17.02.2019

#WasfürnSpahn: Hilfe statt Hass!

Was für´n Spahn: 5 Millionen Euro möchte Gesundheitsminister Jens Spahn in eine Studie investieren, die untersuchen soll, inwieweit Schwangerschaftsabbrüche zu psychischen Belastungen bei den betreffenden Frauen führen. Abgesehen davon, dass es entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen bereits gibt, liegt die Antwort eigentlich klar auf der Hand: Natürlich kann der Abbruch einer Schwangerschaft zu emotionalen Traumata führen! Das liegt ja bereits in der Natur der Sache: Es geht nicht um einen neuen Job, den Kauf einer Wohnung, den Umzug in eine andere Stadt oder sonst eine revidierbare Lebensentscheidung, sondern es geht um die Frage, ein Kind zu bekommen oder nicht. Stellt euch vor, ihr müsstet eine Entscheidung treffen, die euer künftiges Leben fundamental beeinflusst und die ihr nie mehr korrigieren könnt, egal wie ihr euch entscheidet. Und dafür habt ihr nur wenige Tage oder Wochen Zeit, denn nur bis zum dritten Monat sind Abtreibungen in Deutschland straffrei möglich. Straffrei und dennoch illegal wohlbemerkt und gerade dieser Umstand sorgt für zusätzliche psychische Belastung, da Frauen, die abgetrieben haben, somit gesellschaftlich stigmatisiert werden. Neben der immer wiederkehrenden quälenden Frage, ob frau sich am Ende nicht doch falsch entschieden hat. 

Allein schon der Umstand, die psychischen Auswirkungen eines Schwangerschaftsabbruchs mit einer wissenschaftlichen Studie quasi auf den Prüfstand zu stellen, ist frauenverachtend genug. Denn was für eine Alternative sollten die Untersuchungen denn ergeben: Dass Frauen die Pille danach schlucken „wie Smarties“ (Zitat Jens Spahn) und nach einem Abbruch fröhlich ihr Leben weiterleben, als hätten sie sich gerade mal den Blinddarm entfernen oder die Nase korrigieren lassen??? 

Das Ergebnis der Studie steht damit quasi im Vorhinein fest: Die allermeisten Frauen leiden psychisch immens unter den Folgen des Abbruchs. Wozu dann also die Untersuchung? Damit selbsternannte „Lebensschützer*innen“ künftig (noch) besser dafür plädieren können, § 218 und § 219a so zu lassen, wie sie sind? 

5 Millionen Euro an Haushaltsmitteln soll die ominöse Studie den bzw. die Steuerzahler*in kosten. Zum Vergleich: Gerade einmal 100.000 Euro wurden im vergangenen Jahr in Frauenhäuser investiert. Gerade in Großstädten sind Kita-Plätze Mangelware. Alleinerziehende werden mit dem Problem, Job bzw. Studium oder Ausbildung und Kind unter einen Hut zu bekommen, ziemlich allein gelassen. Familien mit Kindern drohen weitaus eher in die Armut abzurutschen als Menschen ohne Kinder.

Wäre die soziale Infrastruktur eine andere, würden alleinerziehende Mütter (und natürlich auch Väter) mehr Unterstützung erhalten, würde die Sorge für Kinder von der Gesellschaft als solidarische Investition in die Zukunft betrachtet werden anstatt zum wirtschaftlichen Risiko zu werden, das (weitgehend) allein diejenigen tragen müssen, die die Kinder bekommen – so manche Frau würde sich vielleicht letztlich doch gegen einen Abbruch entscheiden. Mit fünf Millionen Euro könnte man viel bewegen.

 

Unter dem Hashtag #WasfürnSpahn sammelt die Bloggerin Nike van Dinther derzeit Unterschriften gegen die geplante Untersuchung und plädiert dafür, die Mittel stattdessen in Betreuungs-, Beratungs- und Hilfsangebote für Familien und Alleinerziehende zu investieren. Über 64.000 Menschen haben bereits unterschrieben (Stand heute 18.00 Uhr), hierkönnt ihr euch anschließen. 



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URL:https://www.gruene-nordend.de/willkommen/expand/701961/nc/1/dn/1/