07.10.2019

Vom Cup2Gether zum MainBecher

vlnr: Dr. Alexandra von Winning, Claudia Schäfer und Marlene Haas von Cup2Gether

Als wir im Sommer 2018 vor dem Rotlintstraßenfest mit euch gesprochen hatten, war die „Testphase“ gerade vorbei und ihr habt eine Evaluierung durchgeführt. Was hat diese ergeben?

Als wir im Februar 2018 mit der 90-Tage-Challange gestartet sind, lag die Herausforderung anfangs darin, überhaupt genug Mitstreitende zu finden, die das Pfandsystem – damals ausschließlich auf der Berger Straße – testen wollten. Aber der Erfolg war überwältigend: Wir sind total überrannt worden. Die Evaluierung hat bestätigt, dass Bedarf für ein Pfandsystem besteht und das stadtweit. 

Dabei boten ja viele Cafés bereits einen Rabatt für diejenigen, die ihre eigenen Becher mitbringen. War der Bedarf für ein Pfandsystem wirklich so groß?

Das Pfandsystem kommt denen entgegen, die nicht ständig ihren eigenen Becher mitschleppen wollen. Beide Systeme passen perfekt zusammen, weil sie sich kombinieren lassen: Denn wenn ich beim MainBecher mitmache, nutze ich ja auch keinen Einwegbecher und bekomme in teilnehmenden Cafés dann auch den Rabatt. 

Geplant hattet ihr damals außerdem, das Pfandsystem als „CampusBecher“ auch in den Frankfurter Hochschulen zu etablieren – hat das geklappt? 

Die Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk hat leider nicht funktioniert. Aber wir haben private Cafés im Umfeld der Hochschulen gefunden, die sich beteiligt haben.

Seit dem Sommer hat die FES das Pfandbechersystem übernommen und führt es als MainBecher weiter. Wie kam es dazu?

Schon während der Testphase war uns klar, dass wir keine Pfandsystembetreiber sein können und wollen. Ein stadtweites Pfandsystem können wir personell nicht stemmen. Nach der Evaluierung fanden daher Gespräche mit Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und der FES statt. Die FES ist der geeignete Partner, da die Müllentsorgung auch die Aufgabe hat, Abfallvermeidung zu betreiben. Wir freuen uns sehr, dass die FES das System, das wir aufgebaut und evaluiert haben, nun weiterführt. Wobei einige Dinge angepasst und ein bisschen verändert wurden.

Was genau hat sich verändert?

Weggefallen ist die Online-Registrierung. An Cup2Gether konnte nur teilnehmen, wer sich vorher auf der Webseite registriert hat. Viele Nutzer*innen sahen dies kritisch – gerade in Zeiten von Datenschutz-Skandalen. Jetzt kann man ohne vorherige Anmeldung für drei Euro einen „MainBecher-Pass“ kaufen, der eine Pfandmarke enthält. Diese Marke tauscht man immer wieder gegen den Becher und umgekehrt. Außer in den teilnehmenden Cafés gibt es den Pass auch in der Servicestelle der FES. Auch das ist eine Verbesserung, wir hatten ja keine separate Verkaufsstelle. Gut gefällt mir, dass der Pass in drei Sprachen – deutsch, englisch und türkisch – das Pfandsystem beschreibt. 

Welche Stadtteile sind seit dem letzten Jahr neu dazugekommen?

Das System wächst jeden Tag, daher kann ich das gar nicht genau sagen. Auf www.mainbecher.degibt es eine Karte, auf der alle teilnehmenden Cafés angezeigt sind. Es gibt viele in der Innenstadt, aber auch in Oberrad, wo auch die Hochschule mitmacht, in Bockenheim, im Gallus, Sachsenhausen. 

Man kann also wirklich auf dem Arbeitsweg seinen Pfandbecher jetzt holen und überall in der Stadt wieder zurückgeben?

Außer man kommt aus der Region, dann geht es noch nicht. 

Ist es denn geplant, das System auch auf die Region auszudehnen?

Ja, das ist auf jeden Fall geplant. Derzeit finden auch schon konkrete Gespräche statt. Als Cup2Gether stehen wir den Kommunen, die sich für ein Pfandbechersystem interessieren, beratend zur Seite. Zurzeit haben wir dazu Anfragen von acht Kommunen aus ganz Hessen.

Könnt ihr euch vorstellen, das Pfandsystem auch auf andere Geschirrarten, zum Beispiel Schüsseln oder Teller, auszudehnen?

Das gibt es von anderen Anbietern bereits: Recup zum Beispiel bietet mit der „Rebowl“ eine Mehrweg-Plastikschüssel an. Wir selbst haben das momentan nicht vor. Aber wir richten uns natürlich nach dem Bedarf: Wenn die Gastronomie auf uns zukäme und Lösungen haben wolle, dann würden wir uns auch dazu Gedanken machen. 

Plant ihr als Cup2Gether jetzt neue Projekte?

Neben der Beratung der Umlandkommunen verleihen wir die Becher, die wir noch im Bestand haben, für Feste, zum Beispiel an Schulen oder Vereine, die für eigene Becher kein Budget oder keine Lagermöglichkeit für eigene Becher haben. Die Initiative Cup2Gether geht also auf jeden Fall weiter.

zurück

URL:https://www.gruene-nordend.de/willkommen/expand/728582/nc/1/dn/1/