06.06.2021

Diversity Diary: Am besten, größten, ältesten…

06. Juni: Tag der schwedischen Flagge

 

Der „Tag der schwedischen Flagge“ ist ein relativ junger Nationalfeiertag – eingeführt wurde er erst mit der Verfassungsreform 1974, erst seit 2005 ist er ein arbeitsfreier Feiertag. Gefeiert wird die Krönung Gustav Wasas am 06. Juni 1523 und die damit verbundene Auflösung der Union mit Dänemark. Neben der offiziellen Feier im Skansen in Stockholm mit der Königsfamilie und Vertreter*innen der Regierung nutzen viele Schwed*innen den Tag zum Grillen und zum Picknicken – eine emotionale Tradition, wie dies in anderen Ländern der Fall ist, ist mit dem Nationalfeiertag nicht verbunden.

Rund 10 Millionen Einwohner*innen hat das nordeuropäische Land, das neben dem Festland 221.800 Inseln umfasst. Eine Minderheit bilden die rund 20.000 Samen, die vor allem in der Gegend um Gällivare und Kiruna leben. 

Schweden ist eine parlamentarische Monarchie, wobei König Carl XVI. Gustaf zwar Staatsoberhaupt ist, aber eine rein repräsentative Funktion hat. Alle vier Jahre wird der Reichstag gewählt. 16 der ingessamt 349 Sitze nimmt derzeit die „Miljöpartiet de Gröna“, die GRÜNE Partei Schwedens ein, die gemeinsam mit den Sozialdemokraten die Regierung bildet. Schweden ist Mitglied der EU, nicht jedoch der NATO. Schweden ist auch nicht Mitglied der Eurozone, da die Einführung des Euro per Volksentscheid abgelehnt wurde. 

Traditionell herrscht in Schweden das „Öffentlichkeitsprinzip“, d.h. alle behördlichen Dokumente sind für jedermann frei zugänglich. Allerdings hat Schweden 1973 auch das erste nationale Datenschutzgesetz weltweit erlassen (das erste Datenschutzgesetz überhaupt wurde übrigens 1970 in Hessen eingeführt!) Die Rechte des Einzelnen im Kontakt mit Behörden werden durch ein System von Ombudsleuten geschützt.

Bekannt ist Schweden für sein ausgeprägtes Sozialsystem – allerdings hat der „Wohlfahrtsstaat“ infolge der Wirtschaftskrise in den 90er Jahren auch Kürzungen in Kauf nehmen müssen. Immer noch erhalten jedoch alle Kinder in der Schule ein steuerfinanziertes Schulessen. 

In Schweden herrscht ein mildes Klima mit viel Niederschlag und geringen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter. Vor allem im Norden sind die Schwankungen der Tageslängen im Jahresverlauf beträchtlich. Nordschweden ist durch Nadelwälder geprägt; über die Hälfte der Staatsfläche ist von Wald bedeckt. Allerdings macht sich auch hier der Klimawandel bemerkbar: 2018 kam es aufgrund der Hitze und Dürre zu ausgedehnten Waldbränden. Als erstes europäisches Land richtete Schweden Nationalparks ein – mittlerweile sind es landesweit 30. Eine Vorreiterrolle nimmt Schweden auch beim Klimaschutz ein: Schon 1979 wurde per Volksentscheid der Atomausstieg beschlossen (der allerdings bislang nur teilweise vollzogen ist). 2015 stimmte die schwedische Regierung für den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Bereits damals wurde über die Hälfte des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Vor allem Wasserkraft spielt dabei eine große Rolle: 2011 erzeugte Schweden allein 20% der Wasserkraftmenge der gesamten EU! Bis zum Jahr 2040 soll die Energie zu 100% aus regenerativen Quellen stammen; dazu soll vor allem die Windenergie ausgebaut werden. Schon seit 2017 gibt es in Schweden ein Klimaschutzgesetz, das vollständige CO2-Neutralität bis 2045 festschreibt. Im Klimaschutzindex, der die Bemühungen der Länder um den Schutz des Klimas misst, belegt Schweden den vordersten Platz (zum Vergleich: Deutschland ist auf Rang 19). 

Die meisten Schwed*innen bekennen sich zum christlichen Glauben – von 1527 bis 1999 war die evangelisch-lutherische Kirche Staatskirche. Die Wehrpflicht gilt für Frauen und für Männer gleichermaßen. 

Schwed*innen legen traditionell sehr viel Wert auf Gemeinschaft. Aus diesem Grund sind in Schweden Mannschaftssportarten populär, beispielsweise Eishockey, Fußball oder Handball. Auch in formellen Zusammenhängen, wie dem Berufsleben, ist das Duzen üblich. 

Das wichtigste schwedische Fest ist Midsommar, das in der ersten Nacht zum Samstag nach dem 21. Juni gefeiert wird. Überall werden bekränzte Birkenstämme, die Maibäume aufgestellt, um die ausgelassen getanzt wird. Es wird so intensiv gefeiert wie Weihnachten. Die Weihnachtszeit endet in Schweden erst am 13. Januar (den Knutstag kennen wir ja aus der Werbung des bekannten schwedischen Möbelhauses…). Eine schwedische Besonderheit ist das Lucia-Fest am 13. Dezember, bei dem die älteste Tochter als „Lussibrud“ mit weißem Kleid und Kerzenkranz im Haar das Frühstück serviert. Mit Lagerfeuern und Frühlingsliedern wird am 30. April die Walpurgnisnacht gefeiert. Im August darf ein Krebsessen im Familien -und Freundeskreis nicht fehlen. 

Mit Familie und Freunden trifft man sich vor allem an den Wochenenden zur fika, der schwedischen Kaffeerunde. Zum Kaffee gibt es Kanebullar, süße Zimtschnecken, oder anderes Gebäck. Kanebullar sind in Schweden so beliebt, dass sie (am 04. Oktober) einen eigenen Feiertag haben. Aufgrund einer Initiative der Gesundheitsbehörde in den 50er Jahren hat es sich eingebürgert, Kindern nur samstags Süßigkeiten zu geben. 

Typisch schwedische Gerichte sind Hering, Lachs und natürlich die Fleischklösschen, Köttbullar genannt, zu denen Preiselbeeren als Beilage gereicht werden. Donnerstags kommen traditionell gelbe Erbsensuppe und Pfannkuchen auf den Tisch. 

Üblich ist es, sich bei Tisch selbst zu bedienen. Aus diesem Grund gilt es in Schweden als unhöflich, Reste auf dem Teller zu lassen. Mit dem Trinken wartet man, bis der Gastgeber einen Trinkspruch anbringt. Alkohol ist in Schweden sehr teuer, da er hoch besteuert wird. Beliebt ist der Cider, der nicht nur aus Äpfeln, sondern aus allen möglichen Obst- und Beerensorten hergestellt wird. 

In Frankfurt könnt ihr die schwedische Küche im „Svea“ in Sachsenhausen probieren. Typisch schwedische Produkte erhaltet ihr nicht nur beim Weihnachts- und (virtuellem) Ostermarkt des Schwedischen Kirchenvereins in Preungesheim, sondern auch im Design Haus Stockholm in der Stephanstraße und – natürlich – bei IKEA in Nieder-Eschbach. 493 Frankfurter*innen haben einen schwedischen Pass.

 

Zum Weiterlesen: Nicht nur Kinder lieben die Bücher der wohl bekanntesten schwedischen Autorin Astrid Lindgren. „Wir Kinder aus Bullerbü“, „Michel aus Lönneberga“, „Madita“ und „Ferien auf Saltkrokan“ vermitteln viel über die schwedische Kultur und Lebensweise. 

Zum Weiterschauen:

The Square (2017), erhielt die Goldene Palme von Cannes und erzählt von der Begegnung eines schwedischen Kurators mit einem sozial Schwächeren

Licht im Winter (1963) von Ingmar Bergman, erzählt die Geschichte eines Dorfpfarrers, der am Tod seiner Frau verzweifelt

In Frankfurt: 

Schwedischer Kirchenverein in Preungesheim: www.schwedischekirche.de

Restaurant Svea, Brückenstr. 42, Frankfurt-Sachsenhausen

Design Haus Stockholm, Stephanstr. 1, Frankfurt-Innenstadt

IKEA Möbelhaus, Züricher Str. 7, Frankfurt-Niedereschbach

 

10. Juni: Dia de Portugal

 

Keine Unabhängigkeitserklärung, Revolution oder Thronbesteigung bildet den Anlass für den portugiesischen Nationalfeiertag: Am 10. Juni feiern die Portugies*innen mit dem „Dia de Portugal“ ihren Nationaldichter Luis Vaz de Camões, der am 10.06.1580 starb.

Dies zeigt die tiefe Kulturverbundenheit des Landes, dessen Namen sich vom lateinischen Wort für „Hafen“ – Porto- ableitet. Als Seefahrernation stieg Portugal m 15. Jahrhundert zur Großmacht auf und errichtete in der Folgezeit ein riesiges Kolonialreich.

1910 wurde der portugiesische König gestürzt, es entstand eine Republik, die 1926 mittels Militärputsch ein jähes Ende fand. Fast ein halbes Jahrhundert beherrschte die Salazar-Diktatur das politische und gesellschaftliche Geschehen Portugals. Nach der Nelkenrevolution von 1974 entstand die heutige demokratische Republik. Auch wenn der Präsident Oberkommandierender der Streitkräfte ist und Premierminister*in sowie den Ministerrat ernennt, hat er seit 1982 keine exekutive Funktion mehr. In Portugal gibt es eine GRÜNE Partei, die mit den Kommunist*innen eine gemeinsame Liste bilden und regelmäßig zwei Sitze im Parlament erhalten. Portugal ist Gründungsmitglied der NATO und Mitglied der EU. 

Mit 10 Millionen Einwohner*innen ist Portugal, zu dem auch die Inselgruppe der Azoren sowie Madeira gehört,  ebenso bevölkerungsreich wie Schweden, jedoch im Vergleich sehr viel dichter besiedelt. In der Hauptstadt Lissabon, die an der südlichen Atlantikküste liegt, leben etwa eine halbe Million Menschen. Im Norden ist das Klima kühler und feuchter. Hier liegen die bekannten Weingebiete, in den vor allem Portwein und der Vinho Verde angebaut werden. Portugal ist auch der größte Produzent von Rohkork – Produkte aus Kork sind auch ein beliebtes Mitbringsel für Tourist*innen. 17 Millionen Menschen kommen jährlich nach Portugal, um Urlaub an der Algarve zu machen oder Lissabon zu besichtigen.

2008 gehörte Portugal zu den Ländern, die stark unter der Finanzkrise litten und unter den Rettungsschirm mussten. Seither erholt sich die Wirtschaft wieder. Wer in Portugal ein Unternehmen gründen möchte, kann dies unbürokratisch innerhalb eines Tages online erledigen. 

Portugal ist führend im Ausbau des schnellen Internets: Schon 2012 betrug der Anteil an Glasfasernetzen 10,3 % - in Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 1,1 % Glasfaserkabel verlegt! Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien legt Portugal vor: Ein Viertel des portugiesischen Stroms wird aus Windkraft hergestellt, 61 Prozent beträgt der Anteil an erneuerbaren Energien insgesamt. Im Mai 2016 wurde das ganze Land 107 Stunden lang ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen versorgt.

Bereits seit 1979 gibt es für alle Bürger*innen ein kostenloses Gesundheitssystem. Für Kinder besteht eine neunjährige Schulpflicht, um nach dem Abitur eine Universität besuchen zu können, müssen Aufnahmeprüfungen absolviert und Studiengebühren entrichtet werden. 

Rund 90 Prozent der Portugies*innen bekennen sich zum katholischen Glauben. Antonius, Johannes und Petrus sind die drei Volksheiligen, zu deren Ehren im Juni in vielen Orten Feste stattfinden. Gefeiert wird mit Wein, Sardinenbroten, Straßenumzügen, Feuerwerk, Tanz und natürlich mit Fado, der traditionellen Musik, die man auch in vielen Lokalen hören kann. In Lissabon wird San Antonio (am 12. und 13. Juni) mit einem Straßenkarneval gefeiert, ähnlich wie São Pedro Ende Juni. Jeder Kreis hat seinen eigenen kommunalen Feiertag, an dem die Arbeit ruht – entweder wird einer der Heiligen gefeiert oder Karneval zum lokalen Feiertag erklärt. 

Fußball ist der populärste Sport in Portugal, 2016 wurde das portugiesische Nationalteam Europameister. Aus Portugal stammt die Fußball-Legende Cristiano Ronaldo. 

Fisch spielt in der portugiesischen Küche eine große Rolle: Bacalhau – Salz- oder Trockenfisch – ist das Nationalgericht Portugals; auch Sardinen sind sehr beliebt. Zwischendurch genießen Portugies*innen Pasteis de Nata, mit Creme gefüllte Törtchen. 

4049 Portugies*innen sind in Frankfurt zu Hause – dementsprechend reichhaltig ist das Angebot, portugiesische Kultur auch hierzulande zu erleben. Pasteis de Nata und andere süße Köstlichkeiten könnt ihr euch in „Marias Café“ in Eschersheim schmecken lassen. Portugiesische Restaurants gibt es in Frankfurt einige – darunter das  „Alma“ im Nordend. Wollt ihr lieber selbst kochen, werdet ihr im portugiesischen Supermarkt in Niederrad fündig. In Bockenheim bietet das „Centro de Livro e do Disco de Lingua Portuguesa“ Bücher, Musik und Filme aus Portugal an. 

 

Zum Weiterlesen:

Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon, Carl Hanser Verlag München 2004, ISBN 978-3446205550, erzählt von der Reise des Schweizer Lateinlehrers Raimund Gregorius auf den Spuren eines unbekannten Schriftstellers in Lissabon

Zum Weiterschauen:

Portugal – Der Wanderfilm (2019). Die Doku begleitet 1000 Kilometer Wanderung durch Portugal. Ausleihbar hier.

In Frankfurt:

Alma, Schwarzburgstr. 78, Frankfurt-Nordend

Marias Café, Am Lindenbaum 22, Frankfurt-Eschersheim (portugiesisches Café)

M.C. Amaral – Portugiesischer Supermarkt, Kalmitstr. 3, Frankfurt-Niederrad

TFM – Centro de Livro e do Disco de Lingua Portuguesa, Große Seestr. 47, Frankfurt-Bockenheim

 

12. Juni: Trooping the Colour in Großbritannien

 

Weder eine kodifizierte Verfassung noch einen offiziellen Nationalfeiertag gibt es in Großbritannien. Zum Ersatz wird die Geburtstagsparade für Queen Elizabeth, das sogenannte „Trooping the Colour“, das nicht am eigentlichen Geburtstag der Queen am 21. April, sondern traditionell am zweiten Juni-Wochenende stattfindet. 

Auch die Bezeichnung „Britannien“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „bunt“ oder „gefleckt“. Bunt ist Großbritannien schon allein deshalb, weil es sich – entgegen der landläufigen Benennung eben nicht auf „England“ beschränkt, sondern vier Nationen vereint: England, Schottland, Wales und Nordirland. Zuschauer*innen der „Goodwill-Games“ können jeweils ihre eigene Nationalmannschaft anfeuern, lediglich zu Europa- und Weltmeisterschaften sowie zu den Olympischen Spielen entsendet Großbritannien ein gemeinsames Team. 

67 Millionen Einwohner*innen leben im größten europäischen Inselstaat, zu dem neben der britischen Hauptinsel und dem nördlichen Teil der irischen Insel 800 kleinere Inseln gehören. Die Isle of Man und die Kanalinseln gehören völkerrechtlich nicht zu Großbritannien, ebenso die 14 Überseegebiete, die heute noch der britischen Krone unterstehen. Das britische Kolonialreich zerfiel nach dem zweiten Weltkrieg und entwickelte sich zum Commonwealth, dem heute 52 unabhängige Staaten angehören. 

Im kommenden Jahr feiert Queen Elizabeth ihr 70. Thronjubiläum. Sie ist damit das derzeit am längsten regierende Staatsoberhaupt der Welt. Auch wenn sie formal die Premierminister*innen ernennt, Oberhaupt der anglikanischen Kirche ist, jedes Gesetz vor Inkrafttreten genehmigen muss und das Recht hat, selbst Gesetze zu erlassen,  beschränkt sich ihre Rolle in der Praxis auf repräsentative Aufgaben. Die Legislative liegt beim Parlament, das aus zwei Kammern besteht  - dem Oberhaus („House of Lords“), dem neben Adeligen auch 26 anglikanische Bischöfe angehören und dem Unterhaus („House of Commons“), das demokratisch gewählt wird. Das Mehrheitswahlrecht benachteiligt dabei kleinere Parteien, darunter die Green Party of England and Wales, die bislang nur einen Sitz im Unterhaus holen konnten. 

Großbritannien ist Gründungsmitglied der NATO und der UN. Bis zum 31. Januar 2020 gehörte das Land auch der EU an. Nach einem Volksentscheid im Jahr 2016 wurde im vergangenen Jahr der „Brexit“ vollzogen. 

Allein in der Hauptstadt London leben 10 Millionen Menschen. Viele von ihnen arbeiten in der Finanzbranche – die City of London ist der größte Finanzplatz der Welt. Seit den Zeiten von Margret Thatcher hat sich eine weitgehend liberalisierte und privatisierte Marktwirtschaft durchgesetzt. Diese führt zu großem Wohlstandsgefälle innerhalb des Landes. 

Die sozialen Unterschiede zeigen sich auch in den sportlichen Vorlieben, die im Alltag der Brit*innen eine bedeutende Rolle spielen. Während in den von unteren sozialen Klassen (Working Class) dominierten Gegenden eher Fußball populär ist, favorisieren die höheren sozialen Schichten Rugby und Cricket.

Britische Kinder und Jugendliche haben bis zum 16. Lebensjahr eine Bildungspflicht – eine Schule müssen sie dazu allerdings nicht besuchen, sie können auch im Heimunterricht lernen. Eine Tradition hat in Großbritannien das Privatschulwesen, auch in Form von Internaten („boarding schools“) Mit 16 Jahren legen die jungen Menschen das „General Certificate of Secondary Education ab“. Von dieser Prüfung hängt ab, ob die Schüler*innen das A-Level, das britische Abitur, absolvieren können. Eine Berufsausbildung im dualen System wie in Deutschland, gibt es in Großbritannien nicht. 

Großbritannien ist für sein feuchtes Klima bekannt. Sonnenschein ist rar auf den britischen Inseln. Auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar: Die Winter werden wärmer, die Sommer heißer, es gibt mehr Extreme wie die Überschwemmungen 2013/14. Jährlich steigt der Meeresspiegel um 3 Millimeter. 

Das kühle Klima spiegelt sich in der britischen Küche wieder – es dominiert Hausmannskost mit Kartoffeln, Fleisch und Gemüse. Beliebt sind auch Pasteten mit Fleischfüllung, Fish and Chips, Baked Beans und Sandwiches. Die Tea-Time ist fester Bestandteil des britischen Alltags.

2.298 Frankfurter*innen besitzen einen britischen Pass. Ihr könnt daher auch hierzulande viel britische Kultur entdecken – beispielsweise im English Theatre am Willy-Brandt-Platz, das Theater und Musicalaufführungen in englischer Sprache anbietet. Das typische Pub-Flair findet ihr im „Fox and Hound“ im Westend oder im Birmingham Pub in der Innenstadt. Britische Lebensmittel könnt ihr im „A Taste of Britian“ im Oeder Weg erwerben. 

 

Zum Weiterlesen:

John Lanchester, Kapital, Heyne Verlag 2014, ISBN 978-3453410992. Erzählt vom Aufeinandertreffen sozialer Gegensätze in Südlondon während der Finanzkrise

Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry. Fischer Taschenbuch, 2015 ISBN 978-3596033744. Um seinen Vater im Pflegeheim zu besuchen, durchquert Harold Fry England zu Fuß. 

Zum Weiterschauen:

The Crown, erzählt in bislang vier Staffeln aus dem Alltag und den politischen Geschehnissen der Regentschaft Elizabeths II. Abrufbar auf Netflix

In Frankfurt:

English Theatre Frankfurt: www.english-theatre.de

A Taste of Britain, Lebensmittelgeschäft, Oeder Weg 34, Frankfurt-Nordend

Birmingham Pub, Battonstr. 50, Frankfurt-Innenstadt

The Fox and Hound, Niedenau 2, Frankfurt-Westend

 

12. Juni: Nationalfeiertag der Philippinen

 

Zwei Jahre lang tobte die Revolution, bevor Emilio Aguinaldo am 12. Juni 1898 die Unabhängigkeit der Philippinen von Spanien verkündete. Da die USA diese Unabhängigkeit nicht anerkannte, folgte ein Krieg, in dem 20 % der damaligen Bevölkerung der Philippinen ihr Leben verlieren sollten. Der spanische Seefahrer Fernando Magellan hat die im südchinesischen Meer zwischen Vietnam, Malaysia und Indonesien gelegene Inselgruppe 1521 entdeckt und nach dem damaligen spanischen König Philipp II. benannt. 

Nach dem Ende der spanischen Kolonialzeit erlebten die Philippinen eine wechselhafte Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Japaner den Inselstaat, zwischen 1972 und 1987 errichtete Ferdinand Marcos eine Diktatur. Heute sind die Philippinen eine präsidentielle Demokratie, die jedoch immer wieder von Putschversuchen erschüttert wird und auch Konflikte mit den IS bewältigen muss. Bis heute spielt sich das politische Geschehen eher personenbezogen ab; Parteien haben auf den Philippinen keine große Bedeutung. 

Die internationalen Einflüsse zeigen sich in der Landesküche – sie vereint spanisch-mexikanische, chinesische, japanische, indische und amerikanische Elemente. Das Nationalgericht heißt Nationalgericht Adobo und besteht aus Schweinefleisch, Rindfleisch, Geflügel, Fisch oder Gemüse mit Gewürzen, Essig, Knoblauch, Zwiebeln und Kokosmilch oder Sojasoße. Ein bei den Filippinos beliebter Snack ist das Balut, ein angebrütetes und gekochtes Entenei. Die ländliche Bevölkerung isst meist mit den Fingern, oft werden nur Löffel und Gabel verwendet. 

Über 7000 Inseln gehören zu den Philippinen – allerdings messen nur 1000 davon mehr als einen Quadratkilometer und auch diese sind nicht alle bewohnt.  96 Millionen Einwohner*innen leben  in einem Gebiet, das mit rund 300.000 Quadratkilometer etwa 60.000 Quadratkilometer kleiner als Deutschland ist. Die Hauptstadt Manila gehört mit 23 Millionen Bewohner*innen zu den am dichtest besiedelten Flächen der Welt. Die drei Hauptinseln sind Luzuon, Visayas und Mindanao – für sie stehen die drei Sterne in der Landesflagge.

Vor allem in den ländlichen Gebieten leben die Menschen in Armut; die Wanderung in die Städte hat zum Anwachsen der dortigen Slums geführt. Nur die Hälfte der Filippinos hat Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. Während der Norden industriell geprägt ist, dominiert im Süden der Reisanbau. 

Auch auf den Philippinen gefährden Abholzung und Raubbau das Ökosystem. Die berühmten Korallenriffe, die den Inseln vorgelagert sind, sind durch Überfischung und den Tourismus schon stark zerstört. Der Klimawandel ist deutlich zu spüren; allerdings gehören die Philippinen zu den Ländern, die ihren CO2-Verbrauch in den vergangenen Jahren mit am meisten senken konnten. Die von der Regierung erlassenen Gesetze zum Schutz der Natur, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Förderung der Abwasserklärung und der Ausbau der regenerativen Energien zeigen Wirkung. 

Die Philippinen sind ein Vielvölkerstaat, in dem über 170 regionale Sprachen und Dialekte gesprochen werden. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Tagalog, auf deren Sprache die offizielle Amtssprache Filippino beruht. Daneben ist Englisch offizielle Amtssprache auf den Philippinen.

Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum katholischen Glauben; neben Osttimor sind die Philippinen sind einzige christlich geprägte asiatische Land. Die Ablehnung der Geburtenkontrolle durch die katholische Kirche führt jedoch dazu, dass die Bevölkerung weiter wächst. Ehescheidungen sind auf den Philippinen verboten, Ehebruch wird bestraft. Viele Filippinos reisen daher in die Dominikanische Republik, um sich dort scheiden zu lassen. 

Heilige werden auf den Philippinen mit lokalen Festen geehrt, die mit Paraden und Feuerwerk begangen werden. Zu Allerheiligen und Allerseelen kampieren Familien auf den Friedhöfen – statt Trauer sind fröhliche Feiern angesagt. Ein Höhepunkt ist das jährliche Mailblumen-Fest (Flores de Mayo), mit dem der Beginn der Regenzeit gefeiert wird.

Die Philippinen liegen an der Grenze zweier Kontinentalplatten – häufige Erdbeben und Vulkanausbrüche sind die Folge. 20 aktive Vulkane gibt es auf der Inselgruppe; der Ausbruch des Pinatubo im Jahr 1991 war der zweitstärkste Vulkanausbruch des Jahrhunderts. Auf den Philippinen herrscht ein tropisches Klima mit Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. 27 Grad beträgt die Jahrestemperatur. Während der Regenzeit, die von Juni bis Oktober dauert, sind Taifune nicht selten. 

Tourist*innen schätzen auf den Philippinen nicht nur die Tauchgebiete und Strände, sondern auch die vielen Sehenswürdigkeiten – bekannt sind die Reisterrassen von Banaue, die Vulkanlandschaften, die Pagsanjan-Wasserfälle und die spanischen Festungen. 

In Frankfurt leben 754 Menschen mit philippinischem Pass. Die philippinische Küche könnt ihr im Gallus probieren, außerdem bieten ein Catering-Service und ein Lebensmittelladen philippinische Produkte an. 

 

Zum Weiterlesen:

Annette Hug: Wilhelm Tell in Manila. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2016, ISBN 978-3884235188. Erzählt vom Revolutionär José Rizal während des Aufstands von 1886.

Majgull Axelsson: Rosarios Geschichte, btb, München 202, ISBN 978-3442727476, berichtet die tragische Geschichte einer Kinderprostituierten auf den Philippinen

Zum Weiterschauen

Norte – Das Ende der Geschichte (2013). Das Drama zeichnet ein Sittengemälde der philippinischen Gesellschaft. 

Lola (2009), Gerechtigkeitsdrama, das von familiärem Zusammenhalt und dem Leben in der Unterschicht erzählt. 

In Frankfurt

Asian Store – Philippinische Lebensmittel: Im Grund 1, Frankfurt-Nied

Adobo – philippinisches Catering: www.adobo-frankfurt.com

Filippino & Japanese Cuisine, Frankenallee 275, Frankfurt-Gallus

 

12. Juni: Tag Russlands

 

Am 12. Juni 1990 verkündete der Kongress die Unabhängigkeit Russlands von der Sowjetunion. Seit 1994 ist dieser Tag russischer Nationalfeiertag. Am 12. Juni zeichnet der Staatspräsident herausragende Personen mit der höchsten Auszeichnung aus, die Russland zu vergeben hat – mit der Staatsprämie der russischen Föderation. In vielen Städten finden Feste, Paraden und ein abendliches Feuerwerk statt. Der Tag wird jedoch auch genutzt, um gegen die russische Politik zu demonstrieren. 

Denn Präsident Wladimir Putin hat in den letzten Jahren ein quasi-autokratisches Regime errichtet, indem er die Wahl der Provinzgouverneure abgeschafft und sich selbst zu deren Ernennung ermächtigt hat. Auch der Ministerpräsident wird vom Präsidenten vorgeschlagen. Obwohl die Verfassung die Freiheits- und Menschenrechte betont, gelten diese in der Praxis nicht viel. Das russische Parlament glieder sich in ein Oberhaus (Föderationsrat) und ein Unterhaus (Staatsduma), dem 450 Abgeordnete angehören. Um im Parlament vertreten zu sein, muss eine Partei mindestens 7% der Stimmen erzielen. Der „Allianz der Grünen“ gelang es nicht, zu den Wahlen der Staatsduma anzutreten. Sie wurde daraufhin 2019 liquidiert. Gegenwärtig dominiert die Partei „Einiges Russland“ das Parlament. Die Beziehung Russlands zum Westen ist vor allem durch die Annexion der Krim 2014, aber auch durch die Rolle Russlands im Syrien-Krieg belastet. 2014 wurde Russland aufgrund der Krim-Annexion von den damaligen G8 ausgeschlossen.

Russland verfügt über die größten Rohstoffreserven der Welt, vor allem Erdgas. Trotz der Katastrophe von Tschernobyl will die russische Regierung den Anteil an Kernenergie steigern, um mehr Energie exportieren zu können. Die Energiekonzerne befinden sich überwiegend in staatlicher Hand. Obwohl der Umweltschutz in der russischen Verfassung verankert ist, genießt er in der Politik keine hohe Priorität; gegen Umweltauflagen wird oft verstoßen. Gleichwohl stieg das Umweltbewusstsein in den letzten Jahren auch in der russischen Bevölkerung. 

Flächenmäßig ist Russland der größte Staat der Erde: Über 17 Millionen Quadratkilometer und damit ein Neuntel der Landesmasse der Erde erstreckt sich der Staat und ist damit so groß wie Europa und Australien zusammengerechnet. Die Reise von der West- an die Ostgrenze erstreckt sich über 9000 Kilometer; 4000 Kilometer liegen Nord- und Südzipfel auseinander. Russland grenzt an fünf Meere und umfasst 11 Zeitzonen. Die Bevölkerungszahl kann mit dieser riesigen Fläche nicht mithalten – mit 144,5 Millionen Einwohner*innen liegt Russland nur an neunter Stelle. Die Geburtenrate in Russland ist stark rückläufig, auch wenn die Regierung seit Jahren versucht, mit Steuererleichterungen und Zuschüssen Anreize zur Familiengründung zu setzen. 

Obwohl der asiatische Teil dreimal so groß ist wie der europäische westlich des Urals, leben 85 % der Russinnen und Russen im europäischen Teil. Hier liegen mit der Hauptstadt Moskau und St. Petersburg (das zwischen 1712 und 1918 die russische Hauptstadt war) die kulturellen Zentren Russlands. Weltbekannt sind die Eremitage und das Bolschoi-Theater. Vor allem das Ballett hat in Russland eine lange Tradition, das Bolschoi- und das Marinskij-Ballett gehören zu den besten Ensembles der Welt. Der russische Komponist Peter Iljitsch Tschaikowsky schuf viele bekannte Ballette, etwa den „Nussknacker“. Auch russische Literatur mit Werken von Dostojeweski („Krieg und Frieden“) oder Tolstoi („Anna Karenina“) gehört zu den Klassikern von Weltrang. 

Hier spiegelt sich die „russische Seele“ mit ihrem Hang zu extremen Gegensätzen, Schicksalsergebenheit, Hang zur Geduld, Neigung zum Aberglauben, starker Heimatverbundenheit und der Fähigkeit, Leid zu ertragen. Die russische Gesellschaft ist traditionell kollektivistisch geprägt, es herrscht ein starkes Solidaritäts- und Gemeinschaftsgefühl; vor allem auf dem Land ist die Familie eine wichtige Bezugsgruppe. 

Sprichwörtlich ist die russische Gastfreundschaft: Wer einlädt, bereitet so viele Gerichte wie möglich zu; der wichtigste Gast wird mit Brot und Salz beschenkt. Das Festessen beginnt stets mit kalten Vorspeisen, dann folgen Suppen wie Bortschtsch aus Roter Bete oder Soljanka aus Gemüse, zu denen Brot oder Teigtaschen (Blini oder Piroggen) gereicht werden. Wodka ist Teil der russischen Kultur; nach dem Essen genießen Russinnen und Russen Tee, der traditionell im Samowar zubereitet wird. 

Der Hang zum Kollektivismus zeigt sich auch in der Städteplanung. Viele der russischen Großstädte sind erst in den 60er Jahren gegründet worden und als Prototypen der sozialistischen Stadt auf dem Reißbrett entstanden: keine Eigentumswohnungen, sozial gemischte Stadtviertel, Trennung von Arbeit, Wohnen und Einkaufen, Ausbau der Verkehrsachsen, wohnortnahe Grünanlagen. 15 Millionenstädte gibt es in Russland, 73 Prozent der Menschen leben in Städten; die Hauptstadt Moskau ist mit 12 Millionen Einwohner*innen die größte Stadt. Ihren Urlaub verbringen Russinnen und Russen daher gerne in ihren Wochenendhäusern, den „Datschen“ auf dem Land, die seit dreihundert Jahren zur russischen Kultur gehören. Nicht nur der Entspannung dient  ein Besuch im russischen Dampfbad, der „Banja“: Hier trifft man sich auch zu Geschäftsverhandlungen und politischen Besprechungen; der Kreml verfügt über eine eigene Banja. 

Sport ist in Russland sehr beliebt, vor allem Fußball und Eishockey. Große Erfolge erzielten russische Sportler*innen auch im Eiskunstlauf, im Turnen, in der Sportgymnastik und im Schach. 

Russland ist ein Vielvölkerstaat: Neben den Russinnen und Russen, die 80 % der Bevölkerung ausmachen, gibt es fast 100 weitere Ethnien. 

In Russland sind die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sehr hoch – in Ostsibirien kann es im Winter bis zu minus 60 Grad kalt werden! Die „Weißen Nächte“, in denen die Sonne nachts nicht untergeht, ziehen Anfang Juni viele Tourist*innen nach St. Petersburg. Die Innenstadt von St. Petersburg ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Beliebt bei Russland-Reisenden ist auch eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn, die auf 9.300 Kilometern zwischen Moskau und Wladiwostok verkehrt.

3.603 Frankfurter*innen stammen aus Russland. In Frankfurt gibt es eine russisch-orthodoxe Gemeinde, in der ihr beispielsweise den Weihnachtsgottesdienst – der nach dem Julianischen Kalender erst am 07. Januar gefeiert wird – erleben könnt. Der Verein Slowo e.V. gibt Einblicke in die russische Kultur und betreibt einen deutsch-russischen Kindergarten, eine private Schule und eine Bibliothek mit russischen Büchern, Filmen und CDs.  Russische Lebensmittel und Produkte findet ihr im „Universam“ im Ostend. Die russische Küche könnt ihr im „Watra“ im Westend oder auch im Frankfurter Umland probieren.

 

Zum Weiterlesen:

Orlando Figes: Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands. Berlin Verlag 2003, ISBN 978-3827004871 – ergründet ausgehend von einer Szene aus Tolstois „Krieg und Frieden“ das typisch Russische

Zum Weiterschauen:

Durak (2014), erzählt von einem Klempner, der gegen ein System korrupter Bürokraten kämpft. Ausgezeichnet beim Filmfest von Locarno. Erhältlich auf DVD.

Fabergé – Ein Eigenleben (2015). Dokumentation über den Aufstieg und Fall des Juweliers Carl Fabergé, der die Fabergé-Eier kreierte. Abrufbar bei Amazon Prime.

In Frankfurt:

Russisch-Orthodoxe Kirche in der Friedrich-Ebert-Anlage 33, Frankfurt-Innenstadt

Universam – Russischer Laden, Friedberger Anlage 1-3, Frankfurt-Ostend

Slowo e.V.: www.slowo-ev.org

Russische Bibliothek: Oeder Weg 24, Frankfurt-Nordend

Russische Küche: 

Watra, Grüneburgweg 29, Frankfurt-Westend

Restaurant St. Petersburg, Usagasse 15, Friedberg 

Palazzo Monte Cristo, Bieberer Str. 61, Offenbach



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