04.11.2019

Das widersprüchlichste Datum der deutschen Geschichte: Frankfurter Erinnerungskultur zum 09. November

An den Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur Thomas Brasch, der 1976 nach Unterzeichnung der Resolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns einen Ausreiseantrag stellte und die DDR verließ, erinnert eine Soiree mit Musik im Haus am Dom mit der Musikerin und Schauspielerin Ursula Kurze. „30 Jahre nach dem Fall der Mauer – Wer durch mein Leben will, muss durch mein Zimmer“ am Donnerstag, 07. November ab 19.30 Uhr im Haus am Dom, Dompl. 3

Ganz im Zeichen des Mauerfalls wird der Sportpresseball stehen, der am Abend des 09. Novembers in der Alten Oper stattfindet. So steht die Eröffnungsshow unter dem Motto „30 Jahre Mauerfall“, „zudem wird der PEGASOS-Preis „Besondere Verdienste um den gesamtdeutschen Sport“ an Persönlichkeiten verliehen, die aus der ehemaligen DDR stammen und mit ihrem sportlichen Wirken Menschen in Ost und West begeistert haben“, heißt es in der Presseankündigung. Trotz Katarina Witt: Wahre Begeisterungsstürme scheinen nach Ansicht der Jury nur männliche Sportler entfacht zu haben, denn geehrt werden mit Sven Hannawald, Henry Maske und Matthias Sammer ausschließlich Männer. 

Der Hessische Landtag in Wiesbaden zeigt in der Ausstellung „East Side Gallery“Aufnahmen der nach dem Mauerfall von Künstler*innen gestalteten Ostseite der Mauer. 

Die offizielle Gedenkfeier der Stadt Frankfurt zum Jahrestag der Pogrome findet bereits am Donnerstag, 07. November ab 14.00 Uhrin der Paulskirche statt. 

Mit zahlreichen Rundgängen in verschiedenen Stadtteilen will die Initative Stolpersteine am 09.November an die vielen jüdischen Frankfurter*innen erinnern, die von den Nazis deportiert, ermordet oder in die Flucht getrieben wurden. Der Rundgang im Nordend beginnt um 11.00 Uhr, Treffpunkt ist in der Hebelstraße 15-19. Außerdem ruft die Initiative dazu auf, die Stolpersteine an diesem Tag zu putzen und mit Blumen zu schmücken. 

Mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Frankfurt beschäftigt sich das Historische Museum (Saalhof 1) am Samstag, 09. November: Die Veranstaltung „Anbiederung und Aufarbeitung – Frankfurt und der Nationalsozialismus“ beginnt um 15.00 Uhr.

Ab 16.00 Uhr lädt die Initiative 09. November am Samstag zum Gedenken an die Pogromnacht in den Hochbunker in der Friedberger Anlage im Ostend. Verschiedene Ausstellungen zeigen jüdisches Leben damals und heute. Um 18.00 Uhr wird dort Prof. Diwi Dreyssee eine Gedenkansprache halten. 

Eine weitere Gedenkveranstaltung organisiert die „AG Geschichte und Erinnerung. Initiative zum Gedenken an die Opfer der Nationalsozialismus“ am Samstagabend ab 18.00 Uhr auf dem Ettinghausplatz in Frankfurt-Höchst. Unter dem Motto „Zusammenhalten und nicht spalten“ spricht Harpreet Cholia, die Vorsitzende des Hessischen Flüchtlingsrates. Für die musikalische Begleitung sorgen Schüler*innen der Leibnitzschule. 

Einen besonderen Filmabend könnt ihr am Samstag ab 19.00 Uhr im Museum Judengasse erleben: Das experimentelle diskursive Filmprogramm „Making Memory“ zeigt in kurzen Videosequenzen ästhetische Formen des Erinnerns und ihr Verhältnis zur Erinnerungspolitik. Ein Gespräch mit den Filmemacherinnen Ruth Novaczek und Maya Schweizer und eine Podiumsdiskussion in deutscher und englischer Sprache vertiefen die Eindrücke. Für diese Veranstaltung bittet das Museum um Anmeldung unter info(at)juedischesmuseum.de

Um eine ästhetische Form des Erinnerns geht es auch bei der im Stadtbild präsentesten Inszenierung: Um 18.00 Uhr wird am 09. November in der gesamten Innenstadt (innerhalb des Anlagenrings) für eine Stunde das Licht gelöscht. Mit der „Abwesenheit von Licht“ will die deutsch-französische Künstlerin Tatiana Lecomte an die Pogrome erinnern und zu Diskussionen anregen. Die Dunkelheit soll sich ausgehend vom Börneplatz wie eine Woge über die Stadt ausbreiten und als Methapher an die Auslöschung der Leben von mehr als sechs Millionen Menschen durch den Nazi-Terror erinnern. 

Das Filmforum Höchst zeigt zum Gedenken an die Massenvernichtung im Nationalsozialismus den Film „Zuflucht“. Er erzählt von den Bewohner*innen eines Heimes in Chicago, die vor den Nazis aus Deutschland, der Tschechoslowakei und Österreich geflohen sind. Sehen könnt ihr den Film am Sonntag, 10. November, 19.00 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs Ethan Bensinger.

Ebenfalls am Sonntag gibt die Shoah-Überlebende und Cellistin Anita Lasker-Wallfisch Einblick in ihre Vergangenheit – mit Brieflesungen, Musikstücken und Fotografien. Die Veranstaltung findet im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum statt und beginnt um 15.00 Uhr.

Um 18.30 Uhr am Sonntagabend beginnt die offizielle Gedenkstunde der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und des Landesverband der Jüdischen Gemeinden Hessen in der Westend-Synagoge.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mit Erinnerung gegen das Vergessen: Historie und Kontinuität des Nationalsozialismus in Frankfurt“ lädt der AStA der Goethe-Uni am Montag, 11. November zu einem Vortrag, Film und Gespräch in das IG-Farbenhaus ein. Die Historikerin Heike Drummer vom Jüdischen Museum Frankfurt beleuchtet in einem Vortrag den Ablauf der Novemberpogrome und deren zeitliches Umfeld. Im Anschluss präsentiert der Frankfurter Fotograf und Regisseur Heiko Arendt seinen Kurzfilm „Julius Meyer, November 1938“, der sich mit der Verhaftung des Rechtsanwalts Dr. Julius Meyer während der Novemberpogrome in Frankfurt beschäftigt. Die Veranstaltung findet in Raum 311 statt und beginnt um 18.30 Uhr

 



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