23.05.2021

Diversity Diary: Für Unabhängigkeit und Freiheit

25. Mai: „Dia de la Patria“ in Argentinien

 

Am 25. Mai.1810 demonstrierten in Buenos Aires Menschen friedlich für eine Unabhängigkeit vom spanischen Kolonialreich. Sechs Jahre später ging der Traum in Erfüllung. Der „Dia de la Patria“ ist heute Nationalfeiertag des südamerikanischen Staates. 

Bis 1950 gehörte Argentinien zu den reichsten Ländern der Erde. Der Name des Landes leitet sich von „argentum“ ab, dem lateinischen Wort für „Silber“. Vor allem Menschen aus Europa wollten sich hier eine neue Existenz aufbauen, mehr als 90% der heutigen 45 Mio. Einwohner*innen des Landes stammt von europäischen Einwander*innen ab.

Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat das Land wechselhafte Zeiten durchlebt – die beiden Amtszeiten des sozialistischen Führers Peron (1946-1955 und 1973-1976), die sich hieran anschließende Militärdiktatur (bis 1983) und die Redemokratisierung seither. 1982 verlor Argentinien den Blitzkrieg um die Falklandinseln, die das Land seit 1833 von Großbritannien beanspruchte. 2001 brach das Wirtschaftssystem infolge einer anhaltenden wirtschaftlichen Krise zusammen, erholte sich aber bis 2012 weitgehend.

Heute ist Argentinien eine parlamentarische Demokratie; die peronistische Partei stellt bis heute die Mehrheit. Alle vier Jahre wird das Parlament gewählt; Präsidentengattin Eva Peron sorgte 1947 persönlich dafür, dass alle Frauen das umfassende Wahlrecht erhielten. 

Die Gesellschaft ist stark von sozialer Ungleichheit geprägt, die im Nord-Süd-Gefälle verläuft: Während die Armutsquote in Buenos Aires nur bei 15 Prozent liegt, beträgt sie im Nordosten bis zu 41 Prozent. 

Über 3694 Kilometer dehnt sich Argentinien von seiner Nordgrenze nach Süden aus. Während sich im Norden die heiße Trockensavanne Gran Chaco erstreckt, herrscht im Süden und in den Anden klirrende Kälte. Fast ein Drittel der Einwohner*innen lebt im Großraum Buenos Aires. Argentinien verfügt über einzigartige Naturräume: Westlich und südlich der Hauptstadt erstrecken sich die Pampas mit weiten Weizenfeldern und Weiden für die Rinder. Über 300.000 Tonnen Rindfleisch exportiert Argentinien pro Jahr in alle Welt. Die Anden bilden die natürliche Grenze im Westen zu Chile; im Nordosten liegen die Iguazo-Wasserfälle, die zu den größten der Erde gehören.

Neben dem Rindfleisch ist der Tango Argentino der größte „Exportschlager“ des Landes. Der Tango ist dabei nicht nur Musik und Tanz, sondern ein gesamtkulturelles Phänomen. Eine weitere Leidenschaft der Argentinier*innen ist der Fußball. Der argentinische Fußballverband gehört zu den ältesten der Welt, zweimal konnte die argentinische Mannschaft bislang den Weltmeistertitel erringen.

Typisch für die Küche Argentiniens ist neben gegrilltem Rindfleisch der Maiseintopf Locro und auch die Empenadas (gefüllte Teigtaschen) sind von argentinischen Speisekarten nicht wegzudenken. Dazu trinken die Argentinier Mate-Tee.

Argentinische Spezialitäten könnt ihr in Frankfurt beispielsweise in der „Cocina Argentina“ im Ostend, im „Ojo de Agua“ in der Innenstadt und im Restaurant „Buenos Aires“ in Sachsenhausen genießen. Nicht nur für die 162 Frankfurter*innen mit argentinischem Pass bietet der Verein „Centro Argentino“ regelmäßig Veranstaltungen.

 

Zum Weiterlesen:

Estanislao del Campo: Fausto. Stockero-Verlag 2004, ISBN 978-9871136247 (englische Übersetzung) Erzählt in Versform die Geschichte eines Gaucho 

José Hernandez, El Gaucho Martin Fierro. Tredtion Classics, 2013. ISBN 978-3849527624 (spanische Originalfassung) – „das“ argentinische Nationalepos

Zum Weiterschauen:

In ihren Augen von Juan José Campanella (2010) gewann 2010 den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film

In Frankfurt:

Cocina Argentina, Sonnemannstr. 5, Frankfurt-Ostend

Ojo de Agua, Hochstr. 27, Frankfurt-Innenstadt

Restaurant Buenos Aires, Dreieichstr. 35, Frankfurt-Sachsenhausen

 

25. Mai: Nationalfeiertag in Jordanien

 

Zwischen Israel, den palästinensischen Siedlungsgebieten, Syrien, Irak und Saudi-Arabien liegt das Haschemitische Königreich Jordanien – so der offizielle Name des Staates. Am 25. Mai 1946 erlangte es mit der Annahme des Königstitels durch Abdullah I. Unabhängigkeit vom britischen Mandat. Zuvor hatte der kleine Wüstenstaat – mit 89.000 Quadratkilometer ist Jordanien nur rund ein Viertel so groß wie Deutschland – erst zum Osmanischen Reich, dann zu Syrien und schließlich zu Palästina gehört. 

Die wechselvolle Geschichte Jordaniens spiegelt sich in der Zusammensetzung der Bevölkerung wieder: Ein Drittel der Bevölkerung ist im Ausland geboren; Jordanien gilt als eines der Haupt-Einwanderungsländer für syrische und palästinensische Geflüchtete. Der Islam ist Staatsreligion in Jordanien; 93 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. 

Wie in vielen anderen Ländern, ist die soziale Ungleichheit auch in Jordanien hoch. 42 Prozent der Jordaninier*innen leben im Großraum der Hauptstadt Amman.  Jordanien ist ein junges Land – 70 Prozent der Jordaninier*innen sind jünger als 30 Jahre. Unter den jungen Leuten ist die Arbeitslosigkeit hoch – jeder vierte junge Mensch hat keine Arbeit, jede*r sechste lebt unterhalb der Armutsgrenze. Dies trotz der vergleichsweise guten Schulbildung: Fast alle Jordanier*innen können lesen und schreiben; Englisch ist ab der 1. Klasse Pflichtfach. 

Als Staatsoberhaupt verfügt der König über weitreichende Befugnisse; er ernennt die Ministerpräsidenten und den Ministerrat und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Das jordanische Parlament wird alle vier Jahre gewählt. Es verfügt über 110 Sitze, von denen 9 für Christen, 3 für Tscherkessen und 6 für Frauen reserviert sind. Letztere haben in Jordanien erst seit 1974 (lokal sogar erst seit 1982) das Wahlrecht. 

80 Prozent des Landes bestehen aus Wüste. Im Jordantal und an der Rotmeerküste herrscht ein subtropisches Klima, im Bergland ist die Witterung mediterran. Im Jordangraben befindet sich der tiefste trockene Punkt der Erdoberfläche (425 unter dem Meeresspiegel). Von Mai bis September fallen üblicherweise keine Niederschläge. Der Klimawandel ist auch hier deutlich zu spüren: Seit den 60er Jahren hat die Wassermenge des Jordan um 90 Prozent abgenommen. Infolgedessen ist Wasserarmut ein großes Problem in Jordanien. Zum Vergleich: Ein Land gilt als wasserarm, wenn jede*r Einwohner*in über weniger als 1000 Kubikmeter Wasser im Jahr verfügt. In Jordanien sind es, Schätzungen von 2014 zufolge, gerade einmal 120 Kubikmeter – Tendenz sinkend. Expert*innen schätzen, dass zum Ende des Jahrhunderts nur noch wenige Menschen Zugang zu Trinkwasser haben werden, wenn keine umfassenden Reformen erfolgen. 

Die zahlreichen antiken Stätten Jordaniens – zum Beispiel die Zitadellenhügel mit römischen und omajadischen Bauten, das römische Theater und das Nymphäum in Amman, die Mosaiken in Madaba, die Felsenstadt Petra – ziehen viele Besucher*innen an. Auch das Wüstental Wadi Rum,  das Tote Meer und nicht zuletzt die Tauchressorts bei Akaba am Roten Meer sind bei Tourist*innen beliebt. Beim jährlichen Musikfestival von Jerash treten Musiker*innen aus vielen arabischen Ländern auf.

Typisch für die jordanische Küche sind Mansaf (Reis, Lamm und eine Joghurthsoße), Schawarma (gegrillter Fleischspieß mit Knoblachsoße und Gemüse in Brot), Labneh (Joghurth als Aufstrich oder Dip), Hummus, und Kanafeh (eine Nachspeise aus überbackenem Käse in Rosenwasser und Zuckersirup).

In Frankfurt leben 260 Menschen mit jordanischem Pass. Einer von ihnen ist Samir, der via „Zoom“ Sprachkurse für jordanisches Arabisch anbietet. Frankfurt ist außerdem Sitz des „Jordanischen Vereins in Deutschland“.

 

Zum Weiterlesen:

Malu Halasa, Mutter aller Schweiner, Elseter & Salis 2020, ISBN 978-3906903149 erzählt von einem ehemaligen Armeeoffizier, der sein Glück als Schweinemetzger in Amman versucht

Zum Weiterschauen:

„Waterproof“ (2019) erzählt von zwei Frauen, die in Jordanien als Klempnerinnen arbeiten und dafür kämpfen müssen. Ausleihbar bei Amazon Prime Video

In Frankfurt:

Jordanisches Arabisch lernen: https://www.superprof.de/jordanien-interkulturell-verstehen-jordanisch-arabisch-lernen-vor-ort-frankfurt-main-und-online-via-zoom-skype-mit-samir.html

 

 

26. Mai: Wesak-Fest der Buddhist*innen

 

Am Vollmondtag des vierten Monats nach dem Mondkalender feiern die Buddhist*innen in aller Welt das Wesak-Fest. In diesem Jahr fällt das Fest auf den 26. Mai. 

Der Überlieferung zufolge ist an diesem Tag Prinz Siddartha zur Welt gekommen, der später als Buddha Erleuchtung erlangen sollte. 

Zu Wesak schmücken die Menschen ihre Häuser; ein Besuch im Tempel ist fester Bestandteil des Feiertages. Um Buddhas Geburt und seiner Erleuchtung zu gedenken, werden kleine Buddhastatuen gebadet, außerdem finden vielerorts Prozessionen statt. Zur Tradition gehört auch, gefangene Tiere freizulassen.

In Frankfurt gab es in den vergangenen Jahren eine Wesak-Feier im Bürgerhaus Bornheim (in diesem Jahr findet aufgrund der Pandemie keine Feier statt).

 

26. Mai: Tag der Unabhängigkeit und Einheit in Georgien

 

Nicht nur das Osmanische Reich zerfiel nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, sondern auch das riesige russische Kaiserreich. Am 26. Mai 1918 erklärte Georgien seine Unabhängigkeit und sich selbst zur demokratischen Republik. Bis heute wird dieser Tag als „Tag der Unabhängigkeit und Einheit“ gefeiert, obwohl die Unabhängigkeit Georgiens seinerzeit nur drei Jahre währen sollte. Bereits im Februar 1921 wurde „Sakartwelo“ – so heißt Georgien in der Landessprache -  Teil der Sowjetrepublik und blieb dies für die nächsten 70 Jahre. Am 09. April 1991 wurde Georgien erneut eigenständig. Die Sezessionsbestrebungen in Abchasien und Südossetien brachten jedoch immer wieder innere Unruhen mit sich. Erst in den 2000er Jahren stabilisierte sich die wirtschaftliche Lage in Georgien, begann man, Kriminalität und Korruption in der Verwaltung rückhaltlos zu bekämpfen. So wurden beispielsweise im April 2004 alle 16.000 Verkehrspolizist*innen des Landes fristlos entlassen. 2008 entflammte ein Bürgerkrieg mit Russland um Südossetien, der mit der russischen Anerkennung der Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien endete. Abchasisch ist seither neben Georgisch als zweite Amtssprache des Landes anerkannt.

Heute ist Georgien eine demokratische Republik, wenngleich das starke Präsidialsystem die Gewaltenteilung einschränkt. 90 der 150 Parlamentssitze hat derzeit der „Georgische Traum“ inne, ein Bündnis aus zehn marktwirtschaftlich und prowestlich liberal bzw. nationalistisch eingestellten Parteien und Bürgerbewegungen. Georgien hat auch eine GRÜNE Partei  - diese hat den „Georgischen Traum“ allerdings 2014 verlassen und gehört damit aktuell nicht in der Regierung vertreten. 

Die georgische Außenpolitik ist stark von der Unabhängigkeit zu Russland geprägt. Seit 1992 ist Georgien Mitglied der UN und plant den Beitritt zur EU. Dass das Recht der freien Meinungsäußerung im Land nach Feststellungen von Amnesty International eingeschränkt ist und Oppositionelle und Journalist*innen mit Schikanen rechnen müssen, ist eines der Hindernisse, die es auf dem Weg dorthin noch zu beseitigen gilt. 

3,7 Millionen Einwohner*innen leben in einem Gebiet, das mit knapp 70.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Bayern ist. Georgien ist ein Vielvölkerstaat – 23 Sprachen werden im Land gesprochen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion verliert das Russische dabei an Bedeutung; staatliche Dokumente werden stattdessen auf Englisch verfasst; auch die georgischen Banknoten werden zusätzlich auf Englisch beschriftet – der internationalen Verständigung zuliebe, denn so geläufig wie beispielweise das kyrillische Alphabet ist das georgische Alphabet nicht. 

Schneearme Winter und sengendheiße Sommer prägen das Land, das zu fast 90 Prozent aus Gebirge besteht. Auch hier macht sich der Klimawandel stark bemerkbar: Gletscherschmelze und zunehmender Starkregen führen vor allem im Kaukasus immer wieder zu Hochwasser und Erdrutsch. Viele Waldgebiete fielen auch Rodungen zum Opfer. 

Ein großes Problem ist  - vor allem in den industriell geprägten Gegenden – die Verschmutzung von Luft und Gewässern und die Kontaminierung der Böden mit Chemikalien. Inzwischen gibt es in Georgien 11 staatliche Naturschutzgebiete; 2001 wurde das größte von ihnen, der Naturpark Bordschomi-Charagauli mit deutscher Unterstützung eröffnet. 

Geselligkeit prägt das georgische Lebensgefühl. Am Wochenende und an Feiertagen treffen Familien und Freunde an großen Tafeln, den sogenannten „Supra“ zusammen. Je wichtiger der Anlass, desto traditioneller die Gerichte, die dabei auf den Tisch kommen und die stets im Überfluss serviert werden, um Großzügigkeit zu demonstrieren: Gefüllte Auberginen mit Walnusspaste (Badridschani) oder luftgetrocknetes Rindfleisch als Vorspeise, gefolgt von Schaschlik, Hähneneintopf mit Tomaten-Zwiebel-Soße oder Hammeleintopf mit Auberginen und zum Dessert süße Würste aus Walnüssen in Traubensaftpüree oder Nüsse mit Joghurt und Honig. Die Festtafel wird von einem Tamada („Tischmeister“) geleitet, der während der Mahlzeit kunstvolle Trinksprüche ausbringt. Nach jedem Spruch wird das Glas vollständig geleert. Musik darf bei solchen Gelegenheiten nicht fehlen: Die traditionelle polyphonische Musik mit den einzigartigen Gesängen wurde in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen – ebenso wie einige Sehenswürdigkeiten Georgiens: die historischen Denkmäler in Mzecheta, die Bgati Kathedrale und das Kloster Gelati in Kutasisi und die Bergdörfer von Oberswanetien. 

428 Georgier*innen sind in Frankfurt zu Hause. 2018 konntet ihr das Land als Gastland der Frankfurter Buchmesse kennenlernen. Aber auch, wenn ihr damals die Buchmesse nicht besucht habt, habt ihr in Frankfurt Gelegenheit, georgische Speisen und Kultur kennen zu lernen. Der Verein „Georgica e.V.“ bietet – außerhalb der Corona-Pandemie – Kurse in Georgisch, Vorträge und Lesungen – zum Beispiel mit einer der bekanntesten georgischen Autorinnen, Nino Haratischwili. Die tradtionelle georgische Musik könnt ihr bei einem Auftritt des Deutsch-Georgischen Musikvereins erleben. Und (nicht nur) die oben erwähnten Speisen könnt ihr euch im Restaurant Pirosmani in der Innenstadt oder im „Old Tiflis“ im Bahnhofsviertel schmecken lassen.

 

Zum Weiterlesen:

Nino Haratischwili, Das achte Leben (Für Brilka), Ullstein Taschenbuch 2017, ISBN 978-3548289274, erzählt von einer Familie vom 01. Weltkrieg bis zur Gegenwart

Zum Weiterschauen:

Salt White (2011), erzählt von der Saisonarbeiterin Nana, die von einem eigenen Café träumt und dem abchasischen Geflüchteten Niko. Dieser und weitere georgische Filme sind im kostenlosen Stream unter www.kulturgeorgien.de abrufbar

In Frankfurt:

Restaurant Pirosmani, Friedberger Anlage 1-3, Frankfurt-Innenstadt

Old Tiflis, Düsseldorfer Str. 15, Frankfurt-Bahnhofsviertel

Georgica e.V. – Verein für Kultur und Bildung: www.georgica.de

 



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