14.02.2021

Diversity Diary: Eine kurze Geschichte der Eigenständigkeit

15. Februar: Nationalfeiertag in Serbien

 

9534 Frankfurter*innen besitzen einen serbischen Pass. Lange hatten die Serb*innen auf diesen warten müssen – erst seit 2006 ist Serbien wieder ein unabhängiger Staat. Davor hatte es erst zum osmanischen Reicht gehört, nach dem Ersten Weltkrieg dann wurde es Teil der neugegründeten jugoslawischen Republik. Lediglich zwischen 1835 und 1914 gab es schon einmal einen serbischen Staat. Bis heute ist der Tag, an dem die erste serbische Verfassung in Kraft trat - der 15. Februar 1835 – nationaler Feiertag.  

Seit Juni 2006 ist Serbien eine parlamentarische Republik. Alle fünf Jahre wählt das Volk nicht nur das Parlament, sondern auch das Staatsoberhaupt, den Präsidenten, direkt. Leider hat sich in den letzten Jahren hier ein Rechtsruck vollzogen: Führend ist derzeit die rechtskonservative Serbische Fortschrittspartei, die mit  Alexander Vučuć den Präsidenten stellt. Auch die ultranationalistische Serbische Radikale Partei ist wieder im Parlament vertreten. Eine GRÜNE Partei gibt es im serbischen Parlament nicht. Das Amt der Ministerpräsidentin nimmt – als erste Frau überhaupt - Ana Brnabić wahr.

83 Prozent der rund 7,1 Millionen Einwohner*innen sind Serb*innen, daneben leben Ungar*innen, Romanes und Bosniak*innen in Serbien. Als Minderheiten sind sie -  ähnlich wie Homosexuelle – im Alltag starker Diskriminierung ausgesetzt. 

Die aktuelle Verfassung sieht vor, dass die serbische Sprache in kyrillischer Schrift geschrieben wird. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum orthodoxen Christentum. Das serbisch-orthodoxe Familienfest „Slava“ zu Ehren des Familienschutzheiligen ist  - wie der Nationaltanz „Kolo“, ein Reigentanz im ¾-Takt, Teil des immateriellen Weltkulturerbes. Tourist*innen können in Serbien nicht nur die längste Schlucht Europas, das „Eiserne Tor“ bestaunen, sondern auch traditionelles Handwerk erleben: Töpfern, Leder – und Metallfertigung, Kelim- und Ziegenwollweberei sind in Serbien weit verbreitet. 

Seit dem vergangenen Jahr ist die serbische Provinz Vojvodina Partnerregion von Hessen. 

Die typisch serbische Küche, zu der beispielsweise Karadordeva šnicla, ein gefülltes paniertes Schnitzel, und Muckalica, ein Eintopf mit gegrilltem Fleisch und Gemüse, gehören, könnt ihr auch in Frankfurt probieren, beispielsweise im Restaurant Guca im Gallus, das seinen Namen von der Stadt Guca hat, der „Welthauptstadt der Trompete“. Jährlich findet dort ein Trompetenfestival statt. 

Vor zwei Jahren fanden auf dem Frankfurter Roßmarkt erstmals die „Kulturtage Serbien-Frankfurt“ statt mit Sportwettbewerben und Musikprogramm. Hoffentlich gibt es nach Corona eine Fortsetzung. 

 

Zum Weiterschauen: 

Der serbische Anwalt – Verteidige das Unfassbare. Dokumentation von Alexander Nicolic, 2015. (auf DVD erhältlich)

Zum Weiterlesen:

Peter Handke: Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien, Suhrkamp Verlag 1996, ISBN: 978-3518407905

Zum Genießen:

 Restaurant Guca, Sonderhausenstr. 7-9, Frankfurt-Gallus, www.guca-frankfurt.de

 

 

16. Februar: Nationalfeiertag in Litauen

 

„Lietuva“ heißt der baltische Staat in der Landessprache. Auch Litauens Geschichte als eigenständiger Staat währt vergleichsweise kurz: Am 16. Februar 1918 erlangte das Land nach über 120 Jahren die Unabhängigkeit von Russland und verlor diese 1940 wieder bis zum Zerfall der Sowjetunion 1990.  

Seit 1990 ist Litauen eine parlamentarische Demokratie – mit einem Parlament, das alle vier Jahre gewählt wird und einem Präsidenten, der nicht nur repräsentative Funktion hat, sondern die Außenpolitik des Landes verantwortet und Gesetze auch blockieren kann. Der Bund der Bauern und GRÜNEN Litauens stellt derzeit die zweitstärkste Partei im Parlament. 

Auch wenn  - dementsprechend - 14 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz stehen, spielt sich das litauische Leben größtenteils in der Hauptstadt Vilnius und den anderen Städten ab. Zwei Drittel der rund 2,8 Millionen Einwohner*innen bevorzugen das städtische Leben. Dennoch wird ihre Zahl immer geringer: Viele junge Erwachsene verlassen Litauen, weil sie sich im Ausland bessere Chanchen versprechen. 1296 Litauer*innen sind in Frankfurt zu Hause.

Wer nach Litauen reist, kann eine Anzahl ungewöhnlicher Museen besuchen, etwa das Bernsteinmuseum in Palanga, das KGB-Museum in Vilnius oder das Teufelsmuseum in Kaunas. In der litauischen Mythologie spielt der Teufel eine wichtige Rolle; anders als bei uns verkörpert er dabei nicht das Böse, sondern steht den Menschen als eine Art „schlauer Trickser“ zur Seite. 

Das Nationalgericht „Zeppelinas“, Kartoffelklöße, die in vielen Varianten gefüllt werden, könnt ihr in Frankfurt zum Bespiel im Restaurant „12 Apostel“ probieren. Wer lieber selbst kocht, findet litauische Lebensmittel beim „Main Kiosk“ im Europaviertel. 

 

Zum Weiterlesen:

            Eugeniujus Alisanka, Risse. Klak verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3973767766

Zum Genießen:

            12 Apostel, Rosenberger Str. 1, Frankfurt-Innenstadt, www.12aposteln-frankfurt.de

Zum Einkaufen:

            Main Kiosk, Europaallee 103, Frankfurt-Europaviertel

 

 

17. Februar: Nationalfeiertag im Kosovo

 

Nur rund 2/3 so groß wie Thüringen ist Kosovo, das eigentlich aus zwei Regionen besteht, dem „Amselfeld“, der Region rund um die Hauptstadt Pristina („Kos“ ist das kosovarische Wort für „Amsel“) und Metochien im Westen. Es ist ein grünes Land mit viel Wald- und Ackerflächen – nur fünf Prozent der Landesfläche ist urbanisiert. 

Am 17. Februar 2008 erklärte das Land seine Unabhängigkeit von Serbien. Lediglich 115 der 193 UN-Mitgliedsstaaten erkennen die Unabhängigkeit Kosovos an. Viele Menschen flohen während des Krieges von 1999 ins Ausland. 1662 Frankfurter*innen besitzen einen kosovarischen Pass. 

Bis heute sind die Folgen des Krieges spürbar: Nie wurden die Kriegsverbrechen aufgearbeitet, bis heute wird die serbische Minderheit im Land diskriminiert. 34 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Viele  - vor allem ältere Frauen – sind Analphabet*innen. Obligatorisch ist im Kosovo lediglich die fünfjährige Grundschule – diese ist allerdings multilingual – je nach Region findet der Unterricht in albanischer, serbischer, bosnischer, türkischer oder kroatischer Sprache statt. Ähnlich vielfältig sind die Feiertage: Auch wenn sich die Mehrheit der 1,9 Millionen Einwohner*innen zum Islam bekennt, sind nicht nur das islamische Opferfest und der Tag des Fastenbrechens, sondern auch Ostern und Karfreitag gesetzliche Feiertage. Noch etwas haben die Kosovar*innen uns voraus: Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, ist der darauffolgende Montag arbeitsfrei! 

Ein großes Problem ist die organisierte Kriminalität – bedingt durch seine geographische Lage ist Kosovo ein Umschlagplatz für den organisierten Drogenhandel zwischen Europa und Vorderasien. Die erfolgreiche Eindämmung der Kriminalität muss Staatspräsidentin Derzeit Atifete Jahjaga in den Griff bekommen, damit Kosovo vom Beitrittskandidaten zum vollwertigen EU-Mitglied aufrücken kann. Auch wenn Kosovo noch kein Mitglied der EU ist,  mit Euro zahlen kann man im Kosovo bereits seit 2002, denn damals löste er die 1999 eingeführte D-Mark als Zahlungsmittel ab. 

 

Zum Weiterschauen:

            Enklave von Goran Radovanvovic, 2017, verfügbar auf Amazon Prime

Zum Weiterlesen:

Ralph Hammerthaler, Kosovos Töchter, Quintus Verlag Berlin 2020, ISBN 978-3947215867

 

 

18. Februar: Nationalfeiertag in  Gambia

 

Mit 11.000 Quadratkilometern der kleinste Staat Afrikas und fast vollständig vom Senegal umschlossen ist Gambia. Am 18. Februar 1965 wurde der westafrikanische Staat von Großbritannien unabhängig. Neben Englisch als weiterhin offizieller Amtssprache werden über 20 veschiedene Sprachen gesprochen! Der größte Teil der rund 2 Millionen Einwohner*innen gehört der Bevölkerungsgruppe der Madinka an. Zu 90% bekennen sie sich zum muslimischen Glauben. Im Dezember 2015 erklärte der damalige Staatspräsident Yahya Jammeh Gambia zur „islamischen Republik“ – eine verfassungsrechtliche Grundlage hierfür fehlt allerdings. Anders als beispielsweise im Iran gibt es keine strengen Kleidungsvorschriften – auch die Frauen bevorzugen bunte Kleidung im Batik-Look, die nicht selten auch die Schultern freilässt. Ein „positiver Nebeneffekt“ ist, dass die weibliche Genitalverstümmelung, die zuvor bis zu 76 Prozent der Mädchen und Frauen erleiden mussten, als „unislamisch“ verboten wurde. 

Neben dem Islam ist auch die Voodoo-Religion verbreitet – hier allerdings als gute und heilende Magie. Das Krokodil gilt in Gambia als heiliges Tier und Fruchtbarkeitssymbol. Zur gambischen Alltagskultur gehört das Spielen der Djeme, einer Trommel.Mythische Stätten wie die megalithische Steinkreise in Wassu existieren neben modernen Wahrzeichen wie der 1996 eingeweihte Trimphbogen Arch 22. 

Gambia lebt überwiegend vom Erdnussanbau. Das macht sich auch in der Landesküche bemerkbar: Egal, ob zum Fisch oder Hühnchen – Erdnusssoße wird immer gereicht. Beliebt ist auch Domada, ein Eintopf mit Erdnusssoße. 

Seit 1998 gibt es in Gambia eine Universität – bis dahin mussten junge Menschen zum Studium ins Ausland gehen. Über die Hälfte der Bevölkerung Gabmias kann allerdings  nicht einmal  lesen und schreiben  - eine Schulpflicht gilt nur im Einzugsgebiet der Hauptstadt. 

Gambia ist eine  präsidentielle Republik, alle fünf Jahre werden das Staatsoberhaupt und das Parlament demokratisch gewählt. Nach den letzten Wahlen 2017 musste der bisherige Präsident Jammeh seinen Amtssitz räumen. Dabei kam es zu Unruhen, da Jammeh sich weigerte, die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Adama Barrow zu übergeben – Trump lässt grüßen!

Massive Menschenrechtsverletzungen sind in Gambia an der Tagesordnung. Vor allem Homosexuelle werden verfolgt und derart drangsaliert, dass mehrere Staaten in der Vergangenheit sogar eine Reisewarnung für homosexuelle Paare ausgesprochen hatten! 

Ein weiteres großes Problem in Gambia ist das Klima. Die Folgen des Klimawandels sind hier bereits deutlich zu spüren und machen dem westafrikanischen Land, das überwiegend vom Erdnussanbau lebt, schwer zu schaffen. In den letzten Jahrzehnten häufen sich Naturkatastrophen und Wetterphänomene wie schwere Sandstürme, Sturmfluten und Überschwemmungen. 2004 litt das Land unter einer massiven Heuschreckenplage. Dazu kommt, dass der Waldanteil durch Buschbrände und Abholzungen immer weiter zurückgeht. Waren in den 60er Jahren noch 70 Prozent Gambias bewaldet, sind es heute nicht einmal mehr 9 Prozent! 

In Frankfurt leben 126 Menschen mit gambischer Staatsangehörigkeit. Die Vielfältigkeit der gambischen Kultur könnt ihr beispielsweise auf dem jährlichen Afrikanisch-Karibischen Kulturfestival erleben. 

 

Zum Weiterlesen:

Sabine Läufer, Gambia – Ein Blick auf Afrika: Meine Erfahrungen als NGO-Entwicklungshelferin. Reisebuch Verlag 2020, ISBN 978-3947334407 

 

 



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