19.01.2020

Ein Rückblick: Unsere Stadtteilgruppe vor 40 Jahren – von Jörg Harraschain

Wann genau das Leben der erfolgreichen Frankfurter Stadtteilgruppe begann, ist heutzutage nicht mehr exakt nachzuvollziehen. Jedenfalls begann das GRÜNE Leben in den benachbarten Stadtteilen Nordend und Bornheim gemeinsam. Irgendwann in den 80er Jahren trennten sich unsere Wege. Wir aus dem Nordend bezogen unser Domizil zunächst ist der Mousonfabrik (Ostend). 

 

Ich werde nie meine ersten Annäherungsversuche mit den GRÜNEN vergessen: Es war Sommer und ich hatte erfahren, dass die GRÜNEN sich um 20 Uhr treffen. Als Sohn aus einer preußischen Familie stammend wartete ich pünktlich auf die GRÜNEN. Auch zwei andere Sympathisanten waren zugegen. So gegen 20.35 Uhr kam der erste GRÜNE und gegen 20.45 Uhr begann man schließlich zu diskutieren. Eine Woche später das gleiche Ritual. Meine „Mitsympathisanten“ waren nicht mehr erschienen. Nur ich wartete wieder über eine halbe Stunde auf die GRÜNEN. Als ich später einmal nachfragte, warum man immer so spät beginnen würde, obwohl der Beginn doch um 20.00 Uhr angesetzt sei, erhielt ich die erhellende Antwort: „Wir machen das deshalb, damit wir nur die bekommen, die auch wirklich ernsthaft dabei bleiben wollen“. Da war was dran. Ich bin noch immer dabei!

 

1984 zogen wir die Rotlintstraße 58 ins GRÜNLAND (Versammlungsraum mit Küche und Büro). Wir konnten uns diesen Luxus leisten, da wir die Räumlichkeiten mit anderen Bürgerinitiativen (z.B. mit SOS Rassismus, Lehrerkooperative u.a.m.) teilten. Das erste, was wir einführten, war ein Protokollbuch, das ich noch immer besitze. Jede*r musste mal Protokoll führen, was natürlich nicht alle taten! Alles wurde festgehalten: Diskussionsverlauf, Beschlüsse, Aufgaben u.a.m. Man kann dort so profunde Sätze finden wie „Die Macht der Medien ist klar, daher müssen wir versuchen, sie für unsere Ziele auszunutzen!“ oder die Frage: „Ist es Verrat an GRÜNEN Positionen, wenn machbare Forderungen aufgestellt werden?“ „Träume sind nicht ausgeträumt – Utopien sollen nicht aufgegeben werden“. Beim Lesen dieses Satzes drängt sich die Frage auf: „Haben wir GRÜNE (noch) eine Utopie von der Gesellschaft?“

 

Auch kann man nachlesen, dass wir im Stadtteil die erste getrennte Sonder-Müllsammlung organisierten. Die Schaffung von ökologischem Bewusstsein spielt eine große Rolle und die Frage, welche Funktion die GRÜNEN im Parlament einnehmen sollten. Die Arbeit im Ortsbeirat wurde kritisch begleitet und festgestellt, dass unsere Abgeordneten sich zu wenig in der Stadtteilgruppe sehen lassen. Eine Feststellung, die heute noch gültig ist.

Vorabsprachen mit anderen Parteien galten bei den „Fundis“ als Verrat an unseren Grundsätzen der öffentlichen Meinungsbildung. Heftiger Streit und ideologische Debatten waren an der Tagesordnung. Obwohl es Spaltungstendenzen gab, hat der Fundi-Realo-Streit die Stadtteilgruppe Nordend nicht auseinandergerissen.

 

1981 sandten die GRÜNEN zwei Vertreter*innen in den Ortsbeirat, die CDU zehn, die SPD sechs und die FDP einen. Seit 1993 stellen wir GRÜNE den Ortsvorsteher bzw. die Ortsvorsteherin und seit 1997 haben wir im Stadtteil stetig eine satte Mehrheit von über 30 % der Stimmen. Mit dazu beigetragen hat sicherlich auch das von uns organisierte Stadtteilfest in der Rotlintstraße. Auch auf anderen Ebenen waren wir erfolgreich: Drei Ehen haben sich nachweislich in der Stadtteilgruppe angebahnt. Wie viele Beziehungen geschieden oder wie oft über die politische Arbeit Beziehungen in Krisen geraten sind, ist dem Autor nicht bekannt. Und das ist auch gut so! 

 

Jörg Harraschain ist seit 1981 aktiv bei den GRÜNEN und seit 1983 Mitglied. Er war mit kurzen Unterbrechungen über 20 Jahre im Ortsbeirat und über fünf Jahre Ortsvorsteher im Nordend



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URL:http://www.gruene-nordend.de/willkommen/expand/743608/nc/1/dn/1/