14.10.2018

Mehr von Marcus: Was man gegen den „Rechtsruck“ tun kann

Prof. Dr. Micha Brumlik (li) und Marcus Bocklet (re)

Bis auf den letzten Platz war das Rotlintcafé am vergangenen Donnerstag besetzt – bei dem lauen Wetter saßen einige Interessierte sogar draußen, um zu hören, welche Ursachen und vor allen Dingen welche Lösungsansätze Prof. Micha Brumlik und Landtagskandidat Marcus Bocklet für den „Rechtsruck“ in unserer Gesellschaft sahen.

 

Es wäre zu kurz gegriffen, den Grund allein in der steigenden Zahl der vermeintlich „Abgehängten“ zu sehen – dennoch spielt die Tatsache, dass sich die soziale Zusammensetzung unserer Gesellschaft im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung verändert hat, eine gewichtige Rolle. „Die herkömmliche Mittelschicht und die klassische Arbeiterschaft sind geschrumpft – ihr stehen jetzt eine mobile, kosmopolitische Bildungselite einerseits, und ein wachsendes Prekariat andererseits gegenüber“, erläutert Prof. Brumlik und bezieht sich dabei auf den französischen Soziologen Didier Eribon, der diese Entwicklung in seinem Buch „Rückkehr nach Reims“ eingehend skizziert hat. War es in der „guten alten Zeit“ in den meisten Fällen problemlos möglich, das einmal Erreichte zeitlebens zu halten oder sogar gesellschaftlich aufzusteigen, schützen heutzutage weder Besitz-  noch Bildungsstand vor gesellschaftlichem Abstieg. Vor allem der Neoliberalismus der vergangenen Jahrzehnte führte zu einer zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft. Dazu kommt der Trend, wieder zurück in die großen Städte zu ziehen. Während hier Wohnungsnot herrscht, kommt das öffentliche Leben im ländlichen Raum weitgehend zum Erliegen. Die Sehnsucht nach engen Grenzen, die ein Nationalstaat bietet, spiegelt das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit wieder. 

 

Dennoch wäre der Erfolg der Neuen Rechten auch vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund vermutlich von kurzer Dauer, wenn nicht ein Teil der Bildungselite gezielt den Diskurs beeinflussen, die Grenzen des Sagbaren neu definieren und Ängste provokativ schüren würde. „Gerade diese Strategie bietet ein Auffangbecken für Unzufriedene“, konstatiert Marcus Bocklet. 

 

Wie man dem entgegentreten kann? „Indem man Bildungsdefizite abbaut“, rät der Erziehungswissenschaftler Brumlik. Der Politiker Marcus Bocklet richtet seinen Blick vor allem in den ländlichen Raum: Das öffentliche Leben und die Infrastruktur dort gilt es zu stärken, beispielsweise durch den Ausbau schneller Internetverbindungen und durch Dezentralisierung von Behörden. Durch die unter GRÜNER Regierungsbeteiligung auf den Weg gebrachten Programme des sozialen Arbeitsmarktes speziell für Langzeitarbeitslose, durch den Ausbau der Schuldner*innenberatung und durch die Weiterführung sozialer Wohnungspolitik lässt sich das Gefühl des „Abgehängtseins“ mildern. 

 

Am wichtigsten jedoch ist die innere Einstellung jedes/jeder Einzelnen in unserer Gesellschaft: „Wir müssen Haltung zeigen“, bringt es Marcus Bocklet auf den Punkt. 

Die Diskurshoheit nicht den Rechten überlassen, Repression entgegensetzen und den Gemeinschaftssinn stärken, denn: „Werte, die wir erreicht haben, wie beispielsweise ein offenes Europa, sind nicht selbstverständlich!“

 

Bleibt die – durchaus selbstkritische - Frage des ebenfalls im Publikum befindlichen, ehemaligen hessischen Justizministers Rupert von Plottnitz: „Warum sitzen wir hier erst heute?“

 

Hier könnt ihr in der kommenden Woche mit Marcus Bocklet ins Gespräch kommen:

 

Dienstag, 16.10.2018: „Wie bezahlbaren Wohnraum schaffen?“. Mit Prisca Hinz und Manuel Stock. 19.30 Uhr, Café awake, Nibelungenpl. 3, Frankfurt-Nordend/Ost

 

Samstag, 20.10.2018: Der GRÜNE Bereich auf dem Merianplatz (Marcus wird ab 12.30 Uhr am Stand sein).

 

Sonntag, 21.10.2018: Das historische Bornheim mit Bernhard Ochs und Marcus Bocklet. 15.00 Uhr, Treffpunkt am Uhrtürmchen, Frankfurt-Bornheim



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