07.04.2019

Mut zur Agrarwende!

v.l.n.r: Martin Häusling, Stephanie Silber und Martin von Mackensen

300 Euro staatliche Förderung erhalten die europäischen Landwirte derzeit – pro Hektar Betriebsfläche. Ob der Anbau nachhaltig und ökologisch erfolgt, ob Angestellte fair bezahlt werden – all dies spielt bei der Vergabe der Subventionen hingegen keine Rolle. Die Folge: Jegliche Investition in die Art und Weise der Bewirtschaftung, jegliche Innovation ist wirtschaftlich sinnlos. Denn am Ende gewinnt derjenige mit der größten Betriebsfläche und dem geringsten Aufwand: „Ökologische Betriebe wirtschaften aufwändiger, nur ein geringer Teil der Subvention ist daher tatsächlich Einkommen für die Landwirte. Im konventionellen Betrieb dagegen verbleiben drei Viertel der Subvention als Einkommen im Betriebsvermögen“, erläutert Martin von Mackensen, der den Dottenfelderhof bei Bad Vilbel betreibt. „Das muss sich ändern“, bekräftigt Martin Häusling, GRÜNER Kandidat für das Europaparlament. „Wir brauchen eine Agrarwende, die Förderungen an ökologische Leistungen knüpft.“ Eine solche Wende, so Häusling, muss neben dem Anbau auch die Weiterverarbeitung umfassen, etwa Bäcker und Metzger. Die Problematik sieht Häusling vor allem in starker Lobbypolitik. So werde der Markt für Saatgut beispielsweise durch drei Hersteller dominiert, die an der Produktion nachhaltigen Saatguts gar kein Interesse haben, da sie zugleich Dünger und Unkrautvernichtungsmittel herstellen. Und auch die Händler*innen haben kein Interesse an Veränderung des geltenden Systems: „Mit den Subventionen werden die Preiskämpfe der Supermärkte aufgefangen“. 

 

Mit fatalen Folgen für Umwelt- und Klimaschutz: „Die Monokultur führt zum Verlust der Artenvielfalt“, erklärt Martin Häusling. Und Moderatorin Stephanie Silber, Chefredaktion des Magazins „Schrot&Korn“ wirft ein, dass der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen die (konventionelle) Landwirtschaft ist. „Wir importieren Soja aus Südamerika, füttern damit die Tiere und exportieren deren Fleisch anschließend nach Afrika.“ Dazu kommen die Auswirkungen von Glyphosat und stickstoffhaltigem Dünger auf Pflanzen und Tiere. Letzteren würde Martin von Mackensen gern stärker besteuern, um mit den so generierten staatlichen Einnahmen im Gegenzug die ökologische Landwirtschaft zu fördern. Aber - wer kann es verdenken: Die Chemieindustrie lehnt derartige Pläne ab. Eine große Hürde sieht Mackensen auch in den bürokratischen Hürden, die gerade für kleine Betriebe viel Aufwand mit sich bringen. 

 

Was also tun für eine nachhaltigere Landwirtschaft? „Wichtig ist, dass auch die Verbraucher*innen umdenken“, findet Martin Häusling „Öko kaufen muss selbstverständlich werden.“. Derzeit beträgt der Anteil an Biofleisch am Gesamtfleischverbrauch gerade einmal ein Prozent – da ist noch viel Luft nach oben. Vor allem am politischen Mut fehlt es dem GRÜNEN Europapolitiker, an der Tatkraft, Dinge auch anzupacken und zu verändern: „Wir haben nur noch zwanzig Jahre Zeit, um den Klimawandel zu bekämpfen. Das funktioniert nicht mit Appellen!“

 



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