaft

Bueno Vista Social Club (1999) – Doku von Wim Wenders über kubanische Soneros-Musiker der 30er und 40er Jahre

 

In Frankfurt:

Casa de Cuba, Bornheimer Landstr., Frankfurt-Nordend

 Cuba im Film: www.cubafilm.de

 

 

28. Juli: Nationalfeiertag in Peru

 

Von der Kolonie zum Bürgerkrieg

            

Zwischen Ecuador, Kolumbien, Brasilien, Bolivien und Chile - etwa 4 Kilometer südlich des Äquator - liegt Peru. Am 28. Juli 1821 erlangte der Staat die Unabhängigkeit von Spanien. Diese hatten Peru seit 1532 beherrscht – bis  gegen Ende des 18. Jahrhunderts Einheimische begannen, gegen die spanische Vorherrschaft zu rebellieren. Die Spanier rächten sich, indem sie den indigenen Adel aller Privilegien beraubten und indigene Sprachen und Riten verboten. Die Unabhängigkeit erlangte Peru schließlich durch Intervention Chiles und des heutigen Argentiniens. Nur langsam konnten sich in der Folge die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse stabilisieren - hilfreich war der als Dünger entdeckte, aus Exkrementen von Seevögeln gewonnene Guano, der über viele Jahre das wichtigste peruanische Exportgut wurde. Der Salpeterkrieg mit Bolivien und Chile, der mit der Besteuerung der Salpetervorkommen durch die bolivianische Regierung 1879 begonnen hatte und bis 1883 andauerte, warf Peru vor allem in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück. 

Nach der Unabhängigkeit wurde Peru hauptsächlich von Mitgliedern der Elite - den Großgrundbesitzern des Hochlands - regiert. Das Wahlrecht, das ab 1921 zunächst den Männern und ab 1955 den Frauen zustand, war nur denjenigen vorbehalten, die lesen und schreiben konnten - dies begünstige die Oberschicht. 1968 übernahm eine Militärjunta in einem Staatsstreich die Regierung. Sie enteignete die Großgrundbesitzer und verstaatlichte die Erdölvorkommen, baute das Schulwesen aus und stärkte das indigene Erbe, beispielsweise, indem Quechua als zweite Amtssprache etabliert wurde. Ziel war ein „Dritter Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus. In den 1980er Jahren rebellierte die Guerilla-Organisation Sendero Luminoso gegen die Regierung und entfachte einen Bürgerkrieg, der auch viele zivile Opfer forderte.  Ende der 90er Jahre kam der Populist Fujimori an die Macht, der in den folgenden Jahren schwere Menschenrechtsverletzungen an der indigenen Bevölkerung beging: Fast 300.000 Menschen wurden zwangssterilisiert. 

Die Verfassung sieht vor, dass der Staatspräsident bzw. die Staatspräsidentin alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt wird – eine direkte Wiederwahl ist dabei nicht möglich. 

In Peru herrscht Wahlpflicht - wer zur Wahl nicht erscheint, kann mit einem Bußgeld belangt werden. Dennoch lag die Wahlbeteiligung im April 2021 bei lediglich 70 Prozent. Insgesamt 10 Parteien sind derzeit im Kongress vertreten, stärkste Partei ist die marxistisch-leninistisch ausgerichtete Peru Libre. Deren Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo konnte sich in der Stichwahl im Juni außerdem knapp als Präsident durchsetzen. Das linksgrüne Parteienbündnis Juntos por el Peru konnte vier Sitze erlangen. 

 

Peru – das Land der Artenvielfalt

 

Peru ist gekennzeichnet durch seine landschaftliche Vielfalt: Mehr als die Hälfte des Staatsgebietes ist von dichtem Regenwald bedeckt, der einzig auf dem Wasserweg durchdrungen werden kann. Die Anden durchziehen Peru von Norden nach Süden. Im Süden, an der Grenze zu Chile befindet sich die trockenste Wüste der Welt, die Atacamawüste. Dementsprechend vielfältig sind Flora und Fauna in Peru. Die Cantua, ein Strauch mit langen, glockenförmigen orangen Blüten gilt als Nationalpflanze. Besonders ausgeprägt ist die Vielfalt an Vogelarten: In Peru finden sich über 1800 verschiedene Vögel - das sind mehr als in Europa und Nordamerika zusammen! Die Biodiversität Perus ist seit 1993 verfassungsrechtlich geschützt. Rund 17 Prozent der Landesfläche stehen unter Naturschutz. 

 

Armut, Katholizismus und Inka-Volkskunst: Das Leben in Peru

 

Auch wenn Peru mit rund 31 Millionen Einwohner*innen auf rund 1,2 Millionen Quadratkilometern eher dünn besiedelt ist, hat sich die Bevölkerungszahl in den letzten 70 Jahren mehr als vervierfacht. Die Peruaner*innen verteilen sich ungleich über das Land: Drei Viertel der Bevölkerung leben in den großen Städten an der Küste, davon allein jede*r Vierte in der Hauptstadt Lima - der Trend zur Landflucht wird Schätzungen zufolge anhalten. Vor allem in den Außenbezirken Limas ist die Armut groß - und auch in Peru ist es hauptsächlich die indigene Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt. Wie in Bolivien und Guatemala ist deren Anteil hoch - etwa 47 Prozent der Perunaner*innen zählen zu den Ureinwohner*innen, dazu kommen 37 Prozent Mestiz*innen. Nur 15 % der Bevölkerung sind rein europäischer Abstammung. Etwa 6500 Menschen leben im Regenwald - weitgehend isoliert von der Außenwelt.

 In den letzten Jahren konnte die Armutsquote in Peru zwar  gesenkt werden – aber immer noch lebt jede*r Zehnte unterhalb der Armutsgrenze. Ein Drittel der Bevölkerung hat keinen Zugang zu fließendem Wasser. Kinderarbeit ist verbreitet - rund 1,5 Millionen Kinder unter 14 Jahre arbeiten. 72 % der peruanischen Arbeitnehmer haben keinen offiziellen Arbeitsvertrag. Sie arbeiten pro Woche 48 Stunden und haben 43 Tage frei - 30 Urlaubstage und 13 Fest- oder Feiertage. Besonders hoch ist in Peru die Zahl der freiberuflich Tätigen - mehr als die Hälfte gehört dieser Gruppe an. Dementsprechend ist die Zahl der Rentenversicherten sehr gering - nur sechs von zehn Peruaner*innen erhalten eine Rente. Jede*r Dritte hat keine Krankenversicherung. 

Korruption ist in der peruanischen Wirtschaft weit verbreitet, jährlich entgehen dem peruanischen Staat dadurch Steuereinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Nach Kolumbien ist Peru der zweitgrößte Koka-Produzent der Welt, der Umsatz im Drogenhandel macht zwei Prozent des BIP aus. In Peru ist das Kauen der Kokapflaze legal, vor allem die indigene Bevölkerung macht hiervon Gebrauch.  

Die Mehrheit der Bevölkerung spricht spanisch, daneben sind zahlreiche indigene Sprachen verbreitet, vor allem Quechua und Aymara. Im Departamento Pasco im Osten Perus, gibt es auch eine deutsch sprechende Minderheit von Rheinländer und Tiroler Siedler*innen, die im 19. Jahrhundert nach Peru gekommen sind. Die große Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zur katholischen Kirche - eine Folge der spanischen Kolonialzeit. Nur eine Minderheit lebt nach indigen Religionen - dennoch gehört neben dem katholischen Fest der Verehrung des Senior de los Milagros, das in Lima gefeiert wird auch das ursprünglich inkaische Sonnenfest Inti Raymi in Cusco zu den wichtigen religiösen Ereignissen. 

Peru gilt als Wiege der Inka, einer Hochkultur, die sich bis zum Beginn der Neuzeit über Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Kolumbien und Argentinien ausgedehnt hatte. Ein gut erhaltenes Relikt der Inka-Zeit (und Anziehungspunkt für Tourist*innen aus aller Welt) ist die 1911 entdeckte Ruinenstadt Manchu Picchu in den Anden. 

Traditionelle Volkskunst in Peru sind die Kürbisschnitzerei - vor allem in Ayacucho wurden im 19. Jahrhundert Puder- und Zuckerdosen aus den Schalen der Kürbisfrucht gefertigt. Auch die Textilfertigung hat Tradition: In der Kolonialzeit stellten die Muster der meist in Heimarbeit gefertigten Kleidungsstücke eine informelle Geheimsprache dar. Musik ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur - traditionelle Instrumente sind die Quena (Andenflöte), Panflöte, Cajon und die Gitarre. Das Lied El Condor Pasa des peruanischen Komponisten Daniel Alomia Robles erlangte weltweite Bekanntheit. 

Typisch peruanische Gerichte sind Ceviche (Geschnetzeltes in Limonensaft mit Zwiebeln), Escabeche (gebratener Fisch in Essig-Zwiebelsauce), Arroz con Pollo (Reis mit Huhn) und Cuy chacado (gebratenes Meerschweinchen). Beliebte Getränke sind Pisco, ein Branntwein, Chicha, ein Maisbier und Inca Kola, eine Limonade mit Bergamotte-Geschmack. 

Im Nordend könnt ihr diese und andere Gerichte beispielsweise im Miraflores in der Neuhofstraße und im La Cevi in der Weberstraße probieren. 316 Frankfurter*innen haben einen peruanischen Pass.

 

Zum Weiterlesen:

Jose Maria Arguedas: Der Fuchs von oben und der Fuchs von unten, Klaus Wagenbach Verlag Berlin, 2019. ISBN 978-3803133168. Der Autor beschreibt den Niedergang der Stadt Chimbote an der Pazifikküste, das sich in den 60er Jahren vom Dorf zum Zentrum der Fischmehlindustrie entwickelt hat.

Zum Weiterschauen:

Eine Perle Ewigkeit (2009), schildert die Folgen des peruanischen Bürgerkrieges

In Frankfurt:

Miraflores, Neuhofstr. 15, Frankfurt-Nordend

La Cevi, Weberstr. 84, Frankfurt-Nordend

 

30. Juli: Nationalfeiertag in Marokko

 

Der König des „Westens“

 

Nur durch die Straße von Gibraltar ist Marokko vom europäischen Kontinent getrennt, Auf Arabisch lautet der Landesname al-Magrib, was „Der Westen“ bedeutet (daher kommt auch die Bezeichnung Mahgreb-Staaten für die nordafrikanischen Länder)

Seit 1956 ist Marokko von Frankreich  und von Spanien unabhängig, zuvor war das Land in ein französisches und ein spanisches Protektorat geteilt.  Bis heute streitet Marokko mit Spanien um die Provinzen Ceuta und Mellila, die offiziell spanisches Staatsgebiet sind. Marokko ist seit 1992 eine konstitutionelle Monarchie. Der König ist Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt die Regierung. Jederzeit kann er das Parlament auflösen und den Ausnahmezustand verhängen, allen Gesetzesänderungen muss er zustimmen. Am 30. Juli 1999 bestieg der derzeitige König Mohammed VI. den Thron - der Tag wird seither als Nationalfeiertag begangen. Allerdings wirkte der Arabische Frühling von 2011 auch in Marokko und führte seinerzeit zu Protesten in mehreren Städten. Daraufhin wurde die Verfassung in wesentlichen Punkte geändert, beispielsweise hat der König nun nicht mehr freie Hand bei der Ernennung des Premierministers, sondern muss den Kandidaten der Partei mit den meisten Stimmen berücksichtigen. 

Das marokkanische Parlament setzt sich im Zweikammer-System aus Nationalversammlung und Senat zusammen. Die Nationalversammlung hat 395 Sitze und wird alle fünf Jahre gewählt. 60 Sitze sind dabei Frauen vorbehalten, 30 Sitze für junge Menschen unter 40 Jahren reserviert. Aktuell stärkste Partei ist die konservativ-islamische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung. Der Senat hat 270 Mitglieder, deren Amtszeit neun Jahre beträgt. Wahlberechtigt sind alle Marokkaner*innen (Frauen seit 1956), die mindestens 20 Jahre alt sind.

 

Geister und Allah – der Alltag in Marokko

 

Frauen genießen in Marokko formal die gleichen Rechte wie Männer. In der Praxis sind sie jedoch nach wie vor benachteiligt. So stieg die Zahl minderjährig verheirateter Mädchen zwischen 2004 und 2013 auf fast das Doppelte. Trotz zehnjähriger Schulpflicht können vierzig Prozent der erwachsenen Frauen weder lesen noch schreiben.

Die soziale Lage ist in Marokko vergleichsweise gut: Es existiert eine Sozialversicherung, von der allerdings nur Arbeitnehmer*innen in Industrie und Handel und Genossenschaftsmitglieder profitieren. Hinsichtlich der medizinischen Versorgung herrscht ein Stadt-Land-Gefälle - die Hälfte aller niedergelassenen Ärzte praktiziert in Casablanca und Rabat. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch - nahezu jeder fünfte Jugendliche ist arbeitslos. Vor allem junge Männer wandern daher nach Europa aus. 

Auch in Marokko ist die Bevölkerung in den letzten 60 Jahren nahezu explodiert- lebten 1950 noch rund 9 Millionen Menschen in Marokko, sind es heute rund 36 Millionen. 27 % der Einwohner*innen sind jünger als 15 Jahre. 

Rund 45 Prozent der Marokkaner*innen sind Berber, allerdings lebt nur noch eine Minderheit als Nomaden. Sie leben vor allem im Süden des Landes, während der Norden arabisch geprägt ist. Zwei Drittel der Einwohner*innen leben im Nordwesten und Westen Marokkos.

Offizielle Amtssprachen sind Arabisch und das Marokkanische Tamazight. Französisch ist allerdings als Handels -und Bildungssprache weit verbreitet. 

Der Islam ist Staatsreligion in Marokko, fast 99 Prozent der Marokkaner*innen sind Muslime. Allerdings glauben auch viele Marokkaner*innen an Geister - dies ist Tradition der Berber. Homosexualität steht in Marokko unter Strafe. Vor allem in den letzten Jahren müssen Homosexuelle mit Repressalien rechnen. 

 

Vorreiterin in Sachen Klimaschutz

 

Das Klima Marokkos ist an den Küsten gemäßigt, in Marrakesch können im Sommer allerdings 45 Grad erreicht werden und im Winter die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken. 

Eine Vorreiterrolle nimmt Marokko vor allem bei den Anstrengungen um die Energiewende ein: Bis 2030 soll die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden. Vor allem in Wind- und Solarenergie wird dafür investiert. Im aktuellen Klimaschutzindex, der die Klimaschutzleistungen von Staaten bewertet, erreicht Marokko den 7. Platz. 

 

Tourismus, Krabbenpulen und Cannabis: Die marokkanische Wirtschaft

 

Marokko ist ein wichtiger Partner der EU, sein 1987 gestellter Antrag auf Aufnahme in die EG wurde jedoch aus geographischen Gründen abgelehnt. 

Vorherrschende Wirtschaftszweige sind Bergbau und Landwirtschaft, auch die Fischindustrie und die Phosphatgewinnung sind bedeutend. Etwa 75 Prozent des weltweit geförderten Phosphats stammen aus Marokko. Es kommt vor allem als Düngemittel zum Einsatz. Verbreitet ist auch der Anbau von Cannabis. 70 % des in Europa gehandelten Cannabis stammt aus Marokko. Ein vor allem bei Frauen begehrter, wenngleich aus Klimagesichtspunkten äußert problematischer Sektor ist die „Pulindustrie“: Nordseekrabben z.B. von der Insel Sylt werden nach Marokko verschifft, dort gepult und anschließend wieder zurücktransportiert, wobei die Garnelen zu diesem Zeitpunkt bereits drei Wochen alt sind.  Bedeutende Einnahmequelle Marokkos ist auch der Tourismus: Marokko ist eines der meistbesuchten Länder Nordafrikas, vor allem Europäer*innen verbringen ihren Urlaub gern in Marokko. Besonders beliebt sind die Sehenswürdigkeiten der orientalischen Geschichte Marokkos: die Altstädte von Marrakesch, Casablanca, Tanger und Fés beispielsweise. Neun Stätten gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vor allem bei Tourist*innen beliebt ist die traditionelle Handwerkskunst: die Silberschmiede, die Tischlerei, die Teppichweberei, die Gerberei, die Töpferkunst und Zellig - die Kunst des Mosaiklegens. 

 

Gnawa und Tajine – Die Kultur der Berber

 

Auch wenn Marokko stark arabisch geprägt ist, lebt die Kultur der Berber fort. Die Gnawa-Musik ist seit 2019 Teil des immaterielle UNESCO-Weltkulturerbes. Sie erzählt die Geschichte der afrikanischen Sklaven. Die Künstler*innen tragen oft farbenprächtige Kostüme.

Typisch marokkanische Gerichte sind Tajine, eine Art Eintopf mit Fleisch oder Fisch und Gemüse, und Couscous, das aus gedämpften Getreide besteht. Zu jeder Mahlzeit wird Brot. gegessen. Marokkaner*innen essen gerne mit der rechten Hand (die linke gilt als unrein!), das Brot dient als Hilfsmittel bei der Nahrungsaufnahme. Die beliebtesten Getränke sind Kaffee und Tee. Vor allem das Teetrinken stellt eine eigene Zeremonie dar - der Tee wird in silberne Kännchen mit dünner Tülle gegeben beim Eingießen in die Tasse bleiben so die Teebestandteile zurück. 

Im Frankfurter Nordend könnt ihr marokkanische Küche im Medina in der Glauburgstraße probieren. Marokkanische Lebensmittel findet ihr im Bahnhofsviertel - zum Beispiel in der Elbestraße. In Höchst findet ihr alles, um euren Wohnstil marokkanisch zu gestalten. 

 

Zum Weiterlesen:

Leila Slimani, Das Land der Anderen, Luchterhand Literaturverlag, München 2021. ISBN 978-3630876467 – erzählt vom Alltag und den Schwierigkeiten einer französisch-arabischen Familie im Marokko der Nachkriegszeit

 

Zum Weiterschauen:

Marokko – Land der Träume. Dokumentarfilm. Abrufbar in der 3-Sat-Mediathek

Als Paul über das Meer kam (2017), dokumentiert das Schicksal eines jungen Mannes, der von Marokko über das Meer nach Europa flüchtet. Abrufbar bei Amazon Prime.

 

In Frankfurt:

Medina, Glauburgstr. 1, Frankfurt-Nordend

Zerouali Lebensmittel, Elbestr. 11, Frankfurt-Bahnhofsviertel

Wohnstil Marrakesh, Königsteiner Str. 29, Frankfurt-Höchst. 

 

01. August: Nationalfeiertag in der Schweiz

 

Auf dem Rütli entstand die Schweiz

 

1291 trafen sich Abgesandte der drei Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden  auf dem Rütli, einer Wiese oberhalb des Vierwaldstätter Sees und schlossen einen Bund zur gegenseitigen Unterstützung. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde der Schweiz. An welchem Tag der „Rütlischwur“ genau geleistet wurde, ist nicht überliefert – 1891 legte der Schweizer Bundesrat daher willkürlich den 01. August als Gedenktag fest. Seit 1994 wird dieser Tag  als arbeitsfreier Nationalfeiertag begangen. Die offizielle Feier findet -  natürlich – auf dem Rütli statt – mit Marschmusik, Ansprachen, Alphornmusik und viel Rot-Weiß (viele Menschen kleiden sich auch entsprechend). In Dörfern und Städten wird mit Tanzmusik und Feuerwerk gefeiert. 

Auch wenn die Schweiz keine offizielle Hauptstadt hat, nimmt der Regierungs- und Parlamentssitz Bern de facto diese Rolle ein. Die größte Stadt der Schweiz ist Zürich – allerdings ist selbst Zürich mit 420.217 Einwohner*innen kleiner als Frankfurt. 

Die großen Ballungsräume mit den Städten Zürich und Genf liegen im Mittelland zwischen Jura und den Alpen. Hier ist die Bevölkerungsdichte mit 450 Menschen pro Quadratkilometer sehr hoch. Fast die Hälfte des Staatsgebietes nehmen die Alpen ein. Über 3350 Gipfel sind mehr als 200 Meter hoch, das Matterhorn ist der bekannteste Berg der Schweizer Alpen. Die Alpen bewirken, dass das Klima in der Schweiz zweigeteilt ist – nördlich der Alpen herrscht mitteleuropäische Witterungslage vor, südlich der Alpen ist es eher mediterran.

 

Gegründet auf gemeinsamen Werten und Mythen

 

Ähnlich wie Belgien ist die Schweiz ein Land, das mehrere Sprachräume vereinigt, nämlich den deutschen, den französischen und den italienischen. Außerdem ist Rätoromanisch, das in Teilen des Kantons Graubünden gesprochen wird, seit 1996 als offizielle Amtssprache anerkannt. Deutsch ist dabei die verbreitetste Sprache: 62 Prozent der Schweizer*innen sind (schweizer-)deutsche Muttersprachler*innen. Der Anteil der französischsprachigen Schweizer*innen liegt bei 23 Prozent – sie leben vor allem im Westen der Schweiz („Romandie“). Das Italienische ist vor allem im Kanton Tessin vorherrschend und wird von 8 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Rätoromanisch sprechen nur noch rund 0,5 Prozent der Schweizer*innen; es wird immer mehr vom Deutschen verdrängt. 

Die nationale Identität der Schweizer*innen beruht damit nicht auf gemeinsamer Sprache, gemeinsamer Herkunft oder Religion, sondern auf gemeinsamen politischen Werten -wie Kompromissbereitschaft, direkte Demokratie und außenpolitischer Neutralität – und auf den sogenannten „Nationalmythen“, zu denen neben dem „Rütlischwur“ unter anderem die „Helvetia“ als Identifikationsfigur gehört. 

In vielen wichtigen Fragen hat in der Schweiz das Volk das letzte Wort: 1992 verhinderte ein Volksentscheid den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum; auch über den Beitritt zur UNO, den die Schweiz als eines der letzten Länder vollzog, stimmte 2002 das Volk ab. In Appenzell Innerrhoden und Glarus existiert noch die Landsgemeinde – eine Versammlung aller stimmfähigen Einwohner*innen, die über Angelegenheiten abstimmt und Mitglieder der Behörden wählt. Frauen haben in der Schweiz erst seit 1971 das Wahlrecht. 

Wesentliches Grundprinzip der Schweizer Außenpolitik ist ihre Neutralität; so nahm die Schweiz weder am Ersten noch am Zweiten Weltkrieg teil und ist kein Mitglied der EU. Gleichzeitig bietet sich die Schweiz als Vermittler*in in Konflikten an und nimmt als Schutzmacht die Wahrung fremder Interessen im Ausland wahr. (die sogenannten „Guten Dienste“). Aufgrund der Neutralität haben viele internationale Organisationen und NGOs ihren Sitz in der Schweiz.

Die Kompromissbereitschaft und Toleranz der Schweizer*innen zeigt sich unter anderem darin, dass Homosexualität bereits seit 1942 legal ist. 

Die Schweiz ist ein Bundesstaat, der aus 26 Kantonen besteht. Die Kantone sind in ihrer Gesetzgebung weitgehend souverän, sie bestimmen über das Schul-, Gesundheits-, Finanz- Polizei und Justizwesen und das Verwaltungsrecht. Auch die Feiertage sind weitgehend Sache der Kantone – bundeseinheitlich gelten nur der Nationalfeiertag, Neujahr, Auffahrt und der erste Weihnachtsfeiertag. Karfreitag; Ostern und Pfingsten sind nicht in allen Kantonen arbeitsfrei. 

Das Schweizer Parlament (die „Bundesversammlung“) besteht aus zwei Kammern: Der Nationalrat hat 200 Abgeordnete; der Ständerat, der die Kantone vertritt, 46 Sitze. Alle Politiker*innen üben ihr Mandat nebenberuflich aus. Die Regierungsgeschäfte werden von sieben Minister*innen („Bundesrät*innen“) geführt, von denen jeweils eine*r für ein Jahr zum Bundespräsidenten bzw. zur Bundespräsidentin gewählt wird. Stärkste Partei ist aktuell die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei; die GRÜNE Partei der Schweiz konnte bei der Wahl 2019 mit  13,2 Prozent ihren bisherigen Stimmenanteil fast verdoppeln und war damit die größte Wahlgewinnerin.

Anstelle der „Staatsbürgerschaft“ erhält ein*e Schweizer*in das „Schweizer Bürgerrecht“, das immer mit dem Bürgerrecht einer Gemeinde (dem „Bürgerort“) und des Kantons verbunden ist. Menschen ohne Schweizer Bürgerrecht erhalten einen Ausländerausweis – dies trifft aktuell rund auf jede*n Vierte*n in der Schweiz Lebenden zu. Umgekehrt besitzen 687 Frankfurter*innen die Schweizer Bürgerrechte. 

Das Autokennzeichen CH steht übrigens für Confoederatio Helvetica, die lateinische Bezeichnung der Schweiz. Der lateinische Name wurde gewählt, um keine der vier Sprachen zu bevorzugen. 

 

Klimawandel in der Schweiz: Aussterbende Tiere und schmelzende Gletscher 

 

In der Schweiz ist der Klimawandel deutlich zu merken, die Erwärmung liegt mit rund zwei Grad seit 1864 mehr als das Doppelte über dem weltweiten Durchschnitt. Dies wirkt sich vor allem auf die Gletscher aus:  Zwischen 1973 und 2010 nahm die Fläche aller Gletscher um mehr als ein Viertel ab, 700 Gletscher verschwanden völlig. Zum Ende des Jahrhunderts – dies prognostizieren Wissenschaftler*innen – wird es in der Schweiz kaum noch Gletscher geben. Zugleich führen starke Regenfälle immer häufiger zu Überschwemmungen. Im aktuellen Klimaschutzindex belegt die Schweiz den 14. Rang. Pro Person hat die Schweiz den drittgrößten CO2-Fußabdruck in Europa; nur Luxemburg und Belgien haben eine noch schlechtere Bilanz. Bis 2050 will die Schweiz klimaneutral werden; bis 2030 sollen die CO2-Emissionen nur noch die Hälfte des Ausstoßes von 1990 betragen. Hilfreich ist hierbei das gut ausgebaute Öffentliche Verkehrsnetz und die Verbreitung von Carsharing: Jede*r fünfte Schweizer*in besitzt kein eigenes Auto, in den Städten sogar jede*r Zweite. 

Eine weitere „Baustelle“ ist die Biodiversität: Von den rund 40.000 Tierarten, in der Schweiz beheimatet sind, sind 40 Prozent akut vom Aussterben bedroht. 

Die Schweiz hat nur einen Nationalpark – allerdings sind etliche weitere Flächen unter Naturschutz gestellt.

 

Jede*r Zehnte ist Millionär*in

 

Die Schweiz gilt als eines der wohlhabendsten Länder weltweit: Jede*r Zehnte besitzt ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten die höchsten in ganz Europa; Zürich und Genf galten 2016 als die teuersten Städte der Welt. 

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig – neben den großen Städten ziehen vor allem die Skigebiete jährlich Zigtausende Urlauber*innen an. 

Wie in Deutschland ist das Sozialsystem in der Schweiz gut ausgebaut. Alle Schweizer*innen sind zur Sozialversicherung (Krankenversicherung, Altersversorgung, Mutterschaftsversicherung, Unfallversicherung und Invalidenversicherung) verpflichtet. Arbeitgeber müssen für ihre Erwerbstätigen zudem durch eine Pensionskasse vorsorgen. Anders als bei uns müssen die Schweizer*innen die Beiträge zur Krankenversicherung allein aufbringen – die Prämien richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern werden von Kantonen und Krankenkassen als Kopfpauschale festgelegt. Zahnarztbehandlungen übernimmt die Kasse nur in Ausnahmefällen – Schweizer*innen achten daher sehr auf ihre Zahnpflege. 

 

Hornussen und Käsefondue – Leben in der Schweiz

 

Die weitreichende Souveränität der Kantone und die unterschiedlichen Sprachräume bringen es mit sich, dass Traditionen und Brauchtümer eher auf lokaler Ebene gepflegt werden, zum Beispiel bei der Baseler und Luzerner Fassnacht oder die Kuhkämpfe im Wallis. Über 700 Trachten gibt es in der Schweiz. Um die Identifikation mit dem Bundesstaat zu stärken, wurden um 1800 die „Eidgenössischen Feste“ eingeführt, bei denen sich Vereine, Sportler und Kulturschaffende aus allen Landesteilen treffen. Zu den wichtigsten dieser Feste zählen das Eidgenössiche Schwing- und Älplerfest, bei dem alle drei Jahre Wettkämpfe in den Schweizer Nationalsportarten Scheingen, Hornussen und Steinstoßen ausgetragen werden, das Eidgenössische Jodlerfest, das Eidgenössische Turnfest und das Eidgenössische Feldschießen.  

Die Schweizer Küche verbindet italienische, französische und deutsche Einflüsse. Typisch sind Käsefondue, Raclette, Älplermagronen (Makkaroni mit Käse und Apfelmus) und Rösti. Die Schweizer*innen haben nicht nur das Kräuterbonbon, sondern auch das Birchermüsli erfunden; ein Schweizer Arzt entwickelte um 1900 die beliebte Frühstücksmahlzeit. Beliebt ist auch die Schweizer Schokolade, zum Beispiel die ausschließlich in Bern gefertigte Honig-Mandel-Nougat Schokolade Toblerone. Ein beliebtes Getränk ist Ovomaltine, ein Malzgetränk. 

In Frankfurt könnt ihr Schweizer Spezialitäten im Restaurant des Hotels Mövenpick in der Den Haager Straße im Europaviertel probieren. 

 

Zum Weiterlesen:

Jürgen Theobaldy, Geschichten im Vorübergehen. Verlag Die Brotsuppe Biel 2020, ISBN 978-3038670261. Entwirft in Kurzgeschichten, Anekdoten, Berichten und Novellen ein Portrait der Stadt Bern.

Arno Camenisch, Der letzte Schnee. Urs Engeler Edition, Holderbank 2018, ISBN 978-3906050355, erzählt vom Winter in den Bündener Bergen. 

 

Zum Weiterschauen:

Die Göttliche Ordnung (2016), erzählt vom Kampf um das Frauenwahlrecht in der Schweiz.

 

In Frankfurt

Hotel Mövenpick, Den-Haager Str. 1, Frankfurt-Europaviertel

 



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