31.01.2021

Diversity Diary: Zwischen Traumstrand und Naturkatastrophe

04. Februar: Nationalfeiertag in Sri Lanka

 

„Ayubowan, Wanakkam“ – so begrüßen die Einwohner*innen von Sri Lanka Besucher*innen der „Ehrenwerten Insel“, wie Sri Lanka im Sanskrit heißt. Seit dem 17. Jahrhundert war Sri Lanka erst in niederländischer, dann in britischer Kolonialherrschaft gewesen. Am 04. Februar 1948 wurde der Inselstaat schließlich von Großbritannien unabhängig, der europäische Name „Ceylon“ blieb jedoch bis 1972 erhalten.  

Heute ist Sri Lanka eine demokratisch-sozialistische Republik mit direkt gewähltem Parlament. Hier hat sich in den letzten fünf Jahren ein abrupter Wechsel vollzogen: Bislang dominierten die konservativ liberale United National Party (UNP) und die sozialistische Sri Lanka Freedom Party (SLFP) das Parlament. Aus beiden Parteien traten führende Mitglieder aus und gründeten jeweils eigene Parteien. Bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr lösten diese erst 2018 und 2020 gegründeten Abspaltungen die „traditionellen“ Parteien vollständig ab.  Die Sri Lanka Podujana Peramuna (SLPP) stellt seit November 2019  das Staatsoberhaupt Präsident Gotabaya Rajapanska. 

Kritiker*innen befürchten, dass die neue Regierung zu einer Schwächung der Verwaltungen in den neun Provinzen und 25 Distrikten führen könnte. Am stärksten betroffen davon wäre die tamilische Minderheit, der 15,4 Prozent der Einwohner*innen angehören. Konflikte zwischen Tamilen und der singhalesischen Mehrheit lösten 1983 einen Bürgerkrieg aus, der zweieinhalb Jahrzehnte andauerte und dessen Menschenrechtsverletzungen noch immer nicht aufgearbeitet sind. Nicht nur der Krieg, sondern auch der Tsunami, der im Dezember 2004 auch große Teile der Küsten Sri Lankas zerstörte und über 45.000 Todesopfer forderte, belastete den Inselstaat schwer. Am Ostersonntag 2019 verübten islamistische Terroristen einen Terroranschlag auf christliche Kirchen, bei dem 253 Menschen ums Leben kamen.

Trotz allem ist Sri Lanka ein beliebtes Reiseziel, bekannt für die einzigartige Vegetation und kulturhistorische Sehenswürdigkeiten, wie der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Felsentempel. Dominierende Religion auf Sri Lanka ist der Buddhismus. Bekanntestes Exportprodukt ist der schwarze Tee, der in den Hochebenen der Insel angebaut wird. 

Fast jede*r fünfte Einwohner*in ist in den Städten Sri Lankas zu Hause. 35 gibt es insgesamt, die größten liegen an der Westküste, allen voran die Hauptstadt Colombo mit über einer halben Million Einwohner*innen und der Regierungssitz Sri Jayawardenepura. Hier tobt das moderne urbane Leben mit glitzernden Fassaden, breiten Straßen und kulturellen Angeboten. Neben dem Nationalsport Volleyball ist Cricket die beliebteste Sportart auf der Insel. Kulinarisch hat Sri Lanka einiges zu bieten – traditionelle Gerichte sind Rice and Curry und „Lamprai“ (Reis mit Sambol und Gemüse, Fisch oder Fleisch in einem Bananenblatt). 

Auch in Frankfurt und Umgebung könnt ihr die Küche Sri Lankas erleben oder die nötigen Zutaten selbst erwerben. 

 

Zum Weiterlesen: Bernd Schiller, Zum Tee am Teich der roten Lotusblüten, Picus Verlag Wien 2005, ISBN 9783854529002

Zum Essen:

-       Ganesha, Niddastr. 104, Frankfurt

-       Restaurant Ceylon, Darmstädter Str. 30, Groß-Gerau

Zum Einkaufen:

-       Gewürze und Lebensmittel: Spicelands, Kaiserstraße 60, Frankfurt www.spicelands.de

-       Tee: Gewürz- und Teehaus Schnorr, Neue Kräme 28, Frankfurt, www.teeshop.de

 

 

06. Februar – Waitangi Day in Neuseeland

 

Mit dem Vertrag von Waitangi besiegelte Neuseeland am 06. Februar 1840 die Gründung des Staates als Teil des britischen Reiches. Rund 1530 Kilometer von der australischen Küste entfernt erstreckt sich „Maori Aotearoa“, wie das Land in der Sprache der Ureinwohner*innen, der Maori, genannt wird, über eine Nord- und eine Südinsel sowie über 700 kleinere Inseln. Von allen Staaten der Erde ist Neuseeland am weitesten von Mitteleuropa entfernt – anders gesagt: Würde man in Spanien ein Loch quer durch den Erdball graben, käme man in Christchurch wieder ans Tageslicht. 

Knapp 4,8 Millionen Einwohner*innen verteilen sich auf das rund 270.000 qkm große Staatsgebiet, wobei der größere Teil der Bevölkerung (knapp drei Millionen) auf der Nordinsel zu Hause ist. Hier befinden sich auch  die Hauptstadt Wellington und die Großstand Auckland, in der fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung zu Hause ist.

Neuseeland ist bis heute eine konstitutionelle Monarchie mit der englischen Queen als formalem Staatsoberhaupt. Große Parteien sind – wie in Großbritannien – die Labour und die National Party; es gibt auf Neuseeland aber auch eine GRÜNE Partei, die Green Party of Aotearoa New Zealand, die seit 1996 im Parlament vertreten ist und aktuell 10 Sitze im Repräsentantenhaus innehat. 

Ihr vordringliches Anliegen ist die Bekämpfung der Umweltprobleme: Neuseeland verfügt über spektakuläre Naturlandschaften mit einzigartiger Tier- und Pflanzenwelt (hier wurde die Trilogie „Herr der Ringe“ gedreht) Land- und Forstwirtschaft sowie der Tourismus beuten die Vegetation aber immer mehr aus: Zahlreiche Arten sind vom Aussterben bedroht, auch die Wasserknappheit ist auf der „Grünen Insel“ ein großes Problem. 2011 verwüstete ein Erdbeben die Stadt Christchurch auf der Südinsel Neuseelands. 

Der Bestandteil „Aotearoa“ im Parteinamen der Grünen verweist auf die Maori – auch die Gleichberechtigung der Ureinwohner*innen, die knapp 15 Prozent der Bevölkerung Neuseelands ausmachen, ist GRÜNES Kernanliegen. Das Wort „maori“, das übrigens nicht wie hierzuland oft praktiziert auf dem „o“, sondern auf dem „a“ betont wird, bedeutet so viel wie „normal“. Bis in die 70er Jahre hinein galten die Maori allerdings keineswegs als „normal“, sondern wurden stark marginalisiert. Seither werden sie mit Quotenregelungen besonders gefördert, so steht ihnen beispielsweise die Hälfte der Parlamentssitze zu. Maori und die Gebärdensprache der Maori sind offizielle Amtssprachen; die Strophen von „God Save the Queen“, neben „God defend New Zealand“ zweite Nationalhyme, werden üblicherweise abwechselnd auf Englisch und Maori angestimmt. 

Im Jahr 2008 sprach die Regierung den Ureinwohner*innen eine Entschädigung von 500 Millionen Neuseeland-Dollar (etwa 243 Mio Euro) zu. Tourist*innen Viele Maori gehören heute der unteren Einkommensschicht an, fast 40 Prozent haben keinen Schulabschluss. Immer mehr entdecken den Tourismus als Einnahmequelle; beliebt sind beispielsweise Vorführungen des traditionellen Kriegstanzes Haka. 

Typische kulinarische Genüsse sind Lammbraten, Austern, Fish und Chips und Pasteten. Berühmt ist die „Pavlova“, eine nach der Ballerina benannte Baisertorte, die mit Sahne und Früchten gefüllt ist.

In Frankfurt könnt ihr neuseeländische Gerichte im Kiwis (Schillerstraße 10) probieren.

 

Zum Weiterlesen: Michael King, The Penguin History of New Zealand, Penguin UK, ISBN 978-0-14-356757-8

Zum Weiterschauen: Once Were Warriors (Die letzte Kriegerin)

In Frankfurt: Restaurant Kiwis: www.kiwis-frankfurt.de



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