09.12.2019

Politik gegen Plastik: GRÜNE Ideen für mehr Recycling und Plastikvermeidung

Verpackungsmüll vermeiden, wo es nur geht

 

103 Kilo Verpackungsmüll produziert – statistisch gesehen – jede*r von uns pro Jahr, rund ein Drittel davon ist Plastik. Tendenz steigend, denn in den letzten 20 Jahren hat der Verbrauch an Verpackungen um 13 Prozent zugenommen. Damit gehört Deutschland zu Europas Schlusslichtern. Nur in Luxemburg, Irland und Estland sind die Müllberge noch höher. Wenn wir Plastikmüll reduzieren wollen, reicht es nicht aus, Verbote auszusprechen. Wir brauchen auch verbindliche Zielvorgaben: Bis zum Jahr 2030 wollen wir den Plastikverbrauch in Deutschland um die Hälfte reduzieren! 

 

Dazu müssen wir alle Verpackungsabfälle vermeiden, wo immer es geht. 

 

Für den Handel und die Industrie bedeutet das, ihr Produktionssystem umzustellen: Statt in Einweg-Plastikflaschen, sollen Waschmittel, Shampoos, Duschgels etc. vermehrt in Nachfüllbeuteln angeboten werden. Und unnötige Umverpackungen sollen bald der Vergangenheit angehören. Elektrogeräte sollen reparaturfreundlich gestaltet werden; die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer soll verboten werden. 

 

Auf besonders umweltschädliche Wegwerfprodukte wollen wir eine Plastiksteuer erheben, zum Beispiel auf Coffee-To-Go-Becher und Take-Away-Verpackungen. Wer Ressourcen verbraucht und Müll produziert, soll auch dafür zur Kasse gebeten werden! Denn es gibt ja bereits kreative Alternativen, die mit staatlicher Unterstützung weiter ausgebaut werden müssen: Pfandbechersysteme, Unverpackt-Läden und auch Lösungen, damit wir Essen bestellen und mitnehmen können und gleichzeitig die notwendige Hygiene gewahrt bleibt. 

 

In Hessen gibt es mit der Initiative BecherBonus bereits ein System, das Menschen, die ihren eigenen Kaffeebecher mitbringen, einen Rabatt in über 4000 Filialen gewährt. Die hessische Plastikstrategie sieht vor, die Mehrwegbechersysteme miteinander zu vernetzen. In Frankfurt gibt es den Rabatt zum Beispiel auch, wenn man einen „MainBecher“ mitbringt! Weiterhin will das hessische Umweltministerium Verbraucher*innen und Händler*innen für den täglichen Einkauf beraten. Dass es durchaus die Möglichkeit gibt, sich an der Fleisch- und Käsetheke den Einkauf in mitgebrachte Behältnisse packen zu lassen, wissen beispielweise viele Kund*innen nicht – ein Merkblatt des Ministeriums soll hier für Aufklärung sorgen. 

 

Mehrweg statt Einweg

 

Nicht einmal jede zweite Flasche ist eine Mehrwegflasche. Und das, obwohl das Verpackungsgesetz eigentlich eine Mehrwegquote von 70 Prozent vorschreibt! Das müssen wir ändern, denn pro Stunde landen 1,9 Millionen Plastikflaschen im Müll. Zur Verdeutlichung: Würde man all diese Flasche aneinanderreihen, könnte man die Erde 135-mal umrunden, aneinandergestellt würden sie halb Frankfurt bedecken! Große Discounter bevorzugen Einwegflaschen, da der Handel mit ihnen für sie einfacher ist.  Dabei ist die CO2-Bilanz einer Einwegflasche gegenüber ihrer Mehrwegschwester deutlich schlechter: Erstere werden oft im Ausland befüllt und dann über weite Strecken transportiert. Und auch der Ressourcenverbrauch einer Einwegflasche ist erschreckend: Rund 450.000 Tonnen Rohöl fallen für die Produktion einer PET-Flasche an. Mit dieser Menge könnten 400.000 Einfamilienhäuser rund ein Jahr lang beheizt werden.

 

Wer beim Einkauf bewusst auf Mehrweg achten möchte, steht vor zwei Herausforderungen: Zum einen ist es auf den ersten Blick oft gar nicht zu erkennen, ob gerade eine Mehrweg- oder eine Einwegflasche im Einkaufswagen gelandet ist. Wir fordern daher, dass die Flaschen klar voneinander unterscheidbar sein müssen!

 

Zum zweiten ist das Pfandsystem sehr uneinheitlich: Jede*r von uns stand schon einmal vor dem Pfandautomaten im Getränke- oder Supermarkt und hat sich geärgert, dass der Automat nicht alle Flaschen zurückgenommen hat, sondern (bestenfalls!) nur die, welche dem eigenen Sortiment entstammen. Und wer kann schon auf Anhieb sagen, welche Flaschen überhaupt Pfandflaschen sind und welche nicht? Auch hier muss sich dringend etwas ändern: Das Pfandsystem muss vereinheitlicht werden und ohne Ausnahme für alle Flaschen gelten. Und jeder Markt muss verpflichtet werden, alle Flaschen zu akzeptiert, egal, wo sie gekauft worden sind! 

 

Langfristig sollen alle Einwegverpackungen durch Mehrwegalternativen ersetzt werden.

 

Recyceln muss einfacher werden

 

Was für das Flaschenpfand gilt, gilt auch für den GRÜNEN Punkt: Auch hier können die wenigsten unterscheiden, was in der Gelben Tonne landen darf und was nicht. Wir GRÜNE setzen uns daher für eine deutschlandweite Wertstofftonne ein. Der Vorteil: Sie nimmt nicht nur die Verpackungen auf, die mit dem GRÜNEN Punkt gekennzeichnet werden (nur diese dürfen nämlich in die Gelbe Tonne!), sondern neben Verpackungsmaterial aller Art auch andere Gegenstände aus Kunststoff und Metall. Das macht es nicht nur einfacher für die Verbraucher*innen, sondern sorgt dafür, dass 450.000 mehr recycelbare Stoffe gesammelt werden können. 

 

Sammeln allein reicht freilich nicht – die Stoffe müssen auch tatsächlich recycelt werden und das möglichst hochwertig! Aktuell wird lediglich ein Drittel des gesammelten Verpackungsmülls tatsächlich recycelt. Oft verhindert bereits die Beschaffenheit der Kunststoffe eine Wiederaufbereitung: Über 100 Chemikalien stecken zum Beispiel allein in einem Joghurtbecher – hochwertiges Recycling ist bei dieser Zusammensetzung nicht möglich. Die EU-Kommission hat daher Vorschläge für ein Öko-Produktdesign erarbeitet, die wir unterstützen. Bis 2030 sollen alle Kunststoffprodukte zu mindestens 50 Prozent aus recyceltem Kunststoff bestehen. 

 

Das Land Hessen will darüber hinaus prüfen, inwieweit die Vergabe- und Beschaffungspraxis an die Verwendung von Recyclingkunststoffen geknüpft werden kann. 

 

Mehr Zusammenarbeit und Forschung

 

Plastik vermeiden und recyceln erfordert neue Strategien und die setzen effiziente Forschung und globale sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit voraus. So wollen wir die Forschung insbesondere im Bereich der Frage, wie Mikroplastik vermieden werden kann, unterstützen. Mikroplastik gelangt auf vielerlei Weise in die Umwelt und die Gewässer: Es steckt in Kosmetika und Körperpflegeprodukten, im Kompost (den „biologisch abbaubaren“! Plastiktüten sei Dank), im Klärschlamm und -  sogar größtenteils – liegt es auf der Straße: Am meisten Mikroplastik entsteht nämlich durch Reifenabrieb. Hier müssen neue Zusammensetzungen gefunden werden, die den Abrieb reduzieren oder ganz verhindern. Der GRÜNE Aktionsplan auf Bundesebene sieht mehr Forschung im Bereich Mikroplastik vor, außerdem ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und die Beendigung des Ausbringens von Klärschlamm. 

 

Den Dialog mit der Reifenindustrie will auch die hessische Landesregierung führen. Außerdem will Hessen sich mit einer Bundesratsinitiative will sich auch Hessen gegen Mikroplastik in Kosmetika stark machen. Unser Bundesland geht in puncto Mikroplastik darüber hinaus sogar noch einen Schritt weiter: Vereine und Kommunen sollen nach der hessischen Plastikstrategie nur dann Fördergelder erhalten, wenn sie beim Bau von Sportplätzen auf Kunststoffgranulat verzichten. 

 

Auch im Bereich Recycling sind neue Forschungsansätze erforderlich. Der GRÜNE Aktionsplan der Bundesregierung sieht ein Deutsches Recycling-Institut vor. Finanziert werden soll dieses durch Abschaffung einer indirekten Subvention auf Plastik: Denn bei der Nutzung von Erdgas und Erdöl zur Plastikherstellung fällt – anders als zur Energiegewinnung – keine Energiesteuer an. Über 780 Millionen Euro könnte der Staat bei Beendigung dieser Ungleichbehandlung mehr einnehmen und in die Forschung investieren. 

 

Global setzen wir uns für eine UN-Konvention ein, die bis 2030 den Eintrag von Plastik und Mikroplastik in die Meere stoppt. Denn Plastikmüll kennt keine Grenzen und wenn wir nicht handeln, wird im Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch im Meer schwimmen!

 

Die hessische Plastikstrategie beinhaltet einen Ideenwettbewerb für Vereine: Alle hessischen Vereine können ihre Ideen zur Plastikvermeidung beim Umweltministerium einreichen. Innovative Projekte werden mit jeweils 500 Euro unterstützt!

 

Mehr zum Aktionsplan gegen Plastikmüll erfahrt ihr hier.

 

Über die Plastikstrategie der hessischen Landesregierung könnt ihr euch hier informieren. 



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