30.05.2021

Diversity Diary: In luftiger Höhe

28. Mai: Tag der Republik in Aserbaidschan

 

Mit dem „Tag der Republik“ feiert Aserbaidschan die Deklaration der Unabhängigen Demokratischen Republik Aserbaidschan am 18. Mai 1918. Zuvor hatte der im Südkaukasus gelegene Staat zum Russischen Zarenreich gehört. Die Unabhängigkeit währte lediglich bis 1922: Wie zahlreiche Nachbarstaaten wurde auch Aserbaidschan in die Sowjetunion eingegliedert und gehörte dieser bis 1991 an. 

Heute ist Aserbaidschan eine präsidentielle Republik, in der ein autoritäres Regime herrscht. Der Präsident hat weitreichende Exekutivrechte und wird für sieben Jahre gewählt. Seit der letzten Verfassungsänderung ist die Beschränkung auf zwei Amtszeiten aufgehoben. Die derzeit regierende Partei ist die nationalistisch und laizistisch geprägte Partei „Neues Aserbaidschan“. 125 Sitze hat das Parlament; ein Sitz ist dabei für die Region Bergkarabach reserviert. Das früher autonome Gebiet, das rund 14% der Staatsfläche umfasst, wird mehrheitlich von Armenier*innen bewohnt und erklärte sich 1991 für unabhängig. Völkerrechtlich gehört es weiterhin zu Aserbaidschan. Korruption ist in der Regierung verbreitet- auch auf internationaler Ebene: So wurden auch Mitglieder des Deutschen Bundestages nach Aserbaidschan eingeladen und in der Hoffnung, Lobbyist*innen zur Durchsetzung politischer Interessen zu gewinnen, auf Staatskosten verwöhnt. Oppositionelle und Journalist*innen müssen mit Schikanen rechnen.

Im Ausland leben zwischenzeitlich mehr Aserbaidschaner*innen als im Land selbst: den 10 Millionen Einwohner*innen stehen allein 12 bis 15 Millionen Aserbaidschaner*innen gegenüber, die im Iran zu Hause sind. 288 Menschen mit aserbaidschanischem Pass sind Frankfurter*innen. 

Wenngleich auch die russische Sprache im Alltag noch eine große Rolle spielt, betrachten sich die Aserbaidschaner*innen sprachlich, ethnisch und und kulturell nicht mit Russland, sondern mit der Türkei verwandt. So weist die aserbaidschanische Sprache große Ähnlichkeit mit dem Türkischen auf und 89 % der Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Seit 1992 verwenden die Aserbaidschaner*innen nicht mehr die kyrillische, sondern die lateinische Schrift. Auch die aserbaidschanische Küche ist eher türkisch-orientalisch geprägt: Beliebte Gerichte sind Piti (ein Hammelfleischeintopf mit Kichererbsen), Dovga ( eine Suppe aus scharfem Joghurt), Dolma (Hackfleisch und Reis in Wein- oder Kohlblätter gefüllt) und Pilaw (Reis und Hammelfleisch)

Als eines der ersten Länder weltweit und als erstes islamisch geprägtes Land führte Aserbaidschan 1918 das Frauenwahlrecht ein – auch dass heutzutage jede zweite Frau berufstätig ist, ist für muslimisch geprägte Länder eher ungewöhnlich. 

Das 86.000 Quadratkilometer große Land verfügt über bedeutende Ölreserven und erlebte seit 2000 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Deutschland gehört zu den wichtigsten Abnehmern des Rohöl. 

Internationale Bekanntheit bei Musikfans erlangte Aserbaidschan als Austragungsort des Eurovision Song Contest, der 2012 in der Hauptstadt Baku stattfand. Baku ist auch der Geburtsort der Schachlegende Gerri Kasparow – der Schachsport ist daher in Aserbaidschan sehr beliebt. 

 

Zum Weiterlesen:

Akram Aylisli: Steinträume: Ein Requiem. Osburg Verlag, 2015, ISBN 978-3955100742, erzählt vom armenisch-aserbaidschanischen Konflikt

Das Geheimnis – Geschichten und Erzählungen aus Aserbaidschan. Hersg. Hans J. Maurer, 2018. ISBN 978-3929356759

 

Zum Weiterschauen:

Holy Cow. Dokumentarfilm aus dem Jahr  2015, erzählt von einem Bauern, der eine Kuh aus Europa in sein Heimatdorf bringt. Entleihbar bei Amazon Prime. 

Vom Lokführer, der die Liebe suchte, Spielfilm aus dem Jahr 2019, erzählt vom Lokführer Nurlan, der mit dem Zug durch die Vorstädte Bakus fährt und dabei in Aschenputtel-Manier eine schöne Frau sucht. Noch bis 12.06.2021 in der ARD-Mediathek abrufbar. 

 

28. Mai: Nationalfeiertag in Äthiopien

 

Am „Horn von Afrika“, zwischen Eritrea, dem Sudan, dem Südsudan, Kenia, Somalia und Dschibuti liegt das einzige afrikanische Land, das in seiner 3000 jährigen Geschichte niemals kolonialisiert wurde (lediglich zwischen 1935 und 1941 war es von italienischen Truppen besetzt): Äthiopien! 

Mehr als 800 Jahre lang war Äthiopien eine Monarchie gewesen; nach einem Putsch wurde das damalige Königreich Abessinien zur heutigen föderalen Republik. Bis 1991 herrschte eine sozialistisch geprägte Einparteiendiktatur. Nach einem Bürgerkrieg ergriff die Rebellenallianz EPRDF, ein Bündnis aus vier Parteien, die Macht. Auch sie regiert de facto autoritär; die „Wohlstandspartei“ als Nachfolgeorganisation der Allianz erhielt bei den letzten Wahlen 100 Prozent der Stimmen. 

1993 hatte Eritrea sich von Äthiopien unabhängig erklärt; in der Folge kam es zum Streit um die Landesgrenzen und zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis 2018. Ministerpräsident Abiy Ahmed gelang es 2018,  einen Friedensvertrag mit Eritrea auszuhandeln. Dafür wurde er im Folgejahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Spannungen herrschen derzeit in der Region Tigray; Auslöser waren die coronabedingten Verschiebungen der Parlamentswahlen. 

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat; es gibt 120 ethnische Gruppen, die über 80 Sprachen sprechen. Amtssprache ist die Sprache der dominierenden Bevölkerungsgruppe: Amharisch. Seit 2020 sind Oromo, Tigrinya, Somali und Afar als weitere Amtssprachen zugelassen. Englisch ist Bildungssprache und Unterrichtssprache an den Oberschulen.

Letztere werden jedoch nur von wenigen Jugendlichen besucht; lediglich jedes zweite Kind beendet überhaupt die Grundschule. Denn obwohl die Wirtschaft wächst, zählt Äthiopien nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Hälfte der Bevölkerung leidet an Unterernährung; nicht einmal jede*r zweite Bürger*in hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Viele Kinder arbeiten daher – zumeist im Familienbetrieb – mit. Ein großes Problem ist das rasante Bevölkerungswachstum: Lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 11 Millionen Menschen auf einer Fläche, die etwa dreimal so groß wie Deutschland ist, waren es 1987 bereits 44 Millionen. Heute wird die Bevölkerung auf rund 112 Millionen geschätzt. Äthiopien ist damit der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Erde. 45 Prozent der Einwohner*innen sind unter 15 Jahren alt!

Vorherrschende Religion ist das Christentum: Mit Georgien und Armenien zählt Äthiopien zu den ältesten christlich geprägten Staaten der Erde. Typisch für die äthiopisch-orthodoxe Kirche sind die Rundbauten und die Gesangstradition „Zema“ (zu deutsch Musik, Klang, Ton), die mit Instrumentalmusik und Tanz verbunden ist. 

Musik spielt im Leben der Äthiopier*innen eine große Rolle. Charakteristisch ist die pentatonische Musik der Azmari, der Sängerpoet*innen, die mit ihren Balladen alte Geschichten erzählen oder aktuelle Ereignisse kommentieren und oft in Tej-bets auftreten, den Gaststätten in denen Honigwein ausgeschenkt wird.

Der Honigwein Tej wird auch zu den Mahlzeiten gereicht. Diese werden traditionell mit der rechten Hand eingenommen. Unverzichtbarer Bestandteil der äthiopischen Küche ist Injera, ein Sauerteig-Fladenbrot, das auch als Besteck dient und mit Saucen, rohem Rindfleisch – oder mittwochs und freitags, wenn gläubige Christ*innen keine tierischen Produkte zu sich nehmen dürfen, mit Kichererbsen- oder Linsenbrei gereicht wird. Anderen bei Tisch einen Bissen in den Mund zu stecken ist Zeichen besonderer freundschaftlicher Verbundenheit.

Äthiopien gilt als das Ursprungsland des Kaffee. Kaffeebohnen sind das wichtigste Exportgut des Staates und vor allem in Deutschland sehr stark nachgefragt.

Aus Äthiopien stammen die ältesten Spielbretter der Welt. Das typische Brettspiel „Mancala“ kann in 103 Varianten gespielt werden. 

Als einziges Land der Erde hat Äthiopien eine eigene Zeitrechnung: Das Jahr hat hier nicht 12, sondern zusätzlich einen nur sechs Tage währenden 13. Monat. Das neue Jahr beginnt am 11. September; der äthiopische Kalender geht dem gregorianischen um acht Jahre nach. Auch die Tageszeit wird anders berechnet: In Äthiopien beginnt der Tag nicht um Mitternacht, sondern um 06.00 Uhr morgens. 

Da Äthiopien zu den am höchsten gelegenen Ländern Afrikas gehört, ist das Klima in weiten Teilen des Landes gemäßigt. Aber auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar: Starke Niederschläge und Dürreperioden nehmen zu. Zwischen 1960 und 2012 ging der Waldbestand von 37 auf drei Prozent der Landesfläche zurück. 

Große Pläne hat das Land für den Ausbau erneuerbarer Energien: Bereits jetzt versorgt Äthiopien ganz Ostafrika mit Wind- und Wasserenergie; entstehen sollen Energiekorridore nach Europa. Bislang sind jedoch erst 60 % der eigenen Bevölkerung an das Stromnetz angeschlossen. 

Äthiopien verfügt über neun Unesco-Weltkulturerbestätten; besondere Sehenswürdigkeiten sind der Blaue Nil-Fall, der Palast des Kaisers Fassisilides in Gonder, der Simien-Nationalpark, die Kathedrale und die Stelenfelder von Axum, die Felsenkirchen von Lalibela und die Stadt Harar, in der der französische Dichter Arthur Rimbaud lebte. 

In Frankfurt sind 1620 Äthiopier*innen zu Hause und es gibt sowohl eine äthiopisch-orthodoxe, als auch eine äthiopisch-evangelische Gemeinde, in der ihr zum Beispiel den Weihnachtsgottesdienst mit Trommelmusik und Tanz erleben könnt. Um die äthiopische Küche zu probieren, müsst ihr nicht einmal das Nordend verlassen: In der Holzhausenstraße bietet das Restaurant Demera Speisen aus Äthiopien an; außerdem gibt es das Restauarant Lalibela in der Klingerstraße. 

 

Zum Weiterschauen:

Teza-Morgentau (2008), erzählt von einem jungen Mann der in den 70er Jahren als Student von Äthiopien nach Deutschland kommt und zwanzig Jahre später in ein gespaltenes Land zurückkehrt. Auf DVD erhältlich

Zum Weiterlesen:

Maaza Mangiste, Unter den Augen des Löwen. Verlag Das Wunderhorn Heidelberg 2021. ISBN 978-3884234006. Erzählt am Beispiel einer Familie von den blutigen Umbrüchen im Äthiopien der 70er Jahre. 

In Frankfurt: 

Äthiopisch-orthodoxe Gemeinde in Seckbach

Äthiopisch-evangelische Gemeinde: www.eecfrankfurt.com

Restaurant Demera: Holzhausenstr. 77, Frankfurt-Nordend

Restaurant Lalibela: Klingerstr. 2, Frankfurt-Nordend

 

 

29. Mai: Nationalfeiertag in Nepal

 

Nach Tibet ist Nepal das höchstgelegene Land der Erde. 40 % der Landesfläche liegen mehr als 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Seit dem 29. Mai 2008 ist das zwischen China und Indien gelegene Land eine Republik; zuvor hatten Kommunist*innen zehn Jahre lang gegen die Monarchie und das rigide Kastensystem gekämpft. Heute hat Nepal ein demokratisch gewähltes Parlament, wenngleich auch die Korruption hoch ist und das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung dementsprechend niedrig.

Die Bevölkerung gliedert sich in über 100 ethnische Gruppen, 124 verschiedene Sprachen und Dialekte werden in Nepal gesprochen. Amtssprache ist Nepali. 

Lediglich 15 % der Nepali leben in der Hauptstadt Kathmandu und den anderen Städten – damit hat Nepal eine der niedrigsten Urbanisierungsraten weltweit. 

Zwischen Stadt und Land herrscht ein großes Wohlstandsgefälle. Fast 40 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt umgerechnet gerade einmal 18 Euro. Ein Drittel der Erwachsenen können weder lesen noch schreiben. Die meisten Nepali leben vom Anbau von Kartoffeln, Reis, Mais und Getreide oder verdingen sich als Sherpa, als touristische Bergführer*innen, denn in Nepal liegen sieben der zehn höchsten Berge der Welt, unter anderem der Mount Everest. Vor der Corona-Pandemie kamen jährlich rund 300.000 Tourist*innen nach Nepal. 

Auch wenn der Hinduismus seit 2006 nicht mehr Staatsreligion ist, prägt er das Denken und den Alltag der Nepali zutiefst. 80 % sind praktizierende Hindu. Viele Nepali glauben an zudem Naturgötter, die sich in Steinen, Pflanzen und Tieren verbergen. Die Puja, das Gebet, ist unverzichtbarer Teil des Lebens. 

Das hinduistische Kastensystem ist nach wie vor Grundlage der Gesellschaft und auch, wenn die Diskriminierung einzelner Kasten bereits seit 1962 offiziell verboten ist, werden die sogenannten „Unberührbaren“, zu denen rund 7 % der Bevölkerung gehören, im Alltag oft benachteiligt – es sei denn, sie sind vermögend. 

Der Hinduismus trennt klar zwischen „rein“ und „unrein“. Als unrein gelten Dinge, die von anderen mit dem Mund berührt wurden, außerdem die linke Hand und der linke Fuß. Von „Unberührbaren“ dürfen die oberen Kasten kein Wasser und keine gekochten Speisen annehmen. Wie in Indien, gelten auch in Nepal Kühe als heilig – die Nepali essen daher kein Rindfleisch; in Ledersachen darf man die Tempel nicht betreten. Nicht nur beim Besuch des Tempels sollte die Kleidung zumindest Oberschenkel und Schultern, besser auch die Unterschenkel bedecken; zu viel Haut zu zeigen, wird als anstößig betrachtet. Der Kopf gilt als heiliges Körperteil und sollte nicht berührt werden. Überhaupt ist Körperkontakt unter den Nepali eher unerwünscht. Anders als überall sonst auf der Welt, meinen die Nepali „Ja“, wenn sie mit dem Kopf schütteln. 

Musik und Tanz spielen im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle, oft trifft man sich abends zu spontanen Aufführungen. Jede ethnische Gruppe pflegt dabei ihre eigenen Musikstile. Offizieller Nationalsport Nepals ist Volleyball; sehr beliebt sind auch Fußball und Cricket.

Momos – gefüllte Teigtaschen aus Nudelteig – sind in den Städten an jeder Ecke zu haben, beliebte Snacks sind auch Samosas und Panipuri (gefüllte Teighüllen). Das Nationalgericht heißt Dal Bhat und besteht aus Reis, Linsencurry und Gemüse. Gerichte aus Nepal könnt ihr auch in Frankfurt probieren – im Mero Buddha Nepali Kitchen auf der Berger Straße oder im Tibet Bistro im Sandweg. 529 Frankfurter*innen haben einen nepalesischen Pass. 

 

Zum Weiterlesen:

Helge Timmerberg, Das Mantra gegen die Angst oder Ready for Everything, Malik Verlag München 2019, ISBN 978-3890294537. 

Ella Maillart, Im Land der Sherpas. Nagel und Kimche Verlag Zürich 2018, ISBN 978-3312010929. 

Zum Weiterschauen:

Katmandu (1969), erzählt von einem Studenten, der auf der Suche nach seinem Vater nach Nepal reist. Erhältlich auf DVD und Blue-Ray

Erlebnis Nepal (Dokumentation 2018) – abrufbar auf Youtube

In Frankfurt: 

Tibet Bistro, Sandweg 28, hat neben tibetischen auch nepalesische Gerichte

Mero Buddha Nepali Kitchen, Berger Str. 232 mit authentisch-nepalesischer Küche

 

02 .Juni: Tag der Republik in Italien

 

Ausgangspunkt des Römischen Weltreiches, Geburtsland der Renessaince, des Barock und der Oper,  Austragungsort der ältesten Filmfestspiele der Welt, Geburtsort zahlreicher Gelehrter, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen  – wie kein anderes Land hat Italien (nicht nur) die europäische Kultur geprägt. 

Nach dem Sieg über Mussolinis Faschismus und dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der italienische König abgesetzt und am 02. Juni 1946 die Republik ausgerufen. Den „Tag der Republik“ begehen die Italiener*innen in Rom sehr feierlich; es gibt eine Militärparade, eine Fliegerstaffel „malt“ die Nationalfarben Rot, Weiß und Grün in den Himmel und Politiker*innen legen zu Ehren der unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. 

Das Parlament spielt in Italien eine zentrale Rolle, das Staatsoberhaupt hat vergleichsweise geringen Einfluss. Kennzeichnend für die italienische Politik sind die starken Einflussmöglichkeiten für die Bevölkerung – die Bürger*innen haben das Recht zur Gesetzesinitiative und zur Volksabstimmung. 

Bereits 1990 wurden – als Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – alle Atomkraftwerke Italiens stillgelegt. Eine geplante Reaktivierung unterblieb nach Fukushima. Allerdings importiert Italien Strom unter anderem auch von französischen Atomkraftwerken. Die 1990 gegründete „Federazione dei Verde“, die GRÜNE Partei Italiens, ist seit 2009 nicht mehr im Parlament vertreten. 

Italien ist das Land mit den meisten aktiven Vulkanen auf dem europäischen Kontinent; erst 2018 kam es zum jüngsten Ausbruch des Ätna. Auch hier merkt man den Klimawandel deutlich: die Temperaturen steigen, die Regenmengen nehmen ab und die Extremwetterereignisse häufen sich. In den Alpen schmelzen die Gletscher; in Sizilien werden statt Oliven und Orangen bereits Mangos und Ananas angebaut. 

Wirtschaftlich ist das Land zweigeteilt, dem „reichen“ industriell geprägten Norden mit den Zentren Mailand, Turin und Genua steht der ländliche Süden gegenüber, der zu den strukturschwächsten Gegenden Westeuropas gehört. Hier ist die Arbeitslosigkeit hoch. Gebiete wie Sizilien, Kalabrien und Kampanien werden von der Mafia kontrolliert. 

Italien hat eine der ältesten Gesellschaften der Welt – 19 Prozent der 60 Millionen Einwohner*innen sind älter als 65 Jahre. Seit 2004 haben alle Kinder und Jugendlichen eine 12-jährige Bildungspflicht – nach dem Besuch von Grund- und Mittelschule können sie zwischen der gymnasialen Ausbildung in alt- oder neusprachlicher, naturwissenschaftlicher oder künstlerischer Ausrichtung, der Fachoberschule oder einer Berufsfachschule wählen. An allen Berufsfachschulen kann nach zweijähriger Zusatzausbildung auch die allgemeine Hochschulreife erlangt werden. 

85 % der Italiener*innen bekennen sich zum katholischen Glauben; der Vatikanstaat in Rom ist Zentrum der katholischen Kirche. Nach der orthodoxen Kirche bilden die Zeugen Jehovas die drittgrößte Glaubensgemeinschaft.

Noch vor Frankreich ist Italien der größte Weinproduzent der Welt, beliebt sind unter anderem der Chianti und der Barolo. Auch Käse (Mozzarella und Parmesan) und Olivenöl sind beliebte Exportgüter. Bedeutend ist die Autoindustrie – namhafte Firmen wie Fiat, Ferrari und Pirelli haben ihren Sitz in Italien. Eine große Tradition hat die Mode – wer denkt bei Italien nicht sofort an Armani, Versace, Gucci, Prada, Dolce & Gabbana und ähnliche Luxusmarken? 

Viele der rund 56 Millionen Tourist*innen, die jährlich nach Italien kommen, nutzen dementsprechend ihren Besuch in Rom oder Mailand auch für einen ausgedehnten Shoppingbummel. Aufgrund des ganzjährigen mediterranen Klimas, den Sandstränden an der Adriaküste und den Skigebieten im Norden gehört Italien zu den beliebtesten Urlaubsländern überhaupt. Zu entdecken gibt es jedoch viel mehr als Strand und Ski, denn Italien verfügt mit insgesamt 55 über die meisten Welterbestätten der UNESCO. Die höchste Museumsdichte der Welt ist hier zu finden:  100.000 Denkmäler jeder Art  – von der Statue bis zum Schloss –  und zahlreiche gut erhaltene Stätten aus der Antike (wie zum Beispiel die  vom Vesuv verschüttete römische Stadt Pompej) können besichtigt werden. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch lokale Ereignisse wie der Karneval in Venedig und das Pferderennen Palio di Siena.  Der in Italien populärste Sport ist selbstredend Fußball – viermal konnte die italienische Nationalmannschaft bislang den Weltmeistertitel für sich beanspruchen. Beliebt sind auch Motor- und Radsport. 

Die gemeinsame Mahlzeit ist für Italiener*innen ein wichtiger Aspekt des täglichen Lebens; die italienische Küche gilt als eine der besten Europas. Viele der typisch italienischen Gerichte wie Pasta, Pizza, Risotto, Panettone oder Tiramisu sind auch hierzulande bekannt und beliebt. Allein im Nordend findet ihr ein riesiges Angebot an italienischen Restaurants – die untenstehende Auswahl ist exemplarisch. 15.218 Frankfurter*innen haben einen italienischen Pass; italienische Kultur und Lebensart könnt ihr daher auch abseits der Speisekarte erleben: Die Deutsch-italienische Vereinigung bietet Sprachkurse, Lesungen, Konzerte und Vorträge; in der Westend-Galerie werden die Werke italienischer und deutscher Künstler*innen ausgestellt. Italienische Lebensmittel und Produkte bekommt ihr im italienischen Supermarkt in der Hanauer Landstraße und im Feinkostladen auf der Eschersheimer Landstraße. Die „Speisekammer“ La Vialla verkauft Bio-Spezialitäten vom italienischen Weingut und Bauernhof, die ihr im Internet vorbestellen und abholen könnt.

 

Zum Weiterlesen:

Grazia Deledda, Schilf im Wind, Manesse Verlag Zürich 2021, ISBN 978-3717525240, erzählt vom Schicksal einer Familie auf Sardinien

Leonardo Sciascia, Einmal in Sizilien. Klaus Wagenbach Verlag Berlin 2020, ISBN 978-3803113603

Zum Weiterschauen:

Brot und Tulpen (2000), erzählt vom Roadtrip einer Familienmutter nach Venedig. Entleihbar bei Amazon

Zu Hause ist es am schönsten (2018) – Familiengeschichte. Streambar bei Amazon

In Frankfurt :

Restaurants und Cafés (Auswahl):

Settiemo Cielo, Eckenheimer Landstr. 86

La Dolce Vita, Oeder Weg 94

PAPANOVA, Eckenheimer Landstr. 130

Eis Christina, Eckenheimer Landstr. 78

Fontana di Trevi, Mittelweg 60,

Portofino, Scheffelstr. 28

Napolimaria Da Salvatore (Gaußstr. 41)

L´angolino D´Abbruzzzo (Oeder Weg 66)

Vinesso (Fichardstr. 34)

Einkaufen:

Italienischer Supermarkt, Hanauer Landstr. 208-216, Frankfurt-Ostend

Mediterrane Feinkost, Eschersheimer Landstr. 223

Speisekammer La Vialla, Cassellastr. 30-32, Frankfurt-Ostend 

Kultur:

Deutsch-Italienische Kulturvereinigung

 



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