14.09.2020

Visionen für den Sport

GRÜNE Stadtverordnete für den Sport: Natascha Kauder

Wir Frankfurter GRÜNEN haben in den letzten Jahren - auch außerhalb von Sportvereinen - viel dafür getan, alle in unserer Gesellschaft für Sport zu begeistern. Hierzu zählen unter anderem der freie Eintritt in Frankfurts Schwimmbäder für die unter 15-jährigen, zusätzliche Sportangebote in Schulen aber auch Sportprojekte mit Geflüchteten oder jungen Migrant*innen. Sport fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden, baut Vorurteile ab und trägt zu Fairness, Toleranz und Respekt bei.Gemeinsamer Sport hat dabei immer auch eine integrative Wirkung. Er fördert das soziale Miteinander und bildet die Vielfalt unserer Stadt ab. Sport spricht somit alle an.

 

Das "Box- und Tischtenniscamp Gallus" der Sportjugend ist ein sehr gutes Beispiel für ein Projekt, das Integration und Bildung durch Sport umsetzt. Hier werden neben dem Sport unterschiedlichste Alltagsprobleme besprochen und bewältigt. Zur bemerkenswerten Arbeit gehören Hausaufgabenbetreuung, Ratschläge und Motivation für Schule, Ausbildung oder Beruf. Damit die Betreuerinnen und Betreuer den Kindern und Jugendlichen zur Seite stehen können, war es nötig ihre Zahl aufzustocken und damit die Förderung zu erhöhen. Um insgesamt 80.000 Euro stieg der Etat für das Camp für 2018 und 2019. Eine gute Investition für die mehr als 100 Jugendlichen, die teilnehmen. Auch für 2020 sind die Gelder gesichert. 

 

Derartige Angebote, die mit Sport-, Bewegungs- und Bildungsangeboten Kinder und Jugendliche inklusiv und integrativ in ihren Sozialräumen unterstützen und fördern, wünschen wir uns aber auch für viele weitere Stadtteile.

 

Schuleingangstests stellen bundesweit motorische und sprachliche Schwächen bei Kindern fest. Das Frankfurter Projekt „Schulkids in Bewegung“ gibt eine Antwort darauf. Wenn wir Kindern schon vor dem Eintritt in die Grundschule Bewegungs- und Sportangebote anbieten, kann dies viele positive Auswirkungen auf deren Gesundheit und die gesamte Persönlichkeitsentwicklung haben. Hier wollen wir neue und weitreichendere Konzepte entwickeln und die Vereine in den jeweiligen Stadtteilen noch stärker einbeziehen, um so viele Kinder wie möglich zu erreichen.

 

In Frankfurt gibt es mehr als 400 Vereine, für die die Stadt einen umfangreichen Sportentwicklungsplan sowie Sportförderung bereithält. Es finden zahlreiche Sportveranstaltungen statt und in der Regel herrschen gute Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten für alle Bereiche des Sports. Und doch ist Bewegung und Sport abgesehen von einigen wenigen Sportarten und Großveranstaltungen für uns noch immer zu wenig sichtbar. Es findet sich auch immer noch zu wenig „grüner Sport“ in der Kommunalpolitik. Gerade Großveranstaltungen müssen ökologisch, sozial und ökonomisch möglichst nachhaltig sein. Sport ist auch politisch, und muss daher auch in der kommunalpolitischen Planung einen noch höheren Stellenwert einnehmen. 

 

Beim Ausbau der „Hardware“ der Sportinfrastruktur steht der Klimaschutzaspekt bei uns an vorderster Stelle. Für neue oder sanierungsbedürftige Hallen, Umkleidegebäude oder Bäder wünschen wir uns den höchstmöglichen energetischen Standard, attraktive Begrünungsmaßnahmen sowie die vermehrte Installation von Photovoltaikanlagen, wo dies möglich ist. Als äußerst reizvoll und zugleich ökologisch sinnvoll, sehen wir vor unserem visionären Auge beispielsweise auch grüne Hängegärten in den Innen– und Außenbereichen der Bäder. Ein intelligentes Wasserwirtschaftskonzept, das Regen- und Brauchwassernutzung berücksichtigt, darf ebenfalls keine Zukunftsmusik bleiben. 

 

Wir werden daher im Hinblick auf einen klimafreundlichen Ausbau von Sportstätten und Bewegungsräumen noch viel lauter werden. Denn auch Sport ist klimarelevant! Wir wollen einen inklusiven Sport, der Klimaschutz als eine seiner Maximen hat und ökologisch und sozial nachhaltig ausgerichtet ist. Die lokalen Bedingungen wie Einwohnerzahl, Freiflächen, Sozialräume, Vereinsbindung und Sportstruktur sind je nach Stadtteil sehr unterschiedlicher Art. Je stärker die Beteiligung grüner Akteur*innen vor Ort, desto größer auch hier der Gewinn für die klimarelevanten Belange des Sports. Das Integrierte Stadtenwicklungsprogramm (ISTEK) berücksichtigt für alle Stadtteile und deren Neubaugebiete Grünflächen, Bewegungsräume und Sportanlagen – wir müssen sie aber auch dezernatsübergreifend und nachhaltig einfordern.

 

Es gibt viele Ideen, wie sich „grüner Sport“ und Bewegung konkret besser abbilden lässt. Diverse Anträge und Anfragen in den vergangenen Monaten machen das deutlich. Einige neue Konzepte für einen „grüneren Sport“ und die entsprechende Sportentwicklung liegen bereits vor: So zum Beispiel Radschnellwege zum Stadion, Plastikfrei-Kampagnen bei Sportveranstaltungen, die nachhaltige Planung von Großveranstaltungen oder eine klimaschonende Bauweise bei neuen Bädern. Gerne hätten wir beispielsweise aber auch als kleinen Beitrag „fair“ hergestellte Bälle in Schulen und Vereinen, wie es uns Berlin schon vormacht. 

Die Schaffung und die Pflege einer nachhaltigen Sportinfrastruktur stellt in unserer stetig wachsenden Stadt eine große Herausforderung dar. Der Aus- und Aufbau klassischer Sportstätten “konkurriert“ oftmals mit Natur- und Erholungsräumen wie Wäldern, Gewässern, aber auch urbanen Räumen wie Parks und Plätzen. Sport hat sich auch stark individualisiert und wird vermehrt vereinsungebunden betrieben. Wichtig ist uns, dass Sport nachhaltig und verantwortungsbewusst umgesetzt wird. Hier ist immer wieder eine Abwägung zwischen dem Schutz der Grünflächen und der Gemeinschaft gegenüber neuen Anforderungen und Trends vorzunehmen. Umwelt- und Naturschutz sowie Sport- und Quartiersentwicklung müssen also stets zusammengedacht, und nicht gegeneinander ausgespielt werden.

 

Zur Sportentwicklung gehört auch die Verbesserung der Zugänge für Mädchen und Frauen im Sport sowie die Stärkung und Präsenz von Trainerinnen. Die Zahl der Beteiligung von Mädchen und Frauen in den Vereinen ist zum Teil sehr niedrig und rückläufig – diesem Trend wollen wir in Zukunft noch gezielter entgegenwirken. 

 

Im Hinblick auf vielfältigen und inklusiven Sport wünschen wir uns eine noch stärkere Teilnahme der Stadt Frankfurt am „Landesprogramm für Sport und Geflüchtete“, das in Kooperation mit dem Sportkreis mit Hilfe von Integrationskoordinator*innen diverse Angebote von Ausstattung bis Coaching von Geflüchteten ermöglicht. Auch weitere Projektegefördert durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) oder durch Landesverbände, die sich gegen demokratiefeindliche Tendenzen stellen, unterstützen wir mit aller Kraft. Sportvereine gelten als Sozialraum gelebter Demokratie, in dem gleiche Regeln für alle gelten und Vorurteile abgebaut werden. Dies muss durch begleitende Maßnahmen und Projekte gefördert und verfestigt werden, damit „Demokratie leben“ und „Sport mit Courage“ auch mit Inhalten gefüllt wird. Mit einem Wort: Ein klares Bekenntnis gegen Antirassismus und Antisemitismus, gegen jede Form von Gewalt, gegen Sexismus und Homo- und Transfeindlichkeit.

 

Zum Sport gehört auch ein geschlechtersensibler Umgang, Missbrauchsprävention und die Erhöhung des Frauenanteils in allen Funktionen und Positionen der entsprechenden Verbände. Denn gerade im Sport gibt es patriarchalische Strukturen und Machtgefälle, die wir weiter kritisch hinterfragen und mutig und solidarisch durchbrechen müssen.

 

Sport bedeutet neben Gesundheitsförderung, Naturerfahrung, Stressabbau, auch soziales Miteinander, fairen Wettkampf, interkulturellen Austausch, Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit sowie Bildung. Niederschwellige Zugänge und Teilhabe müssen daher unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder geschlechtIicher Identität, gewährleistet sein. Sport muss in seiner ganzen großen bunten Vielfalt möglich sein – gerade in Frankfurt, die Stadt, die für Toleranz und Offenheit steht.

 

Transparenz bei der Vergabe der Sportstätten und eine deutliche Erleichterung bei den Zugangsbedingungen für alle, auch und besonders für Menschen mit Behinderung, ist selbstverständlich. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf dem Sport von Kindern und Jugendlichen mit verschiedensten körperlichen Einschränkungen oder auch Entwicklungsverzögerungen liegen. Diese Kinder, beziehungsweise deren Erziehungsberechtigten, finden oft nur sehr schwer Zugang zu Vereinen und einer individuellen Förderung. Sport und Bewegung sind aber Bedürfnisse aller Kinder, und ihnen wollen wir ALLEN Platz und Raum geben.

Besondere Angebote für Senior*innen bzw. die besondere Einbindung und Schaffung von spezifischen Angeboten & Räumen, auch für Außenanlagen, sind nötig. Die bestehenden Angebote für Demenzerkrankte oder auch Herzsportgruppen möchten wir stadtteilbezogen und mit kurzen Wegen anbieten. Davon sind wir noch weit entfernt. Sport- und Bewegungsangebote sollen auch für Senior*innen in Pflege-, bzw. betreuten Wohneinrichtungen möglich sein – geht das nicht, muss der Sport zu ihnen kommen. 

 

Sport ist ebenso ein Ereignis für Zuschauer*innen. Das spüren wir gerade in Corona-Zeiten sehr deutlich. Zuschauer*innen fiebern bei jeder Art von Sport mit. Die Stimmung und die Leidenschaft steigt oder fällt mit ihnen. Daher ist Sportpolitik auch Fan-Politik. Die Verteidigung der Grund- und Bürgerrechte von Fußballfans zählt ebenso dazu wie die Förderung einer diversen und antirassistischen Fankultur mit dem Ziel eines sicheren Stadionerlebnisses für alle. Das Forschungsprojekt „Safe Sport“ des DOSB zum Thema „Sexualisierte Gewalt im organisierten Sport“ verdeutlicht den Bedarf. Wir müssen daher die Angebote und die Unterstützung des DOSB nutzen, um Gewalt zu verhindern und präventiv noch stärker tätig werden zu können. 

 

Sport lebt auch von Menschen, die sich kümmern. Sie sind dessen Basis und ohne sie geht nichts. Ehrenamtliche Übungsleiter*innen, Trainer*innen, Betreuer*innen, Vereins-/Verbandsfunktionär*innen und Helfer*innen in unzähligen Bereichen investieren viele Stunden ihres Lebens, um Sportangebote zu organisieren und Strukturen aufrecht zu erhalten. Diese Menschen brauchen mehr als nur die Anerkennung innerhalb des Vereins. Sie brauchen eine strukturelle Unterstützung, die die ehrenamtliche Arbeit und den enormen Zeitaufwand attraktiv hält und für den Nachwuchs umsetzbar ist, ggf. auch in neuen Strukturen. Wenn Sport die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln soll, so muss dies auch für die ehrenamtlich Aktiven gelten. Diese sind bislang aus diversen Gründen eher unterrepräsentierte Gruppen wie Frauen und Mädchen sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Für sie alle wünschen wir uns stärkere Anreize und Chancen für die Teilhabe. 

 

In Frankfurt gibt es neben den vielen tausend Aktiven im Breitensport auch viele Spitzenathlet*innen aus bspw. Leichtathletik und Schwimmsport, die für Olympia nominiert sind oder dafür hart trainieren. Ein Ziel von uns ist es auch hier, beste Bedingungen, Unterstützung und Förderung zu ermöglichen. Unser Anspruch ist, dass alle Athlet*innen und Trainer*innen selbstbestimmt im Spitzensport agieren können und für einen sauberen, humanen und fairen Spitzensport stehen. Frankfurt setzt hier ein Zeichen in die Sportwelt.

 

Unsere Zukunftsideen für den Sport in Frankfurt sind daher unter anderem:

 

Mehr Umwelt- und Klimaschutz bei Sportstätten, klimaneutrale Großveranstaltungen, flächendeckende Angebote gerade für Kinder und ältere Einwohner*innen, Aus- und Weiterbildungen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion bis hin zu besonderen Angeboten für Vereine zum Thema LSBTIQ* für Trainer*innen. 

Wir fordern ein klares Bekenntnis nicht nur gegen Antirassismus und Antisemitismus, sondern gegen jegliche Form von Gewalt, Sexismus und Homo- und Transfeindlichkeit. Die vielfältige Gesellschaft unserer Stadt muss sich auch im Sport widerspiegeln. Ein demokratischer, toleranter und weltoffener Umgang aller mit allen bildet hierfür die Grundlage. 

 

 

 

 

 



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