02.02.2020

Nachhaltig im Nordend – Der Ortsbeirat verleiht den Stadtteilpreis

v.l.n.r: Karin Guder, Walter Günther, Vertreterinnen der ModeKreativWerkstatt

Zu Gast bei der FES: Ein Ort der Nachhaltigkeit

 

War es im vergangenen Jahr im mondänen Holzhausenschlösschen kuschelig eng zugegangen, empfing die Gäste des Neujahrsemfangs des Ortsbeirats 3 in diesem Jahr ein völlig anderes Ambiente: eine weite luftige Werkshalle, die nicht nur für die tollen Darbietungen des Gebärdenchores der IGS Nordend und der Hip-Hop-Tanzgruppe des Mädchenhauses Mafalda viel Platz bot, sondern – mitten zwischen Schneeräum- und Müllfahrzeugen der FES und auf Bierzeltgarnituren -  auch für die nachfolgenden Gespräche und Begegnungen. Für den Empfang einen Ort auszuwählen, an dem (normalerweise) gearbeitet wird, mit Schutzkleidung und Werkzeugen, an dem es auch einmal staubig und laut ist und an dem zudem das Thema Müllverwertung und -vermeidung eine große Rolle spielt – das passt zur Ausschreibung des Stadtteilpreises, denn der wurde in diesem Jahr für Nachhaltigkeit verliehen. Nachhaltiges Handeln bedeutet – genau wie harte körperliche Arbeit – eben, nicht immer den bequemsten Weg einzuschlagen, sondern setzt Kreativität, Hartnäckigkeit und eisernen Willen voraus. All dies haben die diesjährigen Bewerber*innen bewiesen. 

 

Walter Günther und die ModeKreativWerkstatt gewinnen den Stadtteilpreis

 

Der Ortsbeirat entschied sich daher, den Preis zu teilen: Über je 300 Euro können sich der Schlossermeister und Erfinder Walter Günther und die ModeKreativWerkstatt der Diakonie freuen.

Seit über 20 Jahren betreibt Walter Günther in der Wielandstraße eine Erfinderwerkstatt. Mit speziellen eigens entwickelten Geräten fertigt er dort – unterstützt von Mitarbeiter*innen der Praunheimer Werkstätten – kleine Notizblöcke (sogenannte „Kellnerblöcke“), für die er die unbedruckte Fläche von Altpapier nutzt. Ein weiteres Projekt ist die „Günthersche Farradspeichenverwertungstechnik“: Aus alten Fahrradspeichen entstehen XXL-Büroklammern, Schlüsselringe, Ketten und Sicherheitsnadeln, die ebenfalls von Menschen mit speziellem Förderbedarf, die in den Praunheimer Werkstätten arbeiten, hergestellt werden. 

Auch die ModeKreativWerkstatt in der Rohrbachstraße lebt Nachhaltigkeit nicht nur in Form von Recycling bzw. Upcycling, sondern auch in sozialer Hinsicht: Die Einrichtung des Diakonischen Werkes gibt 25 langzeitarbeitslosen Frauen die Möglichkeit, am Erwerbsleben teilzuhaben: Aus gespendeten Kleidungsstücken und Stoffen schneidern sie Kleidungsstücke und Accessoires, die sie im Second-Hand-Laden der ModeKreativWerkstatt verkaufen. Mit phantasievollen Produkten leistet die Werkstatt  dabei auch einen Beitrag zur Plastikvermeidung: Unter anderem gibt es im Laden selbstgenähte Einkaufstaschen aus alten Herrenhemden zu kaufen, Abdeckhauben für Schüsseln und Töpfe sowie Bienenwachstücher können anstelle von Alufolie verwendet werden, man findet dort wiederverwendbare Abschminkpads aus Stoff und Spülschwämme aus Wollresten. 

Über beide Initiativen, aber auch die anderen beiden Projekte, die sich für den Stadteilpreis beworben hatten – Hilfe im Nordend e.V. und die „Gemüseheldinnen“ – freuen wir uns sehr.

 

Nutzungskonflikte und konstruktive Lösungen – Das Jahr im Ortsbeirat

 

Nachhaltig war auch die Arbeit im Ortsbeirat, auf die außer Ortsvorsteherin Karin Guder auch unser GRÜNER Stadtverordneter Uli Baier und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) zurückblickten.  Denn ohne Hartnäckigkeit, ohne unermüdliches Verhandeln, ohne kreative Suche nach Lösungen wären viele „Baustellen“ noch offen: So aber wurde ein Radentscheid ausgehandelt, der unter anderem der viel befahrenen Friedberger Landstraße einen – fast – durchgehenden Radweg bescheren wird, so konnte der neue Stadtteiltreff im Merianbad eröffnet, vor dem Bürgerhospital eine „Tempo-30-bei-Nacht“-Zone ausgewiesen und der Chinesische Garten nach dem Brandanschlag wiedereröffnet werden. Auch das Berger Straßenfest wird  - nicht zuletzt durch Initiative des Ortsbeirates – auch in diesem Jahr wieder stattfinden. 

Nutzungskonflikte, die noch zu lösen sind, sieht Karin Guder nicht nur auf der Friedberger Landstraße, sondern auch beim geplanten Abriss des Glauburgbunkers: Der Ortsbeirat werde sich dafür einsetzen, dass die Arbeiten so verträglich wie möglich für die Anwohner*innen, vor allem für die Schwarzburgschule und die benachbarte Kita erfolgen. Auch über die soziale bzw. kulturelle Nutzung des Erdgeschosses wird bereits konstruktiv diskutiert, denkbar wäre etwa eine Nutzung durch Jugendeinrichtungen, aber auch künstlerische Ateliers. Ein großes Thema wird  - angesichts von Mittagstemperaturen von 15 Grad am 31. Januar – auch in diesem Jahr die Wärme und Trockenheit im Stadtgebiet bleiben: Zwar werden die Bäume, die aufgrund der heißen Sommer 2018 und 2019 gefällt werden müssen, nachgepflanzt, dennoch ruft Karin Guder alle Nordendler*innen dazu auf, sich als „Baumpat*innen“ um die Bäume in ihrer Nachbarschaft zu kümmern.  

Auch 2020 wird für den Ortsbeirat also ein arbeitsreiches Jahr werden: „Veränderungen im positiven Sinne können nur durch gemeinsames Suchen nach konstruktiven Lösungen entstehen.“, bringt es Karin Guder auf den Punkt. 



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