21.03.2021

Diversity Diary: Tag der Befreiung

25. März: Nationalfeiertag in Griechenland

Ebenfalls ein rundes Jubiläum feiert in diesem Jahr Griechenland: Vor 200 Jahren, am 25. März 1821 begann die griechische Revolution, die als erster nationaler Aufstand die Gründung eines neuen, vom Osmanischen Reich unabhängigen, Staates zur Folge hatte. Im Dezember 1974 musste der griechische König abdanken; seither ist Griechenland eine Republik.  Den Ministerpräsidenten stellt mit Kyriakos Mitsotakis seit 2019 die konservative Nea Dimokratia (ND). Das Amt der Staatspräsidentin übt als erste Frau Katerina Sakellaropoulo (parteilos) aus. Eine grüne Partei gibt es in Griechenland ebenfalls, sie ist jedoch nicht im Parlament vertreten.  Griechenland ist bereits seit 1981 Mitglied der Europäischen Gemeinsacht, außerdem gehört es der UN, der OECD, der Nato, dem OSZE und dem Europarat an. 

Noch immer sind in Griechenland die Folgen der globalen Finanzkrise von 2008 zu spüren; erst seit 2017 erholt sich die Wirtschaft von der Rezession. Griechenland hat die höchste Arbeitlosenquote der EU, fast jeder zweite junge Mensch ist ohne Arbeit. Viele junge Menschen wandern aus, die Bevölkerung Griechenlands gilt als eine der ältesten weltweit. Infolgedessen ist das Rentensystem überschuldet. 

Fast 11 Millionen Menschen leben in Griechenland, auch wenn das Land vergleichsweise dünn besiedelt ist: Von den über 3000 griechischen Inseln sind lediglich 87 bewohnt.

Im griechischen Alltag spielt die religiöse Zugehörigkeit eine große Rolle: Staatsreligion ist das orthodoxe Christentum. Auch in Griechenland ist der Namenstag wichtiger als der Geburtstag; zum Namenstag lädt man Freunde und Familie ein und erhält Geschenke. Große Bedeutung kommt der Taufe zu – erst mit dem kirchlichen Ritual erhält das Baby offiziell seinen Namen. Der Karneval wird in Griechenland zwei Wochen lang mit Paraden gefeiert- wie bei uns endet auch er mit dem Beginn der Fastenzeit. Wichtigster Feiertag in Griechenland – noch wichtiger als Weihnachten – ist Ostern, das mit vielen Bräuchen und Ritualen gefeiert wird. 

Der antike Einfluss ist in der griechischen Kultur auch heute noch deutlich spürbar: Bauwerke wie der Partenon in Athen oder das Labyrinth des Minotaurus auf Kreta sind gut erhalten und touristische Anziehungspunkte. Das abendliche Leben spielt sich in den Tavernen ab, hier wird griechischer Bauernsalat mit Feta-Käse und Oliven genossen, dazu gibt es einen Ouzo oder einen Retsina und es wird Sirtaki getanzt. 

Griechische Kultur und griechische Küche könnt ihr auch in Frankfurt genießen – allein im Nordend gibt es einige sehr gute griechische Restaurants und Tavernen. 6431 Frankfurter*innen haben einen griechischen Pass – viele von ihnen gehören der sehr aktiven griechischen Gemeinde oder einem der Kulturvereine an, die (außerhalb der Pandemie) zahlreiche Veranstaltungen organisieren.

 

Zum Weiterlesen: 

Yanis Varoufakis, Die ganze Geschichte. Antje Kunstmann Verlag, München 2017, ISBN: 978-3953956142024, 30,00 EUR

Zum Weiterschauen: 

Alexis Sorbas (1964) – Kultfilm, der in der Rezeption des Landes in den 1960er Jahren eine wichtige Rolle spielte

Zum Erleben und Genießen:

Omonia, Eckenheimer Landstr. 126

Megaron, Spohrstr. 26

Nibelungenschänke, Nibelungenallee 55

Taverna Alpha, Burgstr. 82

Deutsch-Griechisches Kulturforum Kinisis e.V. (Adalbertstr. 23, Frankfurt-Bockenheim)

Verein griechischer Akademiker Frankfurt am Main e.V.

Deutsch-Griechischer Bildungs- und Kulturverein (Ulmenstr. 45)

Griechische Gemeinde Frankfurt (Adalbertstr. 23)

 

26. März: Nationalfeiertag in Bangladesh 

Den Staat Bangladesch gibt es erst seit 50 Jahren. Nach der Teilung Britisch-Indiens 1947 wurde das heutige Bangladesch zu einer pakistanischen Provinz. Am 26. März 1971 erlangte es die Unabhängigkeit. 

Heute ist Bangladesch eine Republik mit einem direkt gewählten Parlament, das im wesentlichen durch zwei Parteien, die konservative Bangladesh National Party und die sozialistische Awami bestimmt wird. Die Folgen der bis 1990 bestehenden Militärregierung sind aber noch spürbar. Noch heute müssen politisch missliebige Personen mit Verfolgung rechnen; 2015 wurden mehrere Bloger*innen ermordet.

Frauen und Mädchen werden in Bangladesch besonders gefördert: So übernimmt der Staat einen Teil der Ausbildungskosten für Mädchen, 50 der 350 Parlamentssitze sind für Frauen reserviert. Dennoch verzeichnet Bangladesch weltweit die höchste Heiratsquote von Mädchen unter 15 Jahren.

90% der Bangladescher*innen bekennen sich zum Islam, seit 1988 ist dieser Staatsreligion. In der Kultur, vor allem in der landestypischen Musik, drückt sich aber auch eine starke Verbindung zur Natur aus: Für jede Stimmung und Jahreszeit gibt es ein eigenes Lied. Musik spielt im alltäglichen Leben eine große Rolle. Großer Beliebtheit erfreut sich auch der Nationalsport Kabaddi, das ist ein Mannschaftsspiel mit Abschlagen. 

Mit knapp 165 Millionen Einwohner*innen ist der zwischen Myanmar und Indien gelegene Stat der am dichtest besiedelte Flächenstaat der Welt. Vor allem die Hauptstadt Dhaka und die anderen großen Städte sind im vergangenen Jahrzehnt enorm gewachsen. Fast die Hälfte der mittlerweile 8,9 Millionen Einwohner*innen von Dhaka lebt in Elendsvierteln, 80 Prozent der Menschen insgesamt unterhalb der Armutsgrenze. Das rasante Bevölkerungswachstum ist eines der großen Probleme des Landes.

Ein weiteres ist der Klimawandel. Die Folgen der globalen Erderwärmung zeigen sich in Bangladesch in besonderem Maße, da das Land sehr flach ist und selbst in der „kühlen“ Jahreszeit von Oktober bis Februar die Temperatur selten unter 25 Grad fällt.  Steigt der Meeresspiegel nur um einen Meter an, würden bereits 18 Prozent der Landesfläche überschwemmt werden. Expert*innen gehen allerdings davon aus, dass der Meeresspiegel pro zusätzlichem Grad Erwärmung um 2,3 Meter steigt. 42 Prozent der Menschen in Bangladesch leben von der Landwirtschaft; Bangladesch ist der viertgrößte Reisproduzent der Welt. Die zunehmende Versalzung der Ackerböden führt jedoch zu Ernterückgängen: Bis zum Jahr 2050 wird der Ertrag voraussichtlich um bis zu 30 Prozent sinken. Die Folge: Noch mehr Menschen werden in die bereits überfüllten Städte abwandern, noch mehr Armut und daraus folgend soziale Unruhen drohen. 

Viele – vor allem junge Menschen – wandern daher ins Ausland aus. In Frankfurt sind 922 Bangladescher*innen zu Hause. Bengalische Kultur und die Landesküche, die vor allem aus Reisgerichten mit Fleisch und Gemüse besteht, könnt ihr beispielsweise bei Veranstaltungen der Deutsch-Bengalischen Gesellschaft (ihr Vorsitzender Hamidul Khan richtet auch jährlich die Immigrationsbuchmesse aus!) oder des Bengalisch-Deutschen Kulturvereins genießen. Bengalisches Streetfood bietet das „Durlove“ in der Eschersheimer Landstraße an.

Zum Weiterlesen: 

Kathrin Hartmann, Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren. Karl Blessing Verlag München 2015, ISBN 978-3896675323. Das Buch schildert die Folgen von Klimawandel und Raubbau auch in Bangladesch. 

Tahmima Anam, Zeit der Verheißungen, Insel Verlag Frankfurt a.M. 2010, ISBN 978-3458174646 – schildert die Zeit am Vorabend des Unabhängigkeitskrieges

Zum Weiterschauen: 

Made in Bangladesh (2019) – erzählt von Frauen, die in einer Kleiderfabrik in Dhaka arbeiten (abrufbar bei Amazon Prime)

Zum Genießen und Erleben:

Durlove – Bangla Street Food , Eschersheimer Landstr. 264

Deutsch-Bengalische Gesellschaft: www.dbg-ffm.de

 

27. März: Beginn des Pessach-Festes

Mit dem  siebentägigen Pessach-Fest, das in diesem Jahr am 27. März beginnt, erinnern Jüdinnen und Juden weltweit an die Befreiung des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Sklaverei. Der Name „Pessach“ leitet sich von dem hebräischen Wort für „abprallen“, „überspringen“ her und spielt darauf an, dass Gott den Ägyptern als Strafe für die Versklavung des jüdischen Volkes zehn Plagen schickte, darunter der Mord an allen männlichen Erstgeborenen. Verschont wurden nur die Söhne der Jüd*innen; diese hatten mit dem Blut eines geschlachteten Opferlammes ein Schutzzeichen auf ihre Türen gemalt. 

Die Geschichte des Auszugs aus Ägypten wird traditionell am Seder-Abend, dem Beginn des Pessach-Festes vorgetragen und so von Generation zu Generation weitergegeben. „Seder“ bedeutet Ordnung und tatsächlich läuft der Abend nach festen Regeln ab. Das jüngste Familienmitglied stellt vier traditionelle Fragen, beginnend mit der Frage, warum dieser Abend sich von allen anderen unterscheidet. Daraufhin wird die Exodus-Geschichte gemeinsam aus der Haggada gelesen. Dazu werden vom „Seder-Teller“ ganz bestimmte Speisen verzehrt: drei Stück Mazze (ungesäuertes Brot), die für die Urväter Abraham, Isaak und Jakob stehen, „Erdfrüchte“ wie Radieschen, Sellerie und Petersilie, Salzwasser (das die in der Knechtschaft geweinten Tränen repräsentiert), Bitterkraut wie Meerrettich oder Kopfsalat für die Bitternis der Sklaverei, ein Mus aus Äpfeln, Mandeln, Zimt und Wein, das für den Lehm steht, aus dem die Juden Ziegel für die ägyptischen Bauwerke brennen mussten, ein Knochen mit gebratenem Fleisch für das geopferte Lamm und ein gekochtes Ei. Vier Becher Wein stehen für die göttlichen Verheißungen.

Während der folgenden sieben Tage darf keine gesäuerte Speise verzehrt werden. Als „gesäuert“ gelten alle Getreide, die länger als 18 Minuten mit Wasser in Berührung gekommen sind (und auch Bier! Die traditionellen Mazzen, die ungesäuerten Brote, die aus Mehl und Wasser bestehen müssen daher unbedingt innerhalb von 18 Minuten zubereitet werden.

Nicht einmal im Haus befinden dürfen sich gesäuerte Lebensmittel zu Pessach, weshalb sie zuvor verschenkt, verzehrt oder verkauft werden und das Haus, vor allem aber auch das Geschirr und Besteck, gründlich gesäubert wird. 

Am letzten Festtag, der in diesem Jahr auf den 04. April fällt, wird der verstorbenen Familienmitglieder mit dem Jiskor-Gebet gedacht. 

Auch das Pessach-Fest verschiebt sich von Jahr zu Jahr – es ist also Zufall, dass der letzte Tag des Pessach-Festes mit dem christlichen Ostersonntag zusammenfällt. Kein Zufall ist jedoch die generelle zeitliche Nähe, denn es war das Pessach-Fest, weshalb Jesus nach Jerusalem gekommen war, wo er verhaftet und gekreuzigt wurde. Das christliche Abendmahl leitet sich aus dem Seder-Mahl ab. In vielen Sprachen leitet sich der Name des Osterfestes aus dem Wort „Pessach“ ab, so zum Beispiel im Spanischen, Italienischen und Französischen, aber auch im Russischen und im Persischen. 



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