28.07.2019

SOS Hitze – was können wir fürs Klima tun?

Die CO2-Bilanz ist erschreckend!

Etwa 10 Tonnen CO2. So viel verbraucht jede*r Mensch in Deutschland pro Jahr. Zur Verdeutlichung: Ein Auto wiegt ca. eine Tonne – stellt euch also einen Parkplatz mit 900 Millionen Autos vor, dann habt ihr eine Vorstellung davon, wie viel CO2 wir alle pro Jahr in die Luft blasen – wie gesagt, allein in Deutschland.

Heiße Sommer sind dabei nicht nur die – zumindest teilweise – Folge der CO2-Konzentration, sondern setzen auch Ursachen für weiteren CO2-Anstieg: Wenn Bahnfahrten ausfallen, weil nicht alle Züge klimatisiert sind, steigen Pendler*innen aufs Auto um. Auf Hochdruck laufende Klimaanlagen – egal, ob im Zug oder in den vielen Frankfurter Büros – bedeuten mehr Energieverbrauch. Und ihren wohlverdienten Jahresurlaub genießen viele bei einer Flugreise oder Kreuzfahrt. 

Seinen eigenen CO2-Abdruck kann jeder leicht berechnen – zum Beispiel mit dem CO2-Rechner, den das Umweltbundesamt hierzur Verfügung stellt. Der Selbstversuch zeigt: Die Bilanz ist erschreckend! 

 

Höchstens eine Tonne CO2 dürfen wir verbrauchen – wie schaffen wir das?

Wenn wir – da sind sich Expert*innen einig – das Pariser Klimaziel erreichen, also den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen wollen, dann müssen wir unseren Pro-Kopf-Verbrauch auf eine Tonne pro Jahr senken – auf rund ein Zehntel des jetzigen CO2-Ausstoßes! Die Frage ist: Wie schaffen wir das?

 

Bahn statt Auto spart rund eine Tonne CO2

Mobilität, Energie und Heizung – das sind die größten CO2-Quellen in privaten Haushalten. Steige ich für den täglichen Weg zur Arbeit vom PKW auf öffentliche Verkehrsmittel um, lässt sich bereits dadurch rund eine Tonne CO2 einsparen (noch mehr natürlich, wenn ich das Fahrrad nutze). Allein die 350.000 Pendler*innen, die täglich mit dem Auto nach Frankfurt fahren, könnten also bei konsequenter Nutzung anderer Verkehrsmittel zusammen 350 Tonnen CO2 einsparen!

 

(Inlands-)flüge sind Klimakiller!

Über eine halbe Million Flugzeuge starteten oder landeten 2018 auf dem Frankfurter Flughafen. Rund 77 Prozent (ja, mehr als Dreiviertel!!!) davon waren Kurzstreckenflüge! Ein Flug von Frankfurt nach Berlin schlägt mit 104 Kilogramm Co2 zu Buche – die gleiche Strecke mit der Bahn zurückgelegt „kostet“ demgegenüber nur 15 Kilogramm! (Quelle Ecopassenger). Das Reisen in der bei Geschäftsleuten so beliebten Business Class bzw. 1. Klasse verbraucht aufgrund des größeren Platzbedarfs noch mehr CO2. Das Fazit: Die Zahl der Inlandsflüge muss drastisch sinken, am besten auf Null. Dass ein Flugticket günstiger ist als eine Bahnreise darf einfach nicht sein! Wir GRÜNE fordern daher, dass zum einen das Kerosin wieder besteuert wird, zum anderen für Bahnreisen der günstige Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent (statt bisher 19 Prozent) greift. 

Will ich auf meinen Mallorca-, Kanaren- oder Asienurlaub partout nicht verzichten, sollte ich den CO2-Ausstoß wenigstens kompensieren, indem ich zusätzlich zum Flugticket eine Abgabe an eine treibhausgasmindernde Investition leiste.  

 

Weniger heizen, Strom sparen, gesünder essen

Ob meine Wohnung mit Öl, Erdgas oder Fernwärme beheizt wird, darauf habe ich als Mieter*in zwar keinen Einfluss. Co2 einsparen kann ich durch richtiges Heizverhalten trotzdem: Ein Grad weniger Raumtemperatur verbraucht bis zu 275 kg CO2 weniger im Jahr! Gerade im Schlafzimmer reichen 16-18 Grad meist vollkommen aus. 

Beim Kauf eines neuen Kühlschranks oder anderer Elektrogeräte sollte ich auf die Energieklasse achten. Mindestens A+ sollte es sein – damit kann ich bis zu 160 Kilo CO2 sparen. Weitere 220 Kilo Co2 lassen sich vermeiden, indem ich das Handy-Ladegerät nach dem Aufladen aus der Steckdose ziehe und auch andere Geräte nicht im Standby-Modus laufen lasse. Einfach umzusetzen und wirksam! Dass ich Wasch- und Spülmaschine nur voll beladen anschalten sollte, versteht sich eigentlich von selbst. 

Einfluss nehmen auf den CO2-Verbrauch kann ich auch, indem ich bei meiner Ernährung möglichst auf Fleisch und Tiefkühlprodukte verzichte und möglichst regional, saisonal und Bio einkaufe. Das ist nicht nur gesund, sondern reduziert den CO2-Ausstoß auf die Hälfte gegenüber „herkömmlicher“ Kost! Eher sparsam leben, beim Kauf nicht auf den günstigsten Preis, sondern vor allem auf Langlebigkeit achten und Kleidung, Handys etc. öfter auch mal Second Hand kaufen – damit lässt sich eine weitere Tonne CO2 sparen.

 

Man muss jedoch kein/e Rechenkünstler*in sein, um festzustellen: All das ist notwendig, aber längst nicht ausreichend! Wenn wir das Pariser Klimaziel erreichen wollen, muss mehr passieren – nicht nur in Deutschland, sondern europa- und am besten weltweit. Wenn wir die Klimakatastrophe bekämpfen wollen, dann müssen wir auf Braunkohle verzichten, müssen wir spätestens 2050 unsere Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen, müssen wir CO2 einen Preis geben – sei es als sozial gerecht gestaltete Steuer oder langfristig als europaweit ausgeweiteter Emissionshandel.

Um zu begreifen, dass es nicht mehr fünf vor zwölf, sondern fast halb eins ist reicht dieser Tage ein Blick aufs Thermometer und aus dem Fenster.



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